Interview: Oberbürgermeister Hilgen zur Diskussion um die Huskies

Stadt wird die Eissporthalle nicht kaufen

Im Blickpunkt: Wie geht es mit der Kasseler Eissporthalle weiter ? Foto: Herzog

Kassel. Simon Kimm, Eigentümer der Eishalle, hat den Mietvertrag mit der Betreibergesellschaft KEBG und damit mit den Kassel Huskies zum Ende der Saison gekündigt. Kann die Stadt zwischen Kimm und Huskies-Eigner Dennis Rossing vermitteln? Ein Interview mit Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD).

Wie bewerten Sie die aktuelle Situation?

Bertram Hilgen: Ich hatte nicht erwartet, dass Simon Kimm von seinem Kündigungsrecht Gebrauch macht. Das führt leider wieder einmal zu Unsicherheit bei den Fans und auch bei den Sponsoren, was die Planungen für die nächste Spielzeit deutlich erschwert.

Was steckt denn hinter dem Handeln Kimms, was ist sein Ziel?

Hilgen: Das kann ich nicht beantworten, das wäre reine Spekulation.

Werden Sie zwischen Simon Kimm und Dennis Rossing vermitteln?

Bertram Hilgen

Hilgen: Ein solcher Versuch hat nur Sinn, wenn beide Seiten das wollen. Wenn Herr Rossing und Herr Kimm das wünschen, stehe ich gern zur Verfügung.

Kimm und Rossing hatten sich auf eine Kaufsumme von fünf Millionen Euro geeinigt, der tatsächliche Wert der Halle liegt laut Gutachten bei 1,8 Millionen. Herr Rossing wollte die Summe nicht auf einen Schlag bezahlen, sondern in zehn Raten. Daran waren die Verkaufsverhandlungen vor einigen Wochen gescheitert. Dem Vernehmen nach hatten sich die beiden zuletzt aber wieder angenähert und über die Zahlung in drei Raten verhandelt. Wissen Sie, wie der Stand der Verhandlungen zuletzt war?

Hilgen: Dazu möchte ich an dieser Stelle nichts sagen, weil es nicht zur Lösung des Problems beiträgt.

Dennis Rossing hat mehrfach die geplante Sanierung der Eishalle mit dem Salzmann-Gebäude verknüpft: Wenn die Stadt dort Räume für ein Technisches Rathaus mietet, werde er die Eishalle kaufen und umbauen. Werden Sie jetzt das Technische Rathaus auf Eis legen?

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Hilgen: Nein, das haben wir oft gesagt, auch eine Sondersitzung der Stadtverordneten hatte dieses Ergebnis: Wir haben uns für das Technische Rathaus entschieden, weil es für sich allein genommen wirtschaftlich und organisatorisch sinnvoll ist. Daran hat sich nichts geändert.

Simon Kimm hat einmal gesagt, er habe kein Interesse mehr daran, künftig Eishockey zu betreiben. Tausende Menschen in Kassel identifizieren sich aber mit den Huskies. Haben Sie einen Plan, wie weiter Eishockey angeboten werden kann?

Bilder : Simon Kimms Wirken in Kassel

Simon Kimms Wirken in Kassel und bei den Huskies

Mehr Infos über die Eissporthalle lesen Sie im Regiowiki.

Hilgen: Die Stadt Kassel hat angesichts ihres Schuldenstandes keine Möglichkeit, die alte Halle zu erwerben und umzubauen. Wir haben auch kein Geld, andernorts eine neue Halle zu errichten. Das muss ich zu meinem Bedauern ausschließen.

Die Multifunktionshalle in Kassel war - um es mit Ihren Worten zu sagen - immer wieder auf einem guten Weg. Glauben Sie, dass tatsächlich noch eine solche Halle hier gebaut wird?

Hilgen: Das Projekt ist schon zweimal gescheitert. Der von Herrn Rossing geplante Umbau der Eissporthalle ist auf absehbare Zeit die letzte Chance, so etwas in Kassel zu realisieren. Als Oberbürgermeister muss ich Optimist sein - ich hoffe, dass es klappt.

Bilder der Eissporthalle

Bilder der Eissporthalle

„Kassel bleibt eine Eishockey-Stadt“

Marc Berghöfer, Chef der Eishockey-Jugend, sieht auch eine Lösung ohne Dennis Rossing

Stichwort Kooperationsvertrag

Der Kooperationsvertrag regelt die Modalitäten zwischen der KEBG als Eissporthallen-Betriebsgesellschaft und dem Verein der Eishockey-Jugend Kassel (EJK). Die Lizenz für die Kassel Huskies besitzt die EJK und hat sie im Zuge des Kooperationsvertrages quasi an die KEBG vermietet. Die EJK als Verein meldet die Mannschaften zum Spielbetrieb beim Verband an – also auch die Oberliga-Huskies. Im Gegenzug organisiert die KEBG den Spielbetrieb der Huskies, ist für die Verpflichtung von Spielern zuständig und trägt das wirtschaftliche Risiko. Alle Einnahmen aus dem Spielbetrieb durch Zuschauer, Sponsoren und Bewirtung gehen an die KEBG. Die wiederum stellt den Teams der EJK kostenlos 850 Stunden Eiszeit und zahlt zusätzlich angeblich 190 000 Euro.

Der Vertrag kann von beiden Seiten in den vier Wochen nach einer Saison bis zum 31. Mai gekündigt werden – also ab dem 15. April 2013. (mis)

Ein Satz soll die Eishockey-Fans in Kassel erst einmal beruhigen: „Kassel ist Eishockey-Stadt und wird das auch bleiben“, antwortet Marc Berghöfer, Vorsitzender der Eishockey-Jugend Kassel. Bis zum 30. April ist die Situation geregelt - bis dahin laufen der Mietvertrag und der Kooperationsvertrag zwischen EJK und der Kasseler Eissporthallen-Betriebsgesellschaft KEBG.

Entweder werde sich Dennis Rossing noch entschließen, die Halle von Kimm zu kaufen. Oder es gebe andere Wege, ohne Rossing weiterzumachen, deutet Berghöfer an: „Kimm besitzt die Halle, wir als EJK zwei Lizenzen für die Kassel Huskies und die 1b. Halle und Lizenz aber sind wertlos ohne die Seele des Kasseler Eishockeys: die Fans. Simon Kimm und auch wir als EJK wollen uns dieser Verantwortung nicht entziehen“, sagt er. Allerdings dürften keine Luftschlösser gebaut werden. Mit Eishockey lasse sich kein Geld verdienen. Deshalb sei entscheidend: „Was kann die Region sich leisten, wie kann man nachhaltig etwas aufbauen?“ (mis)

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