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Artistin sorgt in Kassel für Stabilität zwischen Adrenalin

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Von: Ulrike Pflüger-Scherb

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Sie ist bereits als Zehnjährige in Kassel aufgetreten: Aktuell begeistert Alona Zhuravel mit Handakrobatik im Flic-Flac-Zelt auf dem Friedrichsplatz.
Sie ist bereits als Zehnjährige in Kassel aufgetreten: Aktuell begeistert Alona Zhuravel mit Handakrobatik im Flic-Flac-Zelt auf dem Friedrichsplatz. © Ulrike Pflüger-Scherb

Die 31-jährige Artistin Alona Zhuravel gehört zu den Artisten, die aktuell bei der 13. Auflage des Festivals der Artisten auf dem Friedrichsplatz auftreten.

Kassel – Obwohl es fast 20 Jahre her ist, dass Alona Zhuravel in Kassel war, habe sie den Friedrichsplatz und dessen Zufahrt sofort wiedererkannt. Damals trat sie im Zirkus Flic Flac, bei dem ebenfalls ihre Eltern engagiert waren, mit einer Hand-auf-Hand-Nummer auf. Heute präsentiert die 31-jährige Artistin, deren Familie aus Russland stammt, als Solokünstlerin Handakrobatik in Perfektion.

Sie ist eine der Künstlerinnen bei der 13. Auflage des Festivals der Artisten.

Unglaublich, wie sie auf einer Hand ihren kompletten Körper balanciert, die Beine und den zweiten Arm in die unterschiedlichen Himmelsrichtungen streckt. Und das auch noch in sechs Meter Höhe. Das sei beim Festival der Artisten schon eine besondere Herausforderung, dass sie ungesichert in dieser Höhe ihre Akrobatik zeige. Normalerweise befinde sie sich nur ein bis zwei Mater über dem Boden. Eigentlich wisse sie, dass sie nicht runterfallen könne. Eigentlich.

Wo hat sie diese Kunst gelernt? Von den Eltern. Ihre Mutter habe gerade mal im Alter von 13 Jahren ihr zu Hause verlassen, um zum Zirkus zu gehen. „Meine Mutter hatte Glück mit ihrem Trainer.“ Die Mutter habe all ihr Können an den Vater weitergegeben, der sie trainiert habe, sagt Alona Zhuravel.

Benötigt man nicht unheimlich viel Kraft in den Armen, um diese Akrobatik beherrschen zu können? Die 31-Jährige, die auch schon beim Cirque du Soleil aufgetreten ist und drei Jahre in Mexiko gelebt hat, verneint das. „Ich kann keine Klimmzüge und keine Liegestütze. Vielleicht fünf bis zehn.“ Die Kunst bestehe in der Technik. Da müssten bestimmte kleine Muskeln in der Schulter aktiviert werden. Da sie schon als Sechsjährige mit dem Training begonnen habe, beherrsche sie diese Technik auch auf einem Niveau, das nicht viele Artisten hätten. Das sagt sie, ohne arrogant oder überheblich zu wirken.

Der Vorteil sei auch, dass sie pro Tag nur noch eine Stunde trainieren müsse. Manchmal könne sie auch einen Tag pausieren.

Ihre Nummer sei sicher nicht so spektakulär, wie jene der Motorradfahrer, die in der Kugel fahren oder durch die Manege springen“, sagt die 31-Jährige. „Zwischen dem ganzen Adrenalin bringe ich Stabilität für das Publikum“, sagt die Artistin. Auch wenn ihr Act ruhiger als die Motorradnummern ist, hat Alona Zhuravel bereits viel Applaus in Kassel bekommen. Zu Recht. Dass es nach bislang jeder Vorstellung auf dem Friedrichsplatz stehende Ovationen für alle Artisten gegeben hat, freue sie sehr. Vor allem nach der erzwungenen Corona-Pause.

Ob sie Chancen hat, beim Festival in Kassel zu gewinnen, darüber habe sie sich bislang noch keine Gedanken gemacht. Einige Artisten liefen nach jeder Vorstellung nach vorne, wo die ausgewählten Zuschauer über ihre Favoriten abstimmen können. Dafür habe sie keine Zeit.

Nach der Vorstellung gehe sie so schnell wie möglich ins Hotel, wo ihr siebenjähriger Sohn und ihr Mann, ebenfalls ein Artist, sowie der Hund auf sie warteten. Eigentlich lebt sie mit ihrer Familie in Brühl, wo der Sohn zu Schule geht. In den Weihnachtsferien durfte er sie nach Kassel begleiten.

Die gebürtige Russin positioniert sich auch klar gegen den Krieg Russlands gegen die Ukraine. Da ihr Mann Ukrainer ist und die Schwiegereltern in Kiew lebten, gehe ihr das besonders nahe. Sie und ihr Mann versuchten, der Familie in der Ukraine so gut wie möglich helfen zu können.

Wegen ihrer russischen Herkunft sei sie bislang noch nie angefeindet worden, sagt Alona Zhuravel. „Das hängt aber auch immer von der persönlichen Einstellung ab.“ Sie lehne den Krieg ab. „Für mich steht fest, dass Russland die Ukraine überfallen hat. In Russland konnten alle Neujahr feiern, in der Ukraine nicht.“ (Ulrike Pflüger-Scherb)

Hohe Kunst und perfekte Technik: Alona Zhuravel beim Festival der Artisten in Kassel.
Hohe Kunst und perfekte Technik: Alona Zhuravel beim Festival der Artisten in Kassel. © Andreas Fischer

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