Kosten für Unterbringung sind explodiert

Stadt Kassel sucht Notunterkünfte: Zahl der Obdachlosen hat sich seit 2010 mehr als verdoppelt

Soll in den kommenden Wochen geschlossen werden: Die Obdachlosenunterkunft an der Frankfurter Straße wird wegen Brandschutz-Bedenken still gelegt.
+
Soll in den kommenden Wochen geschlossen werden: Die Obdachlosenunterkunft an der Frankfurter Straße 316 in Niederzwehren wird wegen Brandschutz-Bedenken still gelegt.

Die Zahl der Obdachlosen hat sich in Kassel in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Die Corona-Pandemie verstärkt das Problem.

Kassel – Im Sozialamt in Kassel blickt man mit Sorge auf die Obdachlosenstatistik: Die Zahl der Menschen, die kein eigenes Dach über dem Kopf haben, hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Die Corona-Pandemie und der Flüchtlingsstrom haben das Problem verstärkt. Inzwischen muss die Stadt jährlich 2,3 Millionen Euro ausgeben, um für Notunterkünfte zu sorgen.

Aktuell sind in Kassel etwa 1000 Menschen gemeldet, die ohne eigene Bleibe sind. Ungefähr ein Fünftel davon lebt nach Auskunft der Stadt freiwillig auf der Straße. Für den Rest, für 831 Personen in 559 Haushalten, muss die Stadt Kassel Notunterkünfte stellen. Denn wer von Obdachlosigkeit betroffen ist, hat gegenüber seiner Kommune einen Rechtsanspruch darauf. Schon vor einigen Jahren war ein Anstieg der obdachlosen Menschen in Kassel erkennbar.

Obdachlosigkeit in Kassel: Mehr als 1000 Menschen ohne eigene Bleibe

Die Entwicklung verlief rasant: Noch 2010 musste die Stadt nur 405 Personen unterbringen. Auch die jährlichen Kosten waren mit etwa 300.000 Euro deutlich niedriger. Der starke Anstieg der Ausgaben, die sich mehr als versiebenfacht haben, sei durch mehrere Entwicklungen verursacht worden, so Sozialamtsleiterin Anja Deiß-Fürst.

Ein Grund sind die zunehmenden Probleme in den Unterkünften. So musste mehr Geld für die Überwachung der Gebäude durch Sicherheitsdienste und deren Reinigung nach Befall durch Ungeziefer und extremer Vermüllung ausgegeben werden. Auch kam es vermehrt zu Wohnungsbränden. Zudem musste im Zuge der Corona-Pandemie zusätzlicher Wohnraum angemietet werden, weil pro Zimmer nur noch eine Person untergebracht werden konnte. Der Winter

Kassel: Stadt sucht Notunterkünfte für Obdachlose

Eine besondere Herausforderung für die Stadt ist eine Gruppe von 30 bis 50 alleinlebenden Männern, die „multiple Probleme“ haben, wie es Deiß-Fürst umschreibt. Gemeinsam mit Sozialer Hilfe, Drogenhilfe Nordhessen und Heilsarmee werde derzeit überlegt, wie man mit dieser Klientel umgehen kann.

Den Anstieg der Obdachlosenzahl erklärt das Sozialamt mit der Zunahme psychischer Erkrankungen und Sucht- und Drogenproblemen sowie steigenden Mieten. Auch Flüchtlinge würden vermehrt in Notunterkünften leben. Überdies gebe es den Trend, dass Obdachlose in Städte ziehen. Bürgermeisterin Ilona Friedrich (SPD) hält es für die richtige Entscheidung, dass Kassel die Obdachlosen dezentral, auf 155 Standorte im Stadtgebiet verteilt, unterbringe. Mit Ausnahme von Brasselsberg, Nordshausen und Vorderer Westen gebe es in allen Stadtteilen Standorte. (Bastian Ludwig)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.