Stadtverwaltung

Nach AfD-Antrag: Kassel hält an geschlechtergerechter Sprache fest

Die AfD kritisiert das Gendern in Verwaltungsschreiben der Stadt Kassel. Ein Antrag der Partei wurde nun abgelehnt. (Symbolbild)
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Die AfD kritisiert das Gendern in Verwaltungsschreiben der Stadt Kassel. Ein Antrag der Partei wurde nun abgelehnt. (Symbolbild)

Ein Antrag der AfD, die geschlechtergerechte Sprache in Kassel wieder einzustellen, wird abgelehnt. Ein CDU-Politiker bezeichnet den Versuch als „scheinheilig“.

Kassel - Der Versuch der AfD, sprachlich die Uhr in der Stadt Kassel zurückzudrehen, ist im Finanzausschuss gescheitert. Alle anderen Fraktionen lehnten am Dienstagabend (11.01.2022) im Ausschuss die AfD-Anträge „Kein Gendern in amtlichen Schreiben“ sowie zu einer Mitgliedschaft der Stadt im Verein Deutsche Sprache (VDS) ab.

Ende September 2020 hatte die Mehrheit der Kasseler Stadtverordnetenversammlung den SPD-Antrag für eine „geschlechtergerechte Sprache“ in Schreiben der Verwaltung beschlossen. Danach soll die Stadtverwaltung geschlechtsumfassende Formulierungen verwenden, also zum Beispiel „Beschäftigte“ oder „Studierende“. Wenn dies nicht möglich ist, soll das Gender-Sternchen (etwa „Erzieher*innen“) verwendet werden.

Gendern in Verwaltungsschreiben der Stadt Kassel: „Der AfD geht es nicht um die Sache“

Der Beschluss war mit Stimmen von SPD, Grünen, Linken und einem Vertreter der Fraktion FDP, Freie Wähler und Piraten gefasst worden. Zwei Vertreter dieser Fraktion sowie CDU und AfD lehnten dies ab. Das AfD-Ansinnen, die Kasseler Stadtverwaltung solle wieder das generische Maskulinum, also die männlichen Personen- oder Berufsbezeichnungen, verallgemeinernd für all, verwenden und auf das Gendersternchen verzichten, wies in der Sitzung Dominique Kalb (CDU) als „scheinheilig“ zurück.

„Der AfD geht es nicht um die Sache“, sagte der Christdemokrat. Die AfD versuche in populistischer Weise, sich das Thema einzuverleiben. Es sei grotesk, dass sich ausgerechnet die AfD als Hüter der deutschen Sprache aufspiele, wo diese doch zur Verrohung der deutschen Sprache beigetragen habe, meinte Kalb. Zwar habe auch die CDU im September 2020 den Antrag der SPD abgelehnt. Da sich aber die Mehrheit nicht geändert habe, mache die nochmalige Diskussion wegen dieses AfD-Antrags keinen Sinn, so Kalb.

Die AfD versuche es jetzt durch die Hintertür, den Beschluss von 2020 rückgängig zu machen, kritisierte auch die Sozialdemokratin Anke Bergmann. Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) erklärte, die Stadt müsse sich bei amtlichen Schreiben ohnehin an Vorgaben von Land und Bund für sprachliche Diskriminierungsfreiheit halten, etwa an das Verwaltungsverfahrensgesetz.

Kassel lehnt Eintritt in Verein Deutsche Sprache ab: Grünen-Politikerin findet deutliche Worte

In dem AfD-Antrag, die Stadt Kassel solle dem Verein Deutsche Sprache beitreten, sah Geselle ebenfalls keinen Sinn. Ein solcher Vereinsbeitritt müsse einen besonderen Grund haben, den sehe er nicht, betonte der OB. Sophie Eltzner (Grüne) wurde da noch deutlicher. Der Verein Deutsche Sprache habe in den vergangenen Jahren „einen rechtspopulistischen, sprachpuristischen und wissenschaftsfeindlichen Weg“ eingeschlagen. Die Stadt Kassel sei konträr zu den Positionen dieses Vereins eingestellt. Deshalb lehne man einen Beitritt ab, so Eltzner.

Gerade weil sich der VDS gegen „Gender-Sprech“ und „übertriebenen Gebrauch“ von Anglizismen einsetze, hatte AfD-Fraktionschef Sven R. Dreyer für den Beitritt der Stadt geworben. „Kassel sollte dem Beispiel anderer Kommunen folgen.“ (Andreas Hermann)

Im vergangenen Jahr kam es zu Diskussionen an der Uni Kassel, da Studierende schlechtere Noten erhalten könnten, falls diese nicht gendern. Inzwischen hat die Universität Kassel ein Gutachten zum Gendern veröffentlicht.

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