Land will Anteile an Nassauischen Heimstätte veräußern - Über 5000 Mieter in Kassel

Stadt schließt Kauf aus

Jürgen Barthel

kassel. Für die 5153 Mieter der Wohnstadt in Kassel war es keine frohe Botschaft: Das Land Hessen will sich von seinen Anteilen an der Nassauischen Heimstätte / Wohnstadt trennen. Noch hält das Land 56 Prozent und damit die Mehrheit an der Wohnungsbaugesellschaft. Sorgen machen müssen sich die Kasseler Mieter nach Ansicht des Kasseler Geschäftsführers Dirk Schumacher aber nicht.

Einfluss auf den geplanten Verkauf der Landesanteile hat die Wohnstadt nicht. „Das ist die Entscheidung der Gesellschafter, was mit dem Unternehmen passiert“, sagt Schumacher (siehe Hintergrund). Dazu gehört auch die Stadt Kassel. Mit einem Anteil von 1,3 Prozent kann sie allerdings nicht viel ausrichten.

„Unser Einfluss ist zu gering, um diesen Verkauf zu blockieren“, sagt Kämmerer und Beteiligungsdezernent Dr. Jürgen Barthel (SPD). Viele Kommunen und auch der Landkreis Kassel hätten sich bereits in der Vergangenheit von ihren Anteilen getrennt. Eine Übernahme der Wohnstadt-Wohnungen in Kassel durch die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft (GWG) der Stadt schließt Barthel aus, der Aufsichtsratsvorsitzender des städtischen Unternehmens ist. Schließlich wolle man die GWG nicht in die roten Zahlen führen. Man könne lediglich prüfen, „ob wir einzelne, kleinere Bestände kaufen. Das wollen wir nicht generell ausschließen.“ Allerdings gebe es keine Gespräche und auch kein Angebot an die Stadt. „Wir erwarten das auch nicht.“

Er sehe aber sehr wohl die Gefahr, sagt Barthel, dass die wohnungspolitische Verantwortung bei einem Eigentümerwechsel in den Hintergrund geraten könne. Dahinter steht die Sorge, dass die Versorgung mit preiswertem Wohnraum leiden könnte.

Die Mieterrechte würden bei einem Eigentümerwechsel eine große Rolle spielen, sagt Schumacher. Die Frage nach künftigen Modernisierungen ebenfalls. Schließlich stamme ein Großteil der Wohnungsbestände aus der Nachkriegszeit, viele seien im Zeitraum von 1950 bis 1975 entstanden.

„Da gibt es natürlich auch Investitionsbedarf“, sagt Schumacher. Bei der Wohnstadt sei dieser aber bereits weitgehend abgearbeitet. Sie habe Anfang der 1990er-Jahre ihren Bestand in weitaus größerem Stil modernisiert als die Heimstätte in Südhessen. „Wir stehen bei der Wohnstadt gut da“, sagt Schumacher.

Mieterhöhungen im Zuge von Modernisierungen dürften damit bei einem Verkauf in naher Zukunft keine große Rolle spielen. In Nordhessen unterhält die Wohnstadt 19 600 Wohnungen. Davon sind 40 Prozent Sozialwohnungen und von einkommensschwachen Mietern belegt. Die restlichen Wohnungen werden laut Schumacher ebenfalls von Mietern mit einem bescheidenen Einkommen bewohnt, da die Mieten ähnlich niedrig seien. Archivfotos:  Brandau / nh HINTERGRUND

Von Ellen Schwaab

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