Hauseigentümer und Denkmalschutz suchen Lösung für Wandgestaltung

Stadt Kassel stoppt großen Waschbären

So war der Plan: Die Objekt- und Fassadengestaltung lackaffen.de aus Münster wollte solch einen Waschbärenkopf auf die Fassade bringen. Abbildung: Privat
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So war der Plan: Die Objekt- und Fassadengestaltung lackaffen.de aus Münster wollte solch einen Waschbärenkopf auf die Fassade bringen. Abbildung: Privat

Hauseigentümer wollten auf die Giebelwand ihres Hauses im Kasseler Stadtteil Wehlheiden einen Waschbären malen lassen. Der Denkmalschutz der Stadt hat die Arbeiten nun gestoppt.

Kassel – Er sollte etwa 16 Meter hoch werden. Der Kopf des Waschbären, der die Giebelwand des Mehrfamilienhauses an der Kochstraße in Wehlheiden ab dieser Woche schmücken sollte. Doch aus den Plänen der Hausbesitzer, dem Ehepaar Gabriela Hellwig und Joachim Klück aus Nottuln (Nordrhein-Westfalen), ist nichts geworden. Das Amt für Denkmalschutz der Stadt Kassel hat den Gestaltungsplänen am Montag einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Die Arbeiten sind vorerst eingestellt: Der Denkmalschutz hat die Gestaltung der Giebelwand an der Kochstraße 16a in Wehlheiden gestoppt.

Grund: Das Haus steht unter Denkmalschutz.

Das habe sie nicht gewusst, sagt Gabriela Hellwig, die dort aufgewachsen ist und das Haus, in dem sich im Erdgeschoss die Kneipe „Backstube“ befindet, vor zwei Jahren von ihren Eltern übernommen hat. Wenn sie geahnt hätte, dass sie eine Genehmigung für das Wandbild benötigt, hätte sie natürlich einen Antrag gestellt, so die Anwältin. Sie sei aber optimistisch, noch einen Kompromiss mit dem Denkmalschutz zu finden.

Ursprünglich hatten sie und ihr Mann vor, dass die Mitarbeiter der Objekt- und Fassadengestaltung lackaffen.de aus Münster einen großen Waschbärenkopf auf die Fassade bringen. Die Firma hat sich auf die Gestaltung von Fassaden spezialisiert. In dem Entwurf, den die Eigentümer zusammen mit der Firma gemacht haben, ist auch der Schriftzug lackaffen.de integriert.

Nach Angaben von Stadtsprecher Michael Schwab sei die Baustelle in Wehlheiden am Montag eingestellt worden, da das Wandbild mit dem Motiv eines Waschbären über die ganze Fassade gemalt werden sollte. Dies sei aus denkmalschutzrechtlicher Sicht nicht genehmigungsfähig, da der Giebel als solcher noch erkennbar bleiben müsse. Es dürfe kein vollflächiges neues Fassadenbild entstehen. Das verstoße gegen die Vorgaben.

Hinzu komme, dass das Waschbären-Motiv keinen Bezug zu dem Denkmal habe. Darüber hinaus könne der Schriftzug der Firma lackaffen.de als Werbung verstanden werden, die in dieser Größe auch bauantragspflichtig wäre. Zudem handele es sich nicht um Werbung eines im Gebäude ansässigen Unternehmens. Das Wandgemälde stünde daher in einem dauerhaften Kontrast zum Denkmal, so der Stadtsprecher. Unter Umständen sei aber aus Sicht des Denkmalschutzes eine kleinere Variante des Wandbilds vorstellbar. Dabei sollte man aber auch noch mal den Bezug zum Denkmal infrage stellen. Die Untere Denkmalschutzbehörde stehe mit der Eigentümerin in einem Dialog, um im Rahmen eines denkmalschutzrechtlichen Bauantrages eine Option zur Fassadengestaltung zu finden.

Gabriela Hellwig hat unterdessen den Auftrag für die ursprüngliche Fassadengestaltung gestoppt. Sie will jetzt der Unteren Denkmalschutzbehörde zwei neue Vorschläge für die Wandgestaltung unterbreiten und setzt auf ein persönliches Gespräch Anfang November, um einen Kompromiss zu finden, mit dem beide Seiten leben können.

Sie habe mit dem Wandbild das Ortsbild verschönern wollen. „Ich hoffe sehr auf einen Konsens. Sonst bleibt die Wand eben so ungeheuer hässlich, wie sie ist“, sagt Hellwig. (use)

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