200 Interessierte im Bahnhof

Kultureller Massenstart: Bewerbung Kassels zur Kulturhauptstadt 2025 hat begonnen

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Abschluss: Teilnehmer präsentierten Ergebnisse der Workshops. Links Bill Flood, Mitarbeiter von Kulturberater Dr. Patrick Föhl (Bildmitte, vor Säule ), rechts Martin Sonntag (Caricatura, mit Mikro). 

Kassel. Volles Haus am Dienstag: Es war der eigentliche, vielstimmige Aufbruch in den Bewerbungsprozess Kassels um den Titel "Kulturhauptstadt Europas 2025".

Im Südflügel des Kulturbahnhofs haben sich 200 Kulturschaffende, Künstler, Kreative und andere (von 400, die eingeladen waren) getroffen, um am ersten Workshop zur „Kulturkonzeption“ teilzunehmen.

Dr. Patrick Föhl, externer Kulturberater aus Berlin, der mit seinem Team den Kasseler Prozess moderiert und die Ergebnisse zusammenführt, war nach mehreren Stunden Diskussionen in Gruppen und einem abschließenden Gespräch im Plenum begeistert: „Das war ein guter Start auf sehr hohem Niveau“, sagt der Fachmann gegenüber unserer Zeitung. Föhl hat Erfahrungen mit ähnliche Projekten. Dass sich in einer Stadt so viele Menschen von Anfang an an der Entwicklung einer Kulturkonzeption beteiligen, sei „ganz selten“.

Nach Expertengesprächen und einer Online-Befragung im Vorfeld hatten Föhl und sein Team fünf Themenblöcke herausgearbeitet, zu denen jetzt die Kasseler ihre Überlegungen abgaben. „Wir mussten ja nicht bei Null anfangen“, sagte Föhl – auch in Hinblick darauf, dass sich viele Anwesende bereits für die Kulturhauptstadtbewerbung 2010 engagiert hatten.

Die Themen der fünf Gruppen reichten von der Beschäftigung mit „Räumen – Orte und Voraussetzungen für das kulturelle Schaffen in der Stadt“ bis hin zu den Fragen „Was fehlt? Was muss völlig neu gedacht werden? der Gruppe Open Space. „Bei uns durfte völlig frei herumgesponnen werden“, sagte dazu Martin Sonntag (Caricatura) und beantwortete – indem er sich im Raum umblickte – zunächst die Frage Was fehlt?: die Jugend. Das stieß auf Zustimmung. Das Plenum wünschte sich außerdem mehr Beteiligung aus der Migranten-Communitiy. In Sonntags Gruppe wurden durchaus unorthodoxe Ideen entwickelt, wie die, zehn Prozent mehr Geld auf den Kulturetat draufzusatteln für Projekte, die sich frei und spontan in der Stadt entwickeln dürfen.

Viele andere Vorschläge waren konkret und realistischer, etwa der Wunsch nach einem zentralen Leerstandsmelder, wo sich Künstler und Galerien über zur Verfügung stehende Räume informieren können.

Ebenfalls zentral angesiedelt sein könnte eine Stelle, die Kulturschaffenden durch den Dschungel des Antragswesens für Kultuprojekte hilft, so Stefan Becker (Spielraum-Theater).

Das Fazit der zufriedenen Kulturdezernentin Susanne Völker: „Es wurde mit großer Ernsthaftigkeit diskutiert und dabei über den eigenen Tellerrand geschaut.“ Die Kulturnetzwerke in Kassel funktionierten gut. Ziel sei es aber, zum nächsten Workshop im Februar auch „jene zu erreichen, die wir dieses Mal nicht erreicht haben“, so Völker.

Unbeabsichtigt sprach der Kasseler Künstler Michael Evers das Schlusswort: Er wünsche sich, dass die Aufbruchstimmung bewahrt bleibt und erinnerte an Kassels weltberühmtes Kunstwerk, 7000 Eichen von Joseph Beuys, eine Arbeit, die wie keine andere für Transformation stehe. "Und was ist Transformation anderes als Aufbruch?"

Am Rande der Veranstaltung ging es auch um die documenta. Dabei waren sowohl die Probleme der gerade beendeten documenta 14 Thema, als auch die kommende documenta 15. Mehr dazu lesen Sie hier.

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