Henschel-Museum veräußerte eine Schenkung

Stadt Kassel zahlte für fünf Zeichnungen Ludwig Emil Grimms 4800 Euro

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Ludwig Emil Grimm signierte und datierte diese Zeichnung: „Cassel den 9ten März 1854“.

Kassel. Im Henschel-Museum gab es zufriedene Gesichter: Kulturamtschefin Dorothée Rhiemeier hat für die Stadt Kassel fünf Handzeichnungen von Ludwig Emil Grimm aus dem Eigentum des Vereins Henschel-Museum und -Sammlung in Empfang genommen.

Für insgesamt 4800 Euro hat die Stadt die Schätzchen für ihre Grimm-Sammlung angekauft.

Die größte der Federzeichnungen misst 25 mal 20 Zentimeter. Unverkennbar ist der virtuose Strich Ludwig Emils ebenso sein karikierender Humor: Auf einer Zeichnung sieht man die Teilnehmer einer Landpartie im Regen unter einem Baum. „Duck dich, lass vorübergahn“, schrieb Grimm darunter, „Das Wetter will seinen Willen han“. Nach Auskunft von Rhiemeier verfügt die Stadt bereits über circa 2000 Arbeiten des jüngeren Malerbruders von Jacob und Wilhelm Grimm.

Das Henschel-Museum hatte die Originale vor einigen Jahren von Werner Patrick Henschel, dem 1937 geborenen Sohn Oscar Robert Henschels, der als letzter das Familienunternehmen leitete, geschenkt bekommen. Sie befanden sich seit fast 200 Jahren im Familienbesitz, nicht zuletzt, weil die Henschels freundschaftlich mit den Grimms verbunden waren und über den Künstlerspross Werner Henschel eine enge Verbindung zu Ludwig Emil Grimm (1790-1863) bestand.

„Wir haben uns seinerzeit sehr über die Schenkung gefreut“, sagte Helmut Weich, der Museumsleiter und Technische Vorstand. „Aber wir sahen keine Möglichkeit, die Arbeiten im Museum zu zeigen und zu würdigen. Da wir uns über Spenden finanzieren, können wir jetzt mit dem Erlös viel anfangen.“

Zeichnungen von Ludwig Emil Grimm wechselten den Besitzer: Es freuen sich (von links) Helmut Weich und Claus-Achim Schlemper vom Henschel-Museum und Dorothée Rhiemeier.

Von einer „Win-Win-Situation“ sprach auch Rhiemeier: „Wir haben die Arbeiten gerne angekauft, weil das Geld ja gleichzeitig dem Henschel-Museum zugute kommt.“ Vielleicht könnten sie ja einmal in der Grimmwelt gezeigt werden. Sie freut sich über die „besondere Sensibilität und das Verantwortungsbewusstsein des Henschel-Museums im Umgang mit dem kulturellen Erbe der Familie Grimm, dass es die Kunstwerke als erstes der Stadt Kassel angeboten“ habe. Dadurch gewinne die Stadt doppelt.

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