Nun ist der Bund am Zug

Stadt und Land unterzeichnen Vertrag zum documenta-Archiv

„Ein historischer Tag“: Kunstminister Boris Rhein (v. links), documenta-Geschäftsführerin Annette Kulenkampff, Archivleiter Dr. Gerd Mörsch und Oberbürgermeister Bertram Hilgen vor einem Plakat des Fridericianums im Rathaus. Foto: Koch

Kassel. Von einem historischen Tag sprach Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen, der hessische Kunstminister Boris Rhein nannte es das beste Geburtstagsgeschenk für die documenta, die genau gestern vor 60 Jahren das erste Mal im Fridericianum eröffnet wurde:

Beide unterzeichneten einen Kooperationsvertrag zur Zukunft des bislang städtischen documenta-Archivs unter dem Dach der documenta GmbH.

Deren Geschäftsführerin Annette Kulenkampff empfand den symbolischen Zeitpunkt als „bewegend und berührend“. Sie wisse, sagte sie, dass der Erfolg auf viele Beteiligte zurückgehe, die sich lange für eine bessere Ausstattung eingesetzt hätten. Von diesen Wegbegleitern des Archivs waren auch manche in den vollen Magistratssaal des Rathauses gekommen – von Arnold Bodes Tochter E.R. Nele über Dirk Schwarze (documenta Forum) und Dr. Volker Schäfer (Stiftung 7000 Eichen) bis zur langjährigen Archivleitern Karin Stengel.

Hilgen räumte ein, die Stadt Kassel sei allein nie in der Lage gewesen, das Archiv mit den Ressourcen auszustatten, die seinem Anspruch und seinen Aufgaben nach nötig gewesen wären. Jetzt aber erfahre es „neue Schubkraft“.

Die Verstetigung der documenta sei das Ziel, so formulierte es Boris Rhein, und zwar in einem „Forschungs-, Sammlungs- und Vermittlungsverbund“ in Kooperation mit der Kunsthochschule – als Einstieg in ein documenta-Institut, um für mehr Präsenz dieses „unglaublichen Ereignisses documenta“ auch zwischen den Ausstellungen zu sorgen.

Grundlage für künftige Publikationen und Ausstellungen sind ein Aktenarchiv mit zum Beispiel 265.000 Zeitungsausschnitten und 2700 Aktenmappen, 100.000 digitalen und 10.000 Schwarz-weiß-Fotos, 10.000 Videos, einer Spezialbibliothek mit 100.000 Bänden und Vor- und Nachlässen, darunter von documenta-Gründer Arnold Bode.

Fridericianum zeigt Broodthaers

Künftig soll auch noch der Bund ins Boot steigen. Hilgen nannte die documenta – an deren Finanzierung sich bereits die Bundeskulturstiftung beteiligt – eine „nationale Aufgabenstellung“. Er appellierte an die Bundesregierung, die documenta ähnlich zu fördern wie das Bauhaus in Dessau. Dort gebe der Bund für Neubauten 52 Mio. Euro aus.

Minister Rhein nannte als Beispiel das Deutsche Literaturarchiv in Marbach: „Das sind die Marken, an denen wir uns messen lassen müssen.“

Hintergrund: Kooperation bei documenta-Archiv

Der Vertrag sieht vor, dass das Land den bisher von der Stadt aufgebrachten Jahresetat für das documenta Archiv von 500.000 Euro um die gleiche Summe verdoppelt. Im Zuge dieser paritätischen Finanzierung bekommt das Archiv ab 1. Januar 2016 eine neue Trägerschaft: die documenta und Museum Fridericianum Veranstaltungs-GmbH. Gleichzeitig sollen die Weichen für ein documenta-Institut gestellt werden, das Geschichte und Erfolg der Weltkunstausstellung stärker außerhalb der Ausstellungen erlebbar machen soll. Ein Eckpfeiler ist die an der Kunsthochschule angesiedelte documenta-Professur, die das Land mit einem Etat von einer Mio. Euro um fünf Jahre verlängert hat.

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