Dr. Bernhard Lauer soll nicht mehr Museumschef der Grimm-Welt werden

Dr. Bernhard Lauer soll nicht mehr Museumschef der Grimm-Welt werden

Muss gehen: Dr. Bernhard Lauer soll nach dem Willen der Stadt und der Brüder-Grimm-Gesellschaft nicht Chef der neuen Grimm-Welt werden. Foto: Zucchi / dpa

Kassel. Mit der Grimm-Welt am Weinberg will die Stadt einen personellen Neuanfang machen. Sie will sich von Dr. Bernhard Lauer als Museumschef trennen. Ein Projektleiter Brüder Grimm soll die weitere Planung begleiten und bei entsprechender Eignung die Leitung der Grimm-Welt am Weinberg übernehmen.

Die neue Stelle im Kulturamt soll demnächst ausgeschrieben werden. Er sei sich mit Dr. Werner Neusel, dem Präsidenten der Brüder-Grimm-Gesellschaft, einig, dass der bisherige Leiter des Grimm-Museums diese Position nicht weiter innehaben könne, sagte Oberbürgermeister Bertram Hilgen am Donnerstag bei der Präsentation der Wettbewerbsergebnisse für die neue Grimm-Welt auf dem Weinberg.

Für Unmut gesorgt

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Lauer wollte sich auf Anfrage nicht zu dem geplanten Leitungswechsel äußern. Auch wenn das Verhältnis zwischen ihm und der Stadt heute entspannter ist: In der Vergangenheit hatte Lauer mit Alleingängen immer wieder für Unmut gesorgt. Zuletzt war es der Umgang mit den kostbaren Handexemplaren der Brüder Grimm, die er im Antrag zum Weltdokumentenerbe der Unesco als Eigentum der Grimm-Gesellschaft bezeichnet hatte und damit Stadt und Land brüskierte. Sie erheben Anspruch auf die Bücher, deren Wert auf 30 Millionen Euro geschätzt wird. Fragen der Stadtverordneten nach Anzahl, Art und Eigentumsverhältnissen der Grimm-Bestände ließ er monatelang unbeantwortet.

Mit dem Wechsel an der Spitze der Grimm-Gesellschaft entspannte sich das Verhältnis der Stadt zu ihrem Angestellten, der zugleich ehrenamtlicher Geschäftsführer der Grimm-Gesellschaft ist. Mit Dr. Werner Neusel als neuem Präsidenten, der Dieter Staubach ablöste, kehrte Ruhe ein.

Mit Neusel hat Oberbürgermeister Hilgen den künftigen Kurs abgestimmt: Bis die Grimm-Welt auf dem Weinberg fertig ist, bleibt Lauer Chef des Grimm-Museums im Schlösschen Bellevue. „Das ist unstreitig, dass er so lange bleibt“, sagt Neusel. Danach werde man sehen. Lauer, gerade 58 geworden, wird dann 60 Jahre alt sein.

Zur Person

Dr. Bernhard Lauer (58) stammt aus der Nähe von Trier. In Marburg studierte er slawische und romanische Sprachen. Er wirkte an zahlreichen Publikationen zu den Grimms mit, bevor er 1989 Leiter des Kasseler Brüder-Grimm-Museums wurde. Mit Publikationen und Ausstellungen in aller Welt setzt er sich für die Verbreitung des Grimmschen Werks ein. Lauer, der auch Geschäftsführer der Brüder-Grimm-Gesellschaft ist, lebt in Partnerschaft.

„Das ist ihm nicht auf den Leib geschrieben“, sagt Neusel über die Grimm-Welt. Diese sei völlig anders ausgerichtet als Lauers bisheriger Arbeitsbereich. „Das ist kein wissenschaftlicher Betrieb. Das ist ein Wirtschaftsunternehmen.“ An der Spitze der Grimm-Welt müsse eine Persönlichkeit mit Manager- und Marketingqualitäten stehen. Darin sei er sich mit Hilgen einig. Laut Neusel wurde darüber auch bereits ein Gespräch mit Lauer geführt, der das Grimm-Museum als städtischer Angestellter seit 13 Jahren führt. Lauer sei reiner Grimm-Experte und als solcher auch weiter gefragt. „Er wird im wissenschaftlichen Bereich der Grimm-Welt eingebunden bleiben“, sagt Neusel. Wo der promovierte Slawist aus dem Rheinland künftig konkret tätig sein wird, ist aber offen.

Von Ellen Schwaab

Hintergrund: Das ist die Brüder-Grimm-Gesellschaft

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Die Brüder-Grimm-Gesellschaft kümmert sich um die Pflege des persönlichen und wissenschaftlichen Erbes der Märchensammler und Sprachforscher Jacob und Wilhelm Grimm sowie ihres Malerbruders Ludwig Emil Grimm. Sie sammelt und dokumentiert Zeugnisse zu ihrem Leben und Werk, unterstützt und koordiniert die weltweite Forschung über die Brüder Grimm. Die Gesellschaft ist an der Gründung des Grimm-Museums beteiligt, das 1959 in Kassel entstand. Gegründet wurde die Grimm-Gesellschaft 1897 und zum zweiten Mal 1942. Seit 2008 steht der ehemalige Regierungsvizepräsident und SPD-Politiker Dr. Werner Neusel als Präsident an der Spitze der über 400 Mitglieder zählenden Grimm-Gesellschaft. Er löste den Berliner Unternehmer Dieter Staubach ab, der zwei Jahre an der Spitze stand.

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