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Kampf gegen die Sommerhitze: Stadt Kassel will heller bauen

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Von: Andreas Hermann

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Bei Bauvorhaben sollen in Kassel laut Beschluss in Zukunft verstärkt reflektierende Materialien eingesetzt werden. Das kann für manche Menschen auch zur Belastung werden.

Kassel – Wenn die Temperaturen, wie in diesem Sommer, über die 30-Grad-Marke steigen, ist das in Innenstädten besonders schwer zu ertragen. Durch die Erderhitzung und hohe Versiegelung heizt sich das Stadtklima immer stärker auf. Diese Hitze ist dann nicht mehr nur unangenehm, sondern kann nach Angaben der Stadt Kassel vielen Menschen auch gesundheitliche Probleme bereiten.

Um Überhitzung zu vermeiden oder Hitze zu verringern, hat nun die Stadtverordnetenversammlung beschlossen, dass bei allen städtischen Planungen und Bauvorhaben in Kassel vornehmlich helle Materialien und Oberflächen zu verwenden sind. Diese sollen möglichst hohe Reflexionseigenschaften (Albedo/ siehe Hintergrund) haben, also möglichst viel der (Sonnen-)Strahlung reflektieren. Damit soll vermieden werden, dass sich Außen- und Innenräume so stark aufheizen, dass aufwendige Kühlungsmaßnahmen erforderlich werden.

Kassel im Kampf gegen die Hitze: Hellere Oberflächen „wichtiges Element der Klimaanpassung“

Ganz neu ist das in Kassel nicht. Die Verwendung heller Baumaterialien werde von der Stadt vor allem bereits bei befestigten Flächen wie Gehwegen und Plätzen praktiziert. Ein Beispiel dafür sei der Bürgipark, berichtete Stadtsprecher Michael Schwab auf Anfrage. Hochbauten hätten in der Regel mittlere bis helle Fassadenfarben mit einem hohen Albedo-Wert, etwa der sanierte Karlsstraßenflügel des Rathauses. Bei senkrechten Flächen, etwa Gebäudefassaden, solle die beschlossene Festlegung in die Planung künftiger Projekte einfließen.

„Neben Maßnahmen zur Begrünung und Verschattung sind hellere Oberflächen ein wichtiges Element der Klimaanpassung und des vorbeugenden Gesundheitsschutzes“, erklärt dazu Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne). Die Stadt gehe voraus, er freue sich jedoch über Nachahmung auch im privaten Bereich, meinte Nolda. Mit dem Beschluss werde auch einer Empfehlung des Klimaschutzrates gefolgt, durch Beachtung der Materialität und Farbgebung Hitze in der City abzubauen.

Hier wurden bereits hellere Materialien verwendet, um eine Überhitzung des Gebäudes und der Außenflächen zu vermeiden: Der sanierte Karlsstraßenflügel des Kasseler Rathauses – vom Karlsplatz aus gesehen.
Hier wurden bereits hellere Materialien verwendet, um eine Überhitzung des Gebäudes und der Außenflächen zu vermeiden: Der sanierte Karlsstraßenflügel des Kasseler Rathauses – vom Karlsplatz aus gesehen. © andreas hermann

Kassel: Menschen können helle Farbgestaltung auch als Belastung empfinden

Laut Beschluss bedarf es jedoch weiterhin der Prüfung im Einzelfall. So kann es laut Stadt etwa sein, dass Menschen offene und weite Stadtplätze mit heller Farbgestaltung durch die hohe Reflexion als Belastung empfinden.

Die Albedo ist ein Maß für das Rückstrahlvermögen. Werden dunkle Materialien verwendet, heizen sich Gebäude und Außenflächen wegen der geringen Reflexionseigenschaften (Albedo) der Oberflächen auf. Eine Albedo von 0 heißt, dass null Prozent reflektiert, also die gesamte Strahlung absorbiert wird. Eine Albedo von 1 heißt, dass 100 Prozent der Strahlung reflektiert, also nichts absorbiert wird. Helle Oberflächen, zum Beispiel Eisberge, reflektieren sehr viel Strahlung. (Andreas Hermann)

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