Stadtverordnetenbeschluss

Stadt Kassel übernimmt das Ruruhaus

Das Ruruhaus (ehemals Sportarena) an der Ecke Treppenstraße/Obere Königsstraße in Kassel.
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Soll über die documenta 2022 hinaus für kulturelle Zwecke genutzt werden: das Ruruhaus (ehemals Sportarena) an der Ecke Treppenstraße/Obere Königsstraße. Die Stadt Kassel soll das Gebäude ab 2023 per Erbbauvertrag übernehmen. Das hat die Stadtverordnetenversammlung am Montag beschlossen.

Das Ruruhaus, Veranstaltungsort der documenta 2022, wird auch nach der Weltkunstausstellung in Kassel für kulturelle Zwecke genutzt.

Kassel – Mit großer Mehrheit hat am Donnerstagabend die Stadtverordnetenversammlung in nicht-öffentlicher Sitzung der Übernahme des Ruruhaus, des ehemaligen Sportarena-Gebäudes an der Ecke Treppenstraße/Obere Königsstraße, zugestimmt. Mit dem Votum der Stadtverordneten kann das Haus samt Grundstück ab 2023 von der Stadt Kassel im Rahmen eines Erbbaurechtsvertrages mit der Eigentümerin, einer Erbengemeinschaft, übernommen werden. Nach Informationen unserer Zeitung soll das für eine Laufzeit von 50 Jahren Geltung haben. Der entsprechende Antrag auf Initiative von Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) hatte bereits im Grundstücksausschuss eine breite Zustimmung gefunden.

Geselle zeigte sich gestern erfreut über die Entwicklung – und deutete zugleich an, wie es weitergeht. Das Ruruhaus ist nämlich im Gespräch als möglicher Standort für das documenta-Institut. Die City-Kaufleute, die Kasseler Gruppe des Bundes Deutscher Architekten und das documenta-Forum hatten sich zuletzt dahingehend geäußert. Auch Geselle sagt: „Ich mache kein Geheimnis daraus, dass das Ruruhaus auch in meinen Augen der perfekte Ort sein könnte, um die documenta als Ganzes sichtbar zu machen, einen zeitgenössischen Kunst- und Kulturort – ein documenta-Zentrum – mitten in der Stadt zu schaffen.“

Allerdings sollen bei der Frage nach dem seit langer Zeit gesuchten Standort für ein solches Institut nun die Bürger eingebunden werden. Geselle kündigte vor dem Hintergrund ein eintägiges Bürgerforum 2022 an – zusammengesetzt aus zufällig gelosten Bürgern und Menschen und Gruppen, die „ein berechtigtes Interesse am Ergebnis dieses Prozesses haben“. Dazu zählt das documenta-Forum. Hierzu sollen auch Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) und Kulturdezernentin Susanne Völker (parteilos) Input geben.

Am Ende entscheiden die Stadtverordneten. Wenn es nach Geselle geht, soll das noch vor dem Beginn der nächsten Weltkunstausstellung Mitte nächsten Jahres geschehen.

In der Stadtverordnetenversammlung am Montag lehnte dem Vernehmen nach lediglich die Linke die städtische Übernahme des Ruruhauses ab, die AfD enthielt sich. „Der Preis ist einfach zu hoch, die Planung zu ungewiss“, erklärte am Dienstag Luisa Sümmermann, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Linken. Auch ihre Fraktion befürworte die Belebung der Innenstadt durch eine kulturelle Nutzung und die Nutzung von Bestandsgebäuden. Aber: „Inklusive Instandsetzung und Umbau der Gebäude entstehen extrem hohe Kosten, deren Höhe nach oben offen ist.“ Der Erbbauvertrag verlagere das Risiko in die Zukunft.

Zur Höhe der vertraglich anfallenden Kosten macht die Stadt Kassel keine Angaben. Nach HNA-Informationen sollen es etwas mehr als 300 000 Euro sein, die von der Stadt jährlich zur Nutzung des Gebäudes aufgebracht werden müssen.

Position für die Übernahme des Ruruhauses durch die Stadt hat am Dienstag dagegen Lucian Hanschke von den Grünen bezogen. Das Ruruhaus biete eine herausragende Lage, der Standort verpflichte zu einer Nutzung mit besonderer Öffentlichkeit. „Wir stehen hinter dem Leitbild der Innenstadt von Christof Nolda, diese als vielfältigen Ort von Kultur, Begegnung, Arbeit, Einkauf, Wohnen und Tourismus zu entwickeln“, erklärte Hanschke als Grünen-Fraktionssprecher für Stadtentwicklung.

Mit der Entscheidung zum Vertragsabschluss gehe die Bereitschaft einher, das Projekt mit den notwendigen finanziellen Mitteln, die für den Umbau eines unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes dieser Altersklasse benötigt seien, auszustatten, betonte Hanschke.

(Andreas Hermann und Florian Hagemann)

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