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Stadt erweitert Frauenhaus: Neubau mit 14 zusätzlichen Plätzen entsteht in Kassel

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Von: Anna Weyh

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Die Beziehung liegt in Scherben: Energiekrise und Inflation belasten den Alltag vieler Familien. Immer mehr Frauen suchen Schutz vor häuslicher Gewalt. Symbolbild: Gollnow/dpa
Die Beziehung liegt in Scherben: Energiekrise und Inflation belasten den Alltag vieler Familien. Immer mehr Frauen suchen Schutz vor häuslicher Gewalt. Symbolbild: Gollnow/dpa © Sebastian Gollnow

Die Stadt Kassel erweitert das Frauenhaus und investiert dafür rund vier Millionen Euro in einen Neubau.

Kassel – Zu den bislang bestehenden 32 Plätzen kommen 14 weitere hinzu. Der Neubau kostet die Stadt etwa vier Millionen Euro. Der Grund für die Erweiterung: Das Frauenhaus war in den vergangenen fünf Jahren voll ausgelastet. „Aufgrund von fehlenden Kapazitäten oder nicht erfüllbaren besonderen Anforderungen mussten regelmäßig Frauen und deren Kinder abgewiesen werden“, sagt Bürgermeisterin Ilona Friedrich. Allein im Jahr 2021 betraf das 52 Frauen und 52 Kinder.

„Die Erweiterung ist schon lange überfällig“, sagt Irmes Schwager vom Frauenhaus-Verein Kassel. Das Gebäude soll ein Schutzraum, aber auch ein Ort der Begegnung sein und gleichzeitig selbstständiges Leben und Rückzugsmöglichkeiten für die Nutzerinnen und ihre Kinder bieten. „Dafür brauchen wir Platz“, sagt sie.

Der soll nun geschaffen werden. Gemeinsam mit drei Architektinnen arbeiten der Frauenhaus-Verein und die Stadt Kassel als Bauantragstellerin ein Konzept aus. Bei dem Neubau liege der Fokus auf der Barrierefreiheit. Denn aktuell sei das Frauenhaus für Frauen mit Einschränkungen in vielen Teilen nicht zugänglich. Mit dem Erweiterungsbau soll dieses Problem angegangen werden, die neu geschaffenen Plätze seien weitgehend barrierefrei.

Deutschlandweit fehlen 14 000 Plätze

Für Frauen und Kinder, die in Deutschland Schutz vor Gewalt suchen, gibt es laut dem Verein Frauenhaus-Koordinierung bundesweit rund 7000 Frauenhausplätze. Die von Deutschland ratifizierte Istanbul-Konvention hält jedoch ein Familienzimmer (entspricht 2,5 Plätzen im Frauenhaus) pro 10 000 Einwohner für notwendig, um jeder Schutz suchenden Frau und ihren Kindern ein Zimmer anbieten zu können. Damit benötigte Deutschland knapp 21 000 Frauenhausplätze, also dreimal so viel wie aktuell vorhanden.

„Darauf wollen wir uns als Team sensibilisieren. Es betrifft viel mehr als nur den Rollstuhl“, sagt Diana Frisch vom Trägerverein. Auch Hilfestellungen für sehbehinderte und gehörlose Frauen werden weiter miteinbezogen. „Allen Frauen muss der Zugang zum Frauenhaus möglich sein“, fügt Irmes Schwager hinzu.

Der Beginn der Erd- und Rohbauarbeiten ist für Sommer 2023 geplant. Fertig werden soll das Projekt voraussichtlich Ende 2024. Die Stadt Kassel unterstützt das Frauenhaus jährlich mit 310 000 Euro. Das Land Hessen beteiligt sich mit knapp 234 000 Euro an der Finanzierung und erhöht die Förderung nun planmäßig um jährlich 32 000 Euro für mehr Personal. Außerdem sollen alle hessischen Frauenhäuser, die ihre Plätze erweitern, zusätzlich 72 000 Euro durch ein Bundesinvestitionsprogramm erhalten. Ilona Friedrich kritisiert diese Pauschalförderung. „Es wird nicht zwischen kleineren Umbauten und größeren Platzzahlerweiterungen mit entsprechendem Personalbedarf differenziert“, sagt die Sozialdezernentin.

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