Grundlage für Diskussion

Leitfaden für Bau soll Kassel lebenswerter machen: Wir zeigen positive Beispiele

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Wird von den Verfassern des Leitfadens als ein positives Beispiel für Baukultur in Kassel angeführt: der Neubau der Firma Sagaflor an der Eugen-Richter-Straße. 

Kassel. Wie kann die Stadt Kassel in Zukunft lebenswert(er) geplant und gebaut werden? Der Leitfaden dafür liegt nun nach mehr als dreijähriger Diskussion vor: die Charta für Baukultur.

28 Seiten stark, versehen mit Präambel, fünf Leitsätzen, drei Instrumenten und vielen Vorschlägen, wie die Stadt Kassel lebenswert(er) geplant und gebaut werden soll: Nach über dreijähriger Beschäftigung mit dem Thema liegt die Charta für Baukultur in Kassel vor. Experten und Interessierte haben diesen Leitfaden als Diskussionsgrundlage formuliert. 

Zum Ergebnis erklärt Architekt und Stadtplaner Reiner Nagel (Berlin): „Mit der Charta wird eine Verbindlichkeit für öffentliche und private Bauherren, die städtische Politik und die verantwortlichen Verwaltungen geschaffen, um die Qualitätssicherung für eine lebenswerte Umwelt zu gewährleisten.“

Die Entstehung

Besser planen und bauen: Diesen Gesprächsprozess, der zur Formulierung der Charta führte, hat Grünen-Stadtbaurat Christof Nolda 2013 angeregt (siehe Hintergrund). „Baukultur“ meint den bewussten Umgang mit allem, was in Kassel auf das Stadtbild, den Stadtraum und das kulturell-bauliche Erbe einwirkt.

Die Ausgangslage

Jedes Haus wirkt auf seine Umgebung. Der von den Nachbarn kritisierte Neubau einer Stadtvilla ist da nur ein Beispiel. Was gebaut und was nicht gebaut werden darf, das regeln das Baurecht sowie die Bebauungs- und weitere Bauleitplanungen. Jeder Neu- und Umbau stellt eine Einzelfallentscheidung dar. Für ein gutes und lebenswertes Bauen gebe es keine rechtliche Handhabe, betont Christof Nolda. Die Charta formuliere deshalb verbindlich Inhalte, Vorgehensweisen und Ansprüche für die Baukultur. Die Leitsätze und Instrumente – zum Beispiel für den Vorrang der Innenentwicklung, zur Betonung der Vielfalt sowie zur Nutzung der Kontraste und Brüche zwischen und in den Stadtteilen – sollen sensibilisieren und als Grundlage zur Auseinandersetzung mit künftigen Plänen für Bauten und Umbauten in Kassel dienen.

Die Adressaten

Die Charta für Baukultur ist ein Appell an die Verantwortung aller planenden Akteure. Die Adressaten sind Bauherren und Architekten genauso wie Politik und Verwaltung. Letztere sollen die Qualitätssicherung durchsetzen. Gute Beispiele von Neu- und Umbauten sollen deutlich machen, was gewollt ist.

Die Perspektiven

Der Gesprächsprozess über gutes Planen und Bauen in Kassel ist auf Dauer angelegt. Bürger sollen sich an den Diskussionen und Planungen beteiligen. Gedacht wird etwa an öffentliche Gestaltbeiräte. Die Stadt versteht sich als Initiatorin, Organisatorin und Moderatorin des Baukultur-Netzwerks. Die Charta soll nach Noldas Angaben noch von den städtischen Gremien beschlossen werden. Alle bisher beteiligten Akteure wollen die Debatte für ein lebenswertes Kassel fortführen. Der Leitfaden soll alle fünf Jahre fortgeschrieben werden.

Prozess dauert dreieinhalb Jahre

Der Gesprächs- und Beteiligungsprozess zur Kasseler Baukultur begann im September 2013 mit einem Symposium. Im Juli 2014 folgten Workshop und Diskussion zur Charta. Im Oktober 2014 lud Kassel zum Hessischen Tag der Baukultur ein. Rückenwind erhielt das Vorhaben im April 2015 durch die Baukulturwerkstatt der Bundesstiftung in Kassel. Parallel formulierte eine Arbeitsgruppe Leitsätze und Instrumente. Ende März konnte Stadtbaurat Nolda die Charta vorstellen.

Positive Beispiele für Baukultur in Kassel

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