In Stadt und Kreis Kassel

Altersheime an Belastungsgrenze - Lebensqualität sinkt durch Corona-Kontaktverbot

Umarmen nicht erlaubt: Anneliese und Oswald Bredow treffen sich täglich am Zaun des Aschrottheims. Seit dem Besuchsverbot in Pflegeheimen ist das ihre einzige Möglichkeit, sich zu sehen.
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Umarmen nicht erlaubt: Anneliese und Oswald Bredow treffen sich täglich am Zaun des Aschrottheims. Seit dem Besuchsverbot in Pflegeheimen ist das ihre einzige Möglichkeit, sich zu sehen.

Corona in Kassel: Die Lebensqualität der Bewohner von Altenheimen sinkt wegen des Corona-Kontaktverbots. Doch eine Besserung ist in Sicht.

  • Wegen der Corona-Krise gilt in Altenheimen derzeit ein Besuchsverbot.
  • Darunter leidet die Lebensqualität der Senioren erheblich.
  • Die Heime in der Region Kassel sind an ihrer Belastungsgrenze angekommen.

Das auch in Stadt und Landkreis Kassel seit Mitte März in Seniorenpflegeheimen geltende Besuchsverbot wegen der Corona-Krise wird ab Montag gelockert. Dann dürfen deren Bewohner einmal die Woche eine Stunde von Bezugspersonen in „persönlicher Schutzkleidung“ besucht werden, teilte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Dienstagnachmittag mit. Bereits ab Freitag sind zudem wieder Gottesdienste erlaubt.

Das seit März geltende Besuchsverbot soll die wegen Alter und Vorerkrankungen gefährdeten Senioren sowie das medizinische Personal vor einer Covid-19-Infektion schützen. Laut Hessischem Sozialministerium ist die weitere Entwicklung „nicht sicher prognostizierbar“.

Corona in Kassel: Kein Besuch in Altenheimen - Lebensqualität leidet

Indessen spitzt sich die Lage in den Pflegeheimen in Stadt und Kreis Kassel zu. Insbesondere für die Menschen, die das Haus nicht auf einen Spaziergang verlassen können, sorgt die Abschottung für einen erheblichen Einschnitt in die Lebensqualität. „Wir kommen an eine Belastungsgrenze“, sagt Peter Grunwald, Geschäftsführer des Aschrottheims. 

„Die Situation verlangt allen Beteiligten eine Menge ab“, sagt auch Jutta Bauer, Leiterin des Senioren- und Therapiezentrums Helsa (Kreis Kassel). Charlotte Bellin vom Kasseler Stiftsheim betont die prekären Auswirkungen des Besuchsverbots auf demenziell Erkrankte, für die der gewohnte Tagesablauf immens wichtig sei. Etwa fünf Mal habe man bislang Besuch zugelassen, unter anderem, weil ein Bewohner nichts essen wollte.

Corona in Kassel: Lockerung von Besuchsverbot im Altenheim verschafft Linderung

Die jüngst beschlossene Lockerung zum Corona-Kontaktverbot in Altenheimen verschaffe etwas Linderung, sagt Grunwald. Ausnahme-Besuche seien damit auch vom Land abgesegnet. Besuche in Schutzkleidung sind laut AWO-Nordhessen-Sprecherin Sigrid Wieder schwer umsetzbar. Die Besuche bräuchten zudem eine besondere räumliche Regelung, und zum Schutz der Bewohner vor dem Coronavirus müssten sie personell begleitet werden. „Die Situation ist genauso dramatisch wie bisher.“

In Stadt und Kreis Kassel sind acht Menschen aus Seniorenheimen in Zusammenhang mit Corona gestorben. Die Zahlen liegen laut Vizelandrat Andreas Siebert (SPD) im „statistisch erwartbaren Rahmen“. Aktuell seien zwei Häuser in Schauenburg und Lohfelden betroffen. In Calden und Helsa (Kreis Kassel) habe es jeweils eine Einzelerkrankung gegeben, „die nicht weiter Auswirkungen auf das Heim hatte“. Die Stadt Kassel gibt keine Informationen zur Zahl der Covid-19-Erkrankungen in Seniorenheimen heraus.

Von Anna Lischper

Lesen Sie alle News zu Corona in der Region Kassel in unserem Ticker. 

Seit März sind Besuche in Seniorenheimen wegen Corona nur in Ausnahmefällen erlaubt. Im Aschrottheim in Kassel treffen sich Bewohnerinnen und Angehörige deshalb am Gartenzaun.

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