Mutter ärgert sich über Prospekte in offiziellen Schreiben

Stadt Kassel verschickt mit ihren Geburtsurkunden auch Werbung 

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Glückliche Mutter ist verärgert: Lisa Kothe mit ihrer Tochter Elin. Mit der Geburtsurkunde erhielt sie auch Werbeprospekte.

Mutter Lisa Kothe erhielt mit der beantragten Geburtsurkunde für ihre Tochter auch Werbeprospekte der Kasseler Sparkasse. Das ärgert sie.

Als Lisa Kothe jüngst zu ihrem Briefkasten ging, kam sie sehr verärgert in ihre Wohnung zurück. Denn in der Post fand sie nicht nur die bei der Stadt Kassel beantragte Geburtsurkunde für ihre Tochter Elin – in dem Umschlag steckten auch Werbeprospekte der Kasseler Sparkasse.

Die Mutter findet es nicht richtig, wenn die Stadt ihren offiziellen Schreiben Werbung beilegt. Aus dem Rathaus heißt es, diese Praxis werde derzeit grundsätzlich überdacht.

Die 41-Jährige hatte nach der Geburt ihrer Tochter die Geburtsurkunde beantragt. „Dafür musste ich 22,50 Euro zahlen“, erzählt die Lehrerin. Umso unverständlicher findet sie es, dass die Stadt trotz der Gebühren auch noch Werbung an die Bürger verschickt. „In so ein offizielles Schreiben gehört so etwas nicht hinein. Ich finde es bedenklich, wenn städtische Mitarbeiter einen Teil ihrer Arbeitszeit damit verbringen, Prospekte in die Briefe zu legen“, sagt Kothe.

Die Werbung der Kasseler Sparkasse richtet sich gezielt an Eltern. „Als junge Eltern ist man es ja gewöhnt, dass man mit Werbung überhäuft wird, aber hier ist eine Grenze überschritten“, findet Kothe. Sie verweist in dem Zusammenhang auch auf den Eltern-Ordner „Willkommen von Anfang an“, den die Stadt jungen Eltern überreicht. Darin befinde sich neben nützlichen Tipps zwar auch Werbung, aber dessen Annahme könne man verweigern.

Linke und Sparkasse sehen Werbung nicht kritisch

Um ihrem Ärger Luft zu machen, hat sie sich an alle Kasseler Fraktionen gewandt. Von der Kasseler Linken bekam sie bereits inhaltlich Antwort: Die Fraktion sah in dem Werbeversand aus dem Rathaus kein großes Problem. Der Fraktionsgeschäftsführer wies darauf hin, dass die Erträge der Sparkasse je zu 50 Prozent der Stadt und dem Landkreis Kassel zu Gute kämen. Dennoch wolle man sich grundsätzlich mit dem Thema auseinandersetzen.

Für Kothe ist das kein Argument. Wenn die Stadt diese Werbemöglichkeit eröffne – was sie ablehne – dürfe dies nicht exklusiv für einige Unternehmen gelten. „Auch andere Banken müssten dann ihre Prospekte beilegen dürfen.“

Die Stadt erklärt auf HNA-Anfrage, dass die Sparkassenwerbung bereits seit Jahren mit den Geburtsurkunden verschickt wird. Zudem gebe es einige wenige weitere Beispiele: So liege der Neubürgermappe Werbung bei.

„Nennenswerte Beschwerden hat die Stadt Kassel in den vergangenen Jahren nicht erhalten. Aktuell prüft die Stadt Kassel, ob und inwiefern die bisherige Praxis zeitgemäß ist und weitergeführt wird“, teilt ein Stadtsprecher mit.

Die Kasseler Sparkasse stellt klar, dass sie im Zusammenhang mit der Werbeaktion keine personenbezogenen Daten der Bürger von der Stadt erhalte. „Hierbei handelt es sich um ein unpersonalisiertes Gutscheinheft, das zur Geburt eines Kindes über das Standesamt herausgegeben wird. Mit diesem unverbindlichen Angebot für junge Familien hatten wir bislang ausschließlich positive Erfahrungen“, sagt Unternehmenssprecherin Katrin Westphal.

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