Corona erschwert Vorbereitung

Stadt Kassel sucht 2200 Wahlhelfer für die Kommunalwahl 2021

Ilona Friedrich, Bürgermeisterin der Stadt Kassel, vor einer Werbesäule für die Kommunalwahl
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Auf der Suche nach Wahlhelfern: Bürgermeisterin Ilona Friedrich will auch mithilfe dieser Werbung Menschen für das Ehrenamt gewinnen.

Für die Kommunalwahlen und die Ausländerbeiratswahlen am 14. März 2021 sucht die Stadt Kassel Wahlhelfer – und zwar mehr als sonst. Das hat damit zu tun, dass die Organisatoren diesmal auch wegen der Corona-Pandemie von einem starken Anteil an Briefwählern ausgehen.

Kassel – Kassels Bürgermeisterin Ilona Friedrich, in deren Dezernat die Organisation der Wahl fällt, spricht im Interview mit unserer Zeitung von 2200 Wahlhelfern, die benötigt würden. Bei der Europawahl im vergangenen Jahr kamen lediglich 1800 Wahlhelfer zum Einsatz.

Um viele Freiwillige für dieses Ehrenamt zu gewinnen, hat die Stadt mit der Kunsthochschule eine Kampagne gestartet, die sich vornehmlich an junge Menschen richtet. Motto: „Bei dieser Wahl zähl ich! Mit Dir?“ Die Plakate dazu sind seit Kurzem an 27 Litfaßsäulen im Stadtgebiet zu sehen. Viele Studenten haben bereits ihre Bereitschaft signalisiert, im kommenden Jahr als Wahlhelfer zu fungieren.

Insofern könnte die Stadt von dem profitieren, was der Politikwissenschaftler Professor Wolfgang Schroeder von der Universität Kassel als Push bezeichnet. Auch wenn nach wie vor auf der einen Seite eine gewisse Ignoranz gegenüber der Demokratie bei einem Teil der Jüngeren festzustellen sei, ließe sich auf der anderen Seite eine zunehmende Politisierung bei dem anderen Teil beobachten. Zu erkennen sei die durch den Einsatz für den Klimaschutz, den Widerstand gegen den Rechtspopulismus und die Vorkommnisse rund um die US-Wahl. All das führe dazu, dass Jüngere vermehrt bereit seien, sich für die Demokratie einzusetzen – und sich etwa als Wahlhelfer zur Verfügung zu stellen.

Dass bei der Kommunalwahl der Anteil der Briefwähler wohl sehr hoch sein wird, betrachtet Schroeder fernab des Corona-Aspekts als interessante und nicht ganz unproblematische Entwicklung. „Demokratie lebt auch von der Sichtbarkeit, die vor allem durch die Wahl in einem Wahllokal zum Ausdruck kommt.“

Bei der Suche nach Wahlhelfern ist die Stadt Kassel übrigens nicht allein. Auch Vellmar zum Beispiel hält wie immer über die Homepage Ausschau nach Freiwilligen. Die Zahl der Wahlhelfer wird sich hier aber wohl nicht verändern im Vergleich zu früheren Wahlen. Sie liegt bei 153. In Baunatal ist die Entwicklung noch nicht absehbar. (Florian Hagemann)

Wer Wahlhelfer werden darf

Wahlhelfer kann jeder werden, der Deutscher ist oder die Staatsangehörigkeit eines der übrigen Mitgliedstaaten der Europäischen Union hat. Darüber hinaus muss man am 14. März 2021 das 18. Lebensjahr vollendet und zu diesem Zeitpunkt mindestens seit sechs Wochen vor dem Wahltag seinen Wohnsitz in Kassel haben. Ferner darf man nicht per Richterspruch vom Wahlrecht ausgeschlossen sein. Interessierte können sich per Mail an wahlen@kassel.de oder per Telefon (0561/787 8510) melden. Infos: kassel.de/wahlhelfer (hag)

Das sind die Aufgaben der Wahlhelfer

In den Wahllokalen wird am Wahltag ab 7.30 Uhr in zwei Schichten gearbeitet, wie die Stadt Kassel berichtet. Dabei werde beispielsweise sichergestellt, dass der Wahlraum eingerichtet ist, Stimmzettel geheim ausgefüllt werden und nur Wahlberechtigte wählen. Die Wahlvorstände der Briefwahlbezirke treffen sich laut Angaben der Stadt regelmäßig erst um 16 Uhr. Nach 18 Uhr werden die Wahlergebnisse gemeinsam ausgezählt, die Ergebnisse notiert und an die Wahlbehörde gemeldet sowie die Unterlagen vom Wahlleiter zurück in das Rathaus geliefert. (hag)

Stadt Kassel sucht Wahlhelfer: Interview mit Bürgermeisterin Ilona Friedrich

Die Kommunalwahl am 14. März des kommenden Jahres stellt die Stadt vor eine große Herausforderung – zumal in Zeiten der Corona-Pandemie. Ein Gespräch mit Bürgermeisterin Ilona Friedrich, in deren Dezernat die Organisation der Wahl fällt. 

Frau Friedrich, wenn am Sonntag Kommunalwahl wäre, wie viele Wahlhelfer bräuchten Sie dann noch?
Genau kann ich das nicht sagen, natürlich fehlen uns noch Wahlhelferinnen und Wahlhelfer. Deshalb ist es in der jetzigen Phase der Vorbereitung auf die Wahl das Wichtigste, Wahlhelferinnen und Wahlhelfer zu finden. In Zeiten der Pandemie versuchen wir auch zu antizipieren, was die besonderen Herausforderungen dieser Wahl sein werden.
Zu welchen Erkenntnissen sind Sie da gekommen?
Wir gehen davon aus, dass mehr Menschen von der Möglichkeit der Briefwahl Gebrauch machen. Das heißt, wir müssen mehr Briefwahlbezirke einrichten. Normalerweise hätten wir 50 Briefwahlbezirke, nun werden es 91 sein. Das wiederum bedeutet, dass wir 400 Wahlhelferinnen und Wahlhelfer mehr brauchen – insgesamt 2200. Das ist schon ganz sportlich, aber ich bin guter Hoffnung, dass uns das gelingen wird und die Menschen uns unterstützen.
Wie wollen Sie die Wahlhelfer gewinnen?
Zum Beispiel über die Zeitung und eine Kampagne, die wir nun in Zusammenarbeit mit der Kunsthochschule gestartet haben. So machen wir durch Werbung an Litfaßsäulen auf das Thema aufmerksam. Bei der Europawahl hat das gut funktioniert. Außerdem haben wir dieses Mal mithilfe der Uni-Leitung alle Studierenden und Beschäftigten der Universität angeschrieben. Die Rückmeldung war sehr gut. Es haben sich 348 Menschen gemeldet. Dafür bin ich sehr dankbar. Das ist ein Einstieg, wir setzen auf weitere Helferinnen und Helfer in den kommenden Wochen.
Täuscht der Eindruck, oder wollen Sie vor allem junge Menschen ansprechen?
Wir haben festgestellt, dass uns einfach die jungen Leute als Wahlhelferinnen und Wahlhelfer fehlen. Dabei sind Wahlen das Fundament der Demokratie. Das war auch der Anlass für unsere Kampagne, die sich auch aus der Zusammenarbeit mit der Universität ergeben hat. Wir wollen auch junge Menschen einladen, eigene Erfahrungen als Wahlhelferinnen und Wahlhelfer zu sammeln – noch dazu in einem Team. Das macht ja auch Spaß und ist nicht schwierig. Und ein Erfrischungsgeld von mindestens 30 Euro gibt es auch noch.
Das heißt: Das Interesse der jungen Menschen, bei einer solchen Wahl zu helfen, ist durchaus vorhanden?
Ja, und ich glaube, das Interesse ist auch durch die Wahlen in den USA weiter gestiegen. Es waren immer wieder die Wahllokale oder die Räumlichkeiten zu sehen, in denen die Stimmen ausgezählt wurden. Bei vielen hat das sicher das Bewusstsein noch einmal geschärft, wie wichtig die Arbeit der Wahlhelferinnen und Wahlhelfer für unsere Demokratie ist.
Bedeutet das auch, dass bei den jüngeren Menschen das Interesse an der Politik als solches wieder steigt?
Ich finde schon. Ich merke das an Kleinigkeiten. Zum Beispiel werde ich immer mal wieder von Schulklassen angesprochen und eingeladen. Da soll ich dann über Sozialpolitik sprechen. Nicht zuletzt sieht man das gestiegene Interesse auch an Bewegungen wie Fridays for Future.
Sie haben die US-Wahl angesprochen: Machen sie und die Betrugsvorwürfe des nicht wiedergewählten Präsidenten Donald Trump Ihre Arbeit schwerer, indem sie noch stärker hinterfragt wird?
Nein, wir machen hier ganz professionell unser Geschäft – wie immer. Und nun auch unter Pandemie-Bedingungen. Wie in allen anderen Bereichen müssen wir hier unsere Flexibilität und Anpassungsfähigkeit zeigen. Da wird viel von uns abverlangt, aber darauf stellen wir uns ein.
Was bedeutet es denn, eine Wahl in Zeiten der Pandemie vorzubereiten – fernab der Erwartung, dass es mehr Briefwähler geben wird?
Wir werden mit ziemlicher Sicherheit auch am 14. März noch Abstand halten müssen. Das heißt, dass wir das auch bei der Auswahl der Wahllokale beachten müssen, die ausreichend groß sein müssen. Außerdem lässt sich absehen, dass wir keine Wahllokale in Altenheimen einrichten können. Letztlich müssen wir auch damit rechnen, dass gerade ältere Wahlhelferinnen und Wahlhelfer diesmal nicht dabei sein wollen, die uns teils schon über lange Zeit zuverlässig unterstützen. Aus nachvollziehbaren Gründen dürften sich unter den aktuellen Umständen nicht alle für einen Einsatz bei den Wahlen entscheiden. Deshalb hoffen wir umso mehr auf die jüngeren Wahlhelferinnen und Wahlhelfer, und deshalb sind wir auch jetzt schon sehr früh auf der Suche.
Was passiert, wenn Sie am Ende nicht genügend Wahlhelfer zusammen bekommen?
Deswegen fangen wir mit unserer Kampagne ja relativ früh an. Grundsätzlich besteht die Verpflichtung, ein Ehrenamt zu übernehmen. Aber uns ist es wichtig, dass wir die Menschen freiwillig dafür gewinnen, helfen zu wollen. (Florian Hagemann)

Zur Person: Ilona Friedrich

Ilona Friedrich (59) ist in Mittelhessen aufgewachsen, wohnt nun aber schon seit 40 Jahren in Kassel. Hier studierte die Sozialdemokratin Sozialwesen und Wirtschaftspädagogik, nachdem sie zuvor in Butzbach eine Ausbildung zur Industriekauffrau absolviert hatte. Bevor sie im November 2017 Bürgermeisterin der Stadt Kassel wurde, war sie lange beim Werra-Meißner-Kreis tätig – zuletzt als Fachbereichsleiterin für Jugend, Senioren und Soziales, davor als Leiterin des Jugendamtes. Ilona Friedrich ist verheiratet. (hag)

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