Verstoß gegen "Richtlinien für Werbeanzeige" im sozialen Netzwerk

Der nackte Herkules: Facebook zensiert Werbung mit Kasseler Wahrzeichen

+
Der doppelte Herkules: Weil das Kasseler Wahrzeichen für eine Facebook-Werbung zu nackt ist, hat die Grimmheimat Nordhessen dem starken Mann eine Hose angezogen.

Die Grimmheimat Nordhessen wollte auf Facebook mit dem Herkules um Urlauber werben. Doch das Netzwerk zensierte das Bild für die Anzeige, weil die Statue nackt ist. Die Posse zieht einem glatt die Socken aus.

Diesen Sommer wird der Herkules 300 Jahre alt, aber so etwas ist dem Kasseler Wahrzeichen noch nie passiert. Die Grimmheimat Nordhessen wollte mit der Statue, die seit jeher nackt im Bergpark Wilhelmshöhe steht, in einer Facebook-Kampagne für seine Gästekarte MeineCardPlus werben. Doch dann teilte das weltweit größte soziale Netzwerk mit, dass die Anzeige gegen "unsere Richtlinien für Werbeanzeige" verstoße, da sie nackt sei. 

In der Grimmheimat dachte man erst an einen Scherz. "Wir haben laut gelacht", sagt Ute Schulte, Tourismus-Leiterin im Regionalmanagement Nordhessen. Andererseits weiß man natürlich auch dort um die besonderen Moralvorstellungen von US-Unternehmen: "Da wird kein Unterschied zwischen Kunst und Pornografie gemacht." Aus dem vermeintlichen Witz ist nun eine hübsche Posse geworden, die einiges über die Doppelmoral der digitalisierten Gesellschaft erzählt. 

Die HNA, die die Kampagne der Grimmheimat betreut, hakte nach. Auf die Frage, wieso der Herkules, der von der Unesco immerhin zum Weltkulturerbe geadelt wurde, zensiert werde, gab es diese Antwort: "Wir erlauben keine Bilder oder Videos, die Nacktheit zeigen, auch wenn es sich um Porträts aus künstlerischen oder pädagogischen Gründen handelt." 

Der Herkules ist nicht die erste Statue, die von Facebook zensiert wurde. Erst im Januar machte das Unternehmen Schlagzeilen, weil es das Bild einer nackten Neptun-Statue aus Bologna aus seinem Netzwerk entfernte, mit der eine Italienerin Werbung für ihre Seite machen wollte. Das Motiv sei "sexuell explizit", hieß es zunächst. Nach zahlreichen Medienberichten entschuldigte sich Facebook und machte die Löschung rückgängig. 

Auch über die Methoden des zum Konzern gehörenden Bilder-Netzwerks Instagram schütteln viele Nutzer nur noch den Kopf. Pop-Star Madonna schimpfte bereits im April 2015 über die "Scheinheiligkeit von Social Media" und fragte sich, warum es okay sei, "seinen Arsch zu zeigen, aber keine Brüste". Zudem fällt auf, dass Facebook bei Gewaltdarstellungen weit weniger streng ist als bei nackter Haut. 

Die Grimmheimat Nordhessen machte aus der "Herkules-Affäre", wie die Mitarbeiter den Fall mit einem Augenzwinkern nennen, das Beste: Sie zogen dem Kasseler Liebling einfach eine rote Hose an. Das sieht nicht unbedingt besser aus als nackte Körper, kann von Facebook aber nicht mehr beanstandet werden. So wirbt nun ein bekleideter Herkules mit weiteren Motiven wie dem Schneewittchendorf Bergfreiheit, Schloss Berlepsch und dem Hohen Dörnberg für die Urlauber-Karte, mit der Touristen bestimmte Freizeitangebote kostenlos nutzen können. 

Nach vielen hin- und hergeschickten Mails hat auch Facebook seine Meinung geändert. Es sei ein Fehler passiert, hieß es nun. Das Unternehmen werde das Problem so schnell wie möglich lösen. Mittlerweile darf die Grimmheimat mit dem Herkules in seiner ganzen Pracht werben. Nach dem Fall von Bologna hatte ein Sprecher erklärt: "Unsere Mitarbeiter sichten pro Woche Millionen von Werbebildern. In manchen Fällen liegen wir dann auch falsch." Diese Sätze schickte das Unternehmen nun auch nach Nordhessen. 

Es ist ja auch irgendwie sympathisch, dass der Konzern der mit Algorithmen mächtiger wurde als alle Konkurrenten, manchmal allzu menschliche Fehler macht. Und noch etwa Gutes hat der zensierte Herkules. Feministinnen kritisierten bislang, dass Männer ihren nackten Oberkörper zeigen dürfen, Frauen hingegen nicht. Das weibliche Geschlecht würde so weiter sexualisiert. Nun geht es auch den Männern (oder zumindest deren Abbildungen) im wahrsten Sinn des Wortes an die Wäsche.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.