Scherben, Zigarettenstummel und Erbrochenes: Manuela Maass macht alles weg

Diese arbeitslose Frau ist die Putzfee der Kasseler Kneipenmeile 

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Sie will sich nützlich machen: Die Arbeitslose Manuela Maass ist fast jeden Morgen ab halb fünf auf der Kasseler Friedrich-Ebert-Straße unterwegs, um sauber zu machen.

Nach jeder durchfeierten Nacht sieht die Kasseler Friedrich-Ebert-Straße aus wie ein Saustall. Wie gut, dass es Manuela Maass gibt: Die Arbeitslose macht freiwillig alles weg. Nun hofft sie auf Hilfe.

Wenn die letzten Feierwütigen in den Morgenstunden über die Kasseler Kneipenmeile torkeln, beginnt für Manuela Maass die Arbeit. Die Arbeitslose schiebt an fünf Tagen die Woche jeweils ab halb fünf einen alten Kinderwagen über die Friedrich-Ebert-Straße. Darin sammelt die 47-Jährige in großen Müllsäcken den arglos entsorgten Abfall: Glasscherben, Zigarettenstummel, Essensreste, Kaugummis. Bis zu ihrem Feierabend in den Mittagsstunden bekommt sie drei bis vier Säcke voll – an den Wochenenden sind es über 20.

Die Hartz-IV-Empfängerin bekommt für ihre Arbeit kein Gehalt, aber jede Menge Zuspruch. Mancher der ansässigen Geschäftsleute steckt ihr etwas Kleingeld zu, von den Lebensmittelhändlern und Bäckern bekommt sie Brötchen und Getränke – für jede Art der Unterstützung ist sie dankbar.

Dafür steht die Frau im Blaumann auch bei Starkregen auf der Straße und sorgt für Ordnung – und das nun schon seit mehreren Monaten. Vergangenes Jahr war sie nur vor den Kneipen im Einsatz, inzwischen auf der gesamten Meile zwischen Ständeplatz und Annastraße und sogar in den Seitenstraßen.

„Ich bin froh, dass die Leute glücklich über meine Arbeit sind“, sagt Maass. Vor allem die Scherben seien eine Gefahr für Kinder und Hunde. Sie wolle sich nicht vorwerfen lassen, als Hartz-IV-Empfängerin untätig zu sein. „Leider gibt es nur zu selten so dämliche Menschen wie mich“, sagt die Frau, die auch nicht davor zurückschreckt, Erbrochenes zu beseitigen.

Die Stadtreiniger, die Maas mit Müllsäcken und einem Greifer ausgestattet haben und ihren gesammelten Müll mitnehmen, fahren dienstags und freitags mit der Kehrmaschine über die Friedrich-Ebert-Straße: Das sind Maass’ freie Tage. „Ich muss mich ja auch mal ausruhen.“

Die 47-Jährige ist schon lange arbeitslos, hat sich aber immer nützlich gemacht. Viele Ein-Euro-Jobs und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen hat sie hinter sich. Unter anderem war sie im Tierheim und beim Umwelt- und Gartenamt tätig. Ihr letzter regulärer Job liegt Jahrzehnte zurück. Kurz nach der Wende war die aus Zehdenick (Brandenburg) stammende Frau nach Kassel gekommen. Bei einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) hatte sie zu DDR-Zeiten eine Ausbildung als Zootechnikerin gemacht. Im Westen fand sie eine Stelle als Küchenhilfe in einem Kasseler Hotel.

Wenn ihr Manuela Maass unterstützen wollt oder einen Job für sie habt, könnt ihr sie über uns erreichen.

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