Kinder müssen nur selten Unterhalt für alte Eltern zahlen

Stadt und Kreis zahlen Millionen für Pflegefälle

Kassel. Immer mehr Menschen in Stadt und Kreis Kassel können ihre Versorgung im Alter nicht mehr aus der eigenen Rente und den Pflegeversicherungs-Leistungen decken. Das bedeutet steigende Ausgaben für die Sozialämter, die in diesen Fällen einspringen müssen.

Während in der Stadt vor fünf Jahren 1325 Menschen Hilfe zur Pflege erhielten, waren es vergangenes Jahr 1503. 2010 hat das Sozialamt 17,6 Mio. Euro für die Hilfe zur Pflege aufgewandt. In diesem Jahr wird der Betrag voraussichtlich auf 18,2 Mio. Euro steigen.

Der Landkreis hat im vergangenen Jahr 8,8 Mio. Euro für Hilfe zur Pflege aufgebracht, 2006 waren es noch 8,4 Mio. Euro. Im selben Zeitraum stieg die Zahl der Leistungsempfänger von 1120 auf 1224. Die geringeren Ausgaben im Landkreis hängen mit dem höheren Anteil ambulanter Pflege zusammen.

Wenn Anspruch auf Hilfe zur Pflege besteht, prüft die Kommune, ob Angehörige - in der Regel die Kinder - herangezogen werden können. Gemäß dem Bürgerlichen Gesetzbuch sind „Verwandte in gerader Linie (...) verpflichtet, einander Unterhalt zu gewähren“.

Im vergangenen Jahr hat sich das Kasseler Sozialamt auf diesem Wege bei 120 unterhaltspflichtigen Angehörigen 203 300 Euro zurückgeholt. Bei weniger als einem Zehntel der Leistungsempfänger kann also ein Verwandter für einen Teil der Kosten aufkommen. Ähnlich sieht es im Landkreis aus, der über Unterhaltszahlungen im vergangenen Jahr 162 400 Euro der Millionenausgaben ausgleichen konnte.

Durch den demografischen Wandel werden die Zahl der Pflegebedürftigen und damit auch die Ausgaben für die Kommunen weiter steigen, vermutet Marie-Luise Ros, stellvertretende Leiterin des Kasseler Sozialamts. „Wir hoffen, dass sich der Trend zu mehr ambulanter Pflege verstärkt“, sagt Landkreissprecher Harald Kühlborn. Das sei häufig im Interesse der alten Menschen und halte die Kosten im Rahmen.

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