Wegen Brandschutzauflagen

Wegen Brandschutzauflagen: Stadt entfernt Schul-Garderoben

+
Unpraktisch: Der Erstklässler Marius Sauer kann seine Jacke nicht an die neuen Kleiderständer in der Grundschule Harleshausen hängen, weil die Haken für ihn zu hoch angebracht sind.

Kassel. In der Grundschule Harleshausen stößt die Entfernung der Garderoben aus den Fluren auf Kritik: „In den Klassenräumen ist schon jetzt kaum mehr Platz“, sagt Schulleiterin Cornelia Schein. Die Ständer müssen noch dazu frei stehen.

„In Räumen mit zwei Fensterfronten wird das besonders schwierig“, sagt sie. Außerdem seien die Haken für viele Schüler, vor allem für die Erstklässler, viel zu hoch angebracht.

Wie in der Grundschule Harleshausen werden derzeit in vielen Kasseler Schulen die Garderoben aus den Fluren entfernt. Der Grund dafür sind Brandschutzauflagen. Denn die Flure sind in der Regel auch Fluchtwege. Als Ersatz erhalten die Schulen Garderobenständer aus Metall mit 24 Haken und einer Ablage für Mützen und Schals. Die Ständer müssen in den Klassenräumen aufgestellt werden.

Der sechsjährige Marius Sauer, Erstklässler an der Grundschule Harleshausen, kann seine Jacke nicht ohne Hilfe an den Haken hängen. „Der Haken hängt viel zu hoch“, sagt er. An die Ablage für die Mütze kommt er überhaupt nicht heran. Er ist gerade mal 1,10 Meter groß. „Meine Mütze muss ich hochwerfen“, sagt der Schüler.

Auch bei vielen Eltern regt sich Widerstand: „Gerade jetzt, wenn die nasse Jahreszeit beginnt, müssen die Kinder ihre nassen Jacken und Schuhe mit in den Klassenraum nehmen“, sagt Tanja Schöttner vom Schulelternbeirat. Aus hygienischer Sicht sei das alles andere als optimal. Obwohl sie die Entscheidung generell aus Sicht des Brandschutzes nachvollziehen kann, kritisiert sie, dass weder Eltern noch Lehrer in die Entscheidung über mögliche Alternativen einbezogen worden seien.

„Die Kleiderständer haben sich in verschiedenen Schulformen bewährt“, teilt die Stadt auf Anfrage mit. Sie würden bereits in vielen Kasseler Grund-, Sonder-, Berufs- und weiterführenden Schulen eingesetzt. „Eine Alternative zu der platzsparenden Aufstellung der kompakten und stabilen Kleiderständer wird nicht gesehen“, heißt es weiter. Die Höhe der Haken sei von der Unfallkasse Hessen vorgeschrieben.

Laut Stadt wurden unter anderem auch in der Carl-Anton-Henschel-Schule, der Heinrich-Schütz-Schule und der Valentin-Traudt-Schule die Garderoben aus den Fluren entfernt. In den nächsten Wochen sollen auch die Garderoben in der Königstorschule abgebaut werden. Außerdem teilt die Stadt mit, dass ergänzend zu den Kleiderständern Haushaltsmittel für die Anschaffung von Spinden beantragt worden seien.

In Kitas dürfen die Garderoben in den Fluren bleiben. Für sie gelten der Stadt zufolge andere Brandschutzauflagen als für Schulen. In der Regel seien bei Kitas direkte Fluchtwegemöglichkeiten ins Freie möglich. Zurzeit läuft eine Bestandsaufnahme. Erst danach kann die Stadt konkrete Kosten für die Aktion benennen. (mkx) Das sagen ...

Von Mirko Konrad

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.