Sozialphilosoph und Autor Dr. Hans Joas hielt Rede

Bischofsempfang: "Mehr Begeisterung statt Moral in der Kirche"

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Stellten sich einer kritischen Fragestellung: Der Vizepräsident der Landeskirche, Dr. Volker Knöppel, Bischof Dr. Matin Hein, Gastredner Prof. Dr. Hans Joas und der Präses der Landessynode, Dr. Thomas Dittmann (von links) beim Adventsempfang im Haus der Kirche.   

Kassel. Der Bischof der Landeskirche, Dr. Martin Hein hatte zum traditionellen Adventsempfang eingeladen.

Unter den Gästen, die ins Haus der Kirche gekommen waren, um dem Gastredner, dem Soziologen Dr. Hans Joas, zuzuhören, befanden sich die Vertreter der Stadtgesellschaft und viele andere, sei es aus dem Rathaus, der Universität oder dem Polizeipräsidium.

Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch? Indem er die zentralen Fragen des Philosophen Immanuel Kant zitierte, eröffnete Bischof Dr. Martin Hein am Wochenende den traditionellen Adventsempfang der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.

Die Frage nach der Hoffnung beantworte die Religion, so Hein, aber Orientierung finde sich nur in klaren Anweisungen zum Handeln. „Sind wir dabei vom Kern unserer guten Botschaft abgewichen?, fragte der Bischof: Und warum in Richtung Moral? Hein leitete damit den Vortrag des bekannten Soziologen und Bestsellerautors Dr. Hans Joas ein, der sich mit seiner tiefgründigen Analyse von „Kirche als Moralagentur?“ (so auch der Titel seines Buchs) in die, wie Hein scherzhaft meinte, „Höhle des Löwen“ gewagt hatte.

Gleiche zu Beginn wurden die (ängstlichen) Christen in Deutschland beruhigt: Kirche könne sich derzeit nicht über einen Mangel an Aufmerksamkeit beklagen, im Gegenteil befinde sich das Christentum gar in einer „quantitativen Expansionsphase“. Umso mehr müsse aber auf die Inhalte geachtet werden und darauf, ob sich Kirchen nicht vom einfachen Gläubigen entferne, so Joas. Immer weniger Menschen wüssten, was Kirche ist oder wofür sie notwendig sein kann. Kirche, so seine These, werde als Agentur für das Moralische wahrgenommen.

Das habe zur Folge, dass Moral zunehmend als etwas Theologisches wahrgenommen werde. „Wir brauchen aber den sozialen Zusammenhang der Kirchen und keinen Gesinnungszwang.“ Zwischen Moral und Religion sehe er, der katholische Christ, sogar „scharfe Unterschiede“ um das Dilemma der Kirche zu veranschaulichen setzte Joas den Begriff „restriktiv“ in Opposition zu „attraktiv“, kontrastierte also das Normative, die Moral, mit dem „was begeistert“. Dabei schließe das eine das andere ja nicht einmal aus. Denn für etwas, das begeistert, schränke man sich unter Umständen gerne ein, etwa in der Hilfestellung für einen anderen, einen geliebten Menschen.

Entscheidend sei, was wie „verkauft“ werde. „Sie müssen die Begeisterung vermitteln, nicht die Einschränkung“ appellierte er in Richtung Kirchenleitung.

Für eine Haltung einzutreten, müssen nicht bedeuten, eine Werteagentur zu sein, erwiderte Bischof Hein, der es gar nicht abwarten konnte, wie er sagte, in den anschließenden Gesprächen, das Thema zu vertiefen.

Für den festlich-musikalischen Rahmen sorgte das Bläserquartett Lara Masche und Ulrich Rebmann (Trompeten) und Julius Joachim und Marshall Lamohr (Posaunen).

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