Überprüfung nach DIN-Norm

Kasseler Akademie und Dekra zertifizieren bundesweit Moscheen

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Sie wollen islamische Gotteshäuser wie die Mevlana Moschee in Oberzwehren zertifizieren: Abidin Kilic (von links), Rabani Alekuzei und Thomas Fischer von der Akademie für Förderung und Qualifikation aus Kassel. Bislang wurde noch keine Moschee nach DIN ISO 9001 geprüft.

Kassel. Die Kasseler Akademie für Förderung und Qualifikation zertifiziert in Zusammenarbeit mit der Prüfgesellschaft Dekra bundesweit Moscheen nach DIN ISO 9001.

Dabei werden nicht nur die Fluchtwege und sanitären Anlagen unter die Lupe genommen, sondern auch die Gesinnung des Imams und die Finanzierung der Gotteshäuser. Durch die Überprüfung und Zertifizierung sollen Vorurteile abgebaut werden.

Die Idee dazu hatten der Geschäftsführer und die Vorstandsmitglieder der Akademie schon länger mit sich herumgetragen. Nun wurde mit der Dekra ein Kooperationspartner gefunden. „Wir übernehmen als Akademie die Beratung der Glaubensgemeinschaften und bereiten sie auf die Zertifizierung vor. Die Dekra kommt anschließend zur Überprüfung der Vorgaben“, sagt Dr. Rabani Alekuzei, ehrenamtlicher Geschäftsführer der Akademie.

Das Augenmerk der Prüfer gilt längst nicht nur den baulichen Gegebenheiten in einer Moschee. Für eine Zertifizierung müssten ungefähr 200 Vorgaben erfüllt werden: So muss der Imam der deutschen Sprache mächtig sein und die Inhalte seiner Predigten offen legen. Wenn Jugendarbeit in der Gemeinde stattfindet, muss das Personal pädagogische Nachweise erbringen.

Weiterhin müssen die Moscheevereine ihre Strukturen offenbaren und die Finanzierung transparent machen. So solle vermieden werden, dass fragwürdige Spender die Moscheen für die politische Beeinflussung der Gläubigen missbrauchen, sagt Alekuzei.

Jährliche Überprüfung

Für das Zertifikat müssen sich die Moscheen jährlich erneut der Überprüfung stellen. Andernfalls wird es entzogen. Nach drei Jahren steht die Rezertifizierung an. Ungefähr 4000 Euro müssen Moscheen für die Vorbereitung und Zertifizierung bezahlen.

Noch wurde kein islamisches Gotteshaus dem Verfahren nach DIN ISO 9001 unterzogen. Das Programm ist aber auch gerade erst angelaufen. „In ersten Gesprächen mit den Moscheen haben wir positive Rückmeldungen erhalten. Wir müssen aber noch Überzeugungsarbeit leisten“, sagt Abidin Kilic, Vorstandsmitglied der Akademie. Er ist sich sicher, dass durch die unabhängige Beurteilung die vielen weißen Schafe von den schwarzen Schafen zu unterscheiden sind. Mit dem Gütesiegel der Dekra könnten Moscheen ihr Image aufpolieren und hätten es so leichter, sich um öffentliches Fördergeld zu bewerben.

Hintergrund

Die Akademie für Förderung und Qualifikation hat seit Mai ihren Sitz an der Germaniastraße 12. Dort werden nicht nur Mitarbeiter für die Vorbereitung der Moscheen auf die Zertifizierung ausgebildet, sondern auch Kfz-Sachverständige, die häufig gleich in Kilics Unternehmen „Ihrgutachter24“ als Franchisepartner eingestellt werden. Zudem agiert die Akademie als Bildungsträger bei der öffentlich geförderten Aus- und Weiterbildung von Arbeitslosen.

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