Legendärer Flieger

Neue Flugzeughalle auf dem Airport Kassel: Eigenes Nest für den Storch

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Kehrt aus Paderborn zurück: Der Fieseler Storch aus dem Jahr 1943 ist nach der Restaurierung in einem hervorragenden Zustand. Ab dem Sommer soll er wieder häufiger am Kasseler Himmel zu sehen sein. 

Kassel. Der legendäre Fieseler Storch bekommt ein eigenes Nest am Airport Kassel in Calden. Dafür sorgt der Förderverein, der in den nächsten Monaten eine 500 Quadratmeter große Halle bauen will.

Mit der Unterstützung von Sponsoren stehen dafür 350.000 Euro zur Verfügung. "Wir setzen auch auf Eigenleistungen und wollen spätestens im Sommer fertig sein", sagt der Vereinsvorsitzende Hartmut Fischer. Der Geschäftsführer der Kasseler Softwarefirma Trout hofft darauf, dass der Bauantrag möglichst zügig bearbeitet wird.

Wenn das klappt, kann der Storch im Mai zurückkehren. So lange läuft der Mietvertrag für den Stellplatz in einer Halle am Flughafen in Paderborn, wo der Oldtimer überwintert. In Calden soll der Storch zu eine Publikumsattraktion werden. Die Propellermaschine, die 1943 bei Fieseler in Kassel gebaut wurde, genießt bei Fachleuten Kultstatus.

Am Steuer: Kunstflugweltmeister und Firmeninhaber Gerhard Fieseler im Storch über Waldau. 

Die Stadt Kassel hat den Storch 1976 in Süddeutschland gekauft. Er wurde sowohl in der Orangerie als auch im Kulturbahnhof ausgestellt und ab 2006 von dem Förderverein für eine sechsstellige Summe originalgetreu restauriert. Zuletzt hatte ein Sammler aus den USA 1,2 Millionen Dollar für das Flugzeug geboten. Doch der Storch ist unverkäuflich.

Attraktion für Besucher

Seit dem Neubau des Flughafens in Calden sucht der Verein nach einer Lösung für den Storch. Der braucht eine trockene und beheizbare Halle, in der man ihn auch warten kann. Das soll der Hallenbau gewährleisten. Und auch Platz für mindestens vier weitere historische Flugzeuge bieten. „Es gibt eine ganze Reihe von Interessenten“, sagt Hartmut Fischer. Mit einiger Sicherheit werde man demnächst unter anderem einen historischen Doppeldecker präsentieren können.

Wenn der jetzt fertiggestellte Bauantrag genehmigt ist, muss zunächst eine für Öl und Treibstoff undurchlässige Bodenplatte hergestellt werden. Die Halle mit großen Fensterflächen soll neben den Flugzeugen auch Platz für einen Flugsimulator bieten. Der wurde an der Kasseler Universität entwickelt und bietet Hobbypiloten die Gelegenheit zu einem virtuellen Flug mit dem Storch.

Der soll aber auch in der Realität abheben. Ab dem Frühsommer könnte er wieder häufiger am Himmel über Kassel zu sehen sein. Dann hätte der Förderverein sein Ziel mit einer deutlich abgespeckten Planung erreicht.

Zuvor waren eine ganze Reihe von Anläufen gescheitert. Aus den Hoffnungen auf Fördermittel von der Europäischen Union, über das Land bis zur Stadt Kassel ist nichts geworden. Der Verein schultert das Projekt jetzt komplett aus eigener Kraft.

Testflug und spektakuläre Rettungsaktion

Der Fieseler Storch wurde in den 1930er Jahren in Kassel entwickelt und produziert. Er sorgt bei spektakulären Aktionen für Schlagzeilen. Bis heute gilt er als technische Meisterleistung. 

Als Kunstflugweltmeister hatte Gerhard Fieseler schon viele spektakuläre Manöver gemacht. Doch so extrem steil wie bei dem Testflug am 10. Mai 1936 hatte er noch nie ein Flugzeug hochgezogen. Der Storch bestand diesen Test, der Tag gilt als die Geburtsstunde des später legendären Flugzeugs. Damals war Fieseler im Wettbewerb mit anderen Flugzeugbauern wie Focke-Wulf und den Bayerischen Flugzeugwerken. Sie alle wollten den Auftrag des Reichsluftfahrtministeriums haben. Gesucht wurde ein Flugzeug, das fast überall starten und landen konnte. Dem Storch reichten bei Gegenwind 30 bis 50 Meter Startbahn zum Abheben, zum Landen brauchte er nur 20 Meter. Die Propellermaschine mit den namensgebenden Storchenbeinen landete und startete unter anderem auf dem Kasseler Friedrichsplatz. 

Spektakuläre Landung auf dem Friedrichsplatz: Der Storch bei einer Flugschau der Nationalsozialisten Ende der 1930er Jahren.  

2900 Maschinen 

Fieseler holte den Auftrag, der Teil der nationalsozialistischen Aufrüstung für den Krieg war, nach Kassel. Der Storch war in erster Linie als Aufklärungs- und Beobachtungsflugzeug für die Luftwaffe vorgesehen und erhielt von den Militärs den Beinamen fliegender Feldherrenhügel. Auch als Sanitätsflugzeug war der Storch im Einsatz. Bis Kriegsende wurden 2900 Maschinen dieses Typs gebaut. Die Karriere von Gerhard Fieseler als Firmenchef war Ende 1943 beendet. Die immer höher geschraubten Produktionsziele der Nazi-Führung hatten die Fieseler Werke nicht erreicht.

Mussolini flüchtete 

Zwei spektakuläre Aktionen trugen zum bis heute legendären Ruf des Fieseler Storch bei. Am 12. September 1943 befreite ein deutsches Kommandounternehmen den gestürzten italienischen Diktator Mussolini aus einem Berghotel, in dem er gefangen gehalten wurde. Vom Bergrücken des Gran Sasso d’Italia floh Mussolini an Bord eines Fieseler Storch. Rettung vom Gletscher Für weltweite Aufmerksamkeit sorgte das Flugzeug bei der als Dakota-Rettung bekannt gewordenen Hilfsaktion in den Schweizer Bergen. Auf dem Gauligletscher hatte im November 1946 eine Dakota der US-Armee eine Bruchlandung hingelegt. Trotz mehrerer Anläufe konnten die Amerikaner die Verunglückten nicht retten. Das gelang erst der Schweizer Luftwaffe mit dem Fieseler Storch.

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