Jedes Landesfest ist ein Millionen-Draufleger

Stadt: "Der Hessentag wird sich lohnen"

Profitiert vom Hessentag: Auch in den Umbau des Stadtmuseums fließt Geld aus Wiesbaden. Archivfoto: Koch

Kassel. Mehr großstädtisch als traditionell will sich Kassel als Ausrichterstadt des Hessentages präsentieren und damit beim Landesfest neue Akzente setzen. Auch mit einer oft kritisierten Tradition wollen die Kasseler brechen: Am Ende soll kein Millionendefizit, sondern ein fünfstelliger Gewinn stehen.

So jedenfalls die Kalkulation von Oberbürgermeister Bertram Hilgen.

Bei einem Hessentags-Etat von 11 Millionen Euro rechnet die Stadt damit, 5 Mio. Euro zuschießen zu müssen, jedoch zugleich 5,5 Mio. Euro bei laufenden Investitionsvorhaben einzusparen. Diese Zuschusssumme vom Land Hessen haben die Kasseler verhandelt, als sie nach der Absage Vellmars als Ausrichter des Landesfestes eingesprungen waren.

„Anders als bei anderen Hessentagsstädten hat das Land akzeptiert, dass das Geld nicht für neue Infrastrukturprojekte, sondern für bereits begonnene oder fest geplante Kasseler Vorhaben verwendet wird“, sagt Hessentagsbeauftragter Manfred Merz. Die fünfeinhalb Millionen Euro flössen in die neue Grimm-Welt auf dem Weinberg, die Sanierung der Königsstraße, in den Umbau des Stadtmuseums und der Remise am Palais Bellevue sowie in den Radweg zwischen Rondell und Orangerie.

Zusätzlich erwarte die Stadt für diese und weitere Vorhaben ein günstiges Landesdarlehen über 7,7 Mio. Euro. Merz: „Das bringt uns laut Kämmerei einen Vorteil von 500 000 Euro, die wir an Zinsen sparen.“

Auch wenn sich die Sache aus Rathaussicht lohnt: Für sich betrachtet ist jeder Hessentag ein Millionen-Zuschussgeschäft, was immer wieder zu Kritik von politischer Seite führt. Mit zwei Kennzahlen wird auch Kassel in der Chronik der Hessentage verewigt werden: der Besucherzahl und dem reinen Defizit.

Die Städte Alsfeld (2010) und Vellmar (2013) hatten den Hessentag zurückgegeben, weil sie Angst davor hatten, dass die Kosten aus dem Ruder laufen. Dafür gibt es bisher in Kassel keine Anzeichen, sagt Stefanie Herzog, ebenfalls Hessentagsbeauftragte: „Unsere ursprüngliche Kalkulation hat nach wie vor Bestand.“

Das sind 6 Mio. Euro Einnahmen, davon 3,5 Mio. aus Konzertkarten und 1,5 Mio. aus Stand- und anderen Gebühren. Dem stehen 11 Mio. Euro an Aufwand gegenüber: 6,8 Mio. für Gagen und Veranstaltungsorte, 2,2 Mio. für Sicherheit, Ordnung und Verkehrslenkung sowie 2 Mio. Euro für Marketing und Infrastruktur.

Beim größten Einnahmeposten, dem Kartenverkauf, sieht es recht hoffnungsvoll aus: Mit bisher 160 000 verkauften Tickets „liegen wir deutlich über den Bestmarken anderer Hessentage“, sagt Manfred Merz.

Ebenso entscheidend für einen berechenbaren Hessentag ist laut Stefanie Herzog, dass Zusatzkosten konsequent vermieden werden: „Wir haben streng gedeckelte Budgets, damit müssen alle auskommen.“

Bleibt zum Thema Berechenbarkeit noch die Wetterfrage. Sollte es tagelang regnen und sollten gar Konzerte ausfallen, sei das Risiko von Kartenrückerstattungen versichert, sagt Herzog. Die Einnahmen aus Standgebühren blieben der Stadt in jedem Fall: „Das ist dann das Risiko der Betreiber.“

Von Axel Schwarz

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