Kasseler reist ins Grenzgebiet

Verzweifelter Kampf gegen den IS: Die Suche eines Vaters nach seinen Söhnen wird verfilmt

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Erinnerungen: Joachim Gerhard vermisst seine Jungs. Das Foto auf dem Bildschirm zeigt ihn (Mitte) mit seinen Söhnen Fabian (links) und Manuel im Jahr 2013 während eines Urlaubs in Dubai (Vereinigte Arabische Emirate).

Seit fast drei Jahren schwankt der Kasseler Joachim Gerhard nun schon zwischen Hoffen und Bangen: Seine beiden Söhne schlossen sich 2014 dem sogenannten Islamischen Staat an. Nun wird die Suche des Vaters nach seinen Kindern verfilmt.

Seit seine beiden Söhne Manuel (20) und Fabian (24) im Oktober 2014 heimlich nach Syrien ausreisten und sich der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) anschlossen, kämpft der 53-Jährige um seine Kinder.

An die zwanzig Mal ist Gerhard selbst ins syrische Grenzgebiet gereist, um sie zu suchen, hat einmal sogar die Grenze zu Syrien illegal überquert, in der Hoffnung, sie in der völlig zerstörten Stadt Kobane zu finden. Doch bisher sind alle Versuche gescheitert.

Völlig zerstört: In der syrischen Stadt Kobane hat Joachim Gerhard nach seinen beiden Söhnen gesucht.

Der verzweifelte Kampf des Vaters um seine Söhne soll jetzt verfilmt werden. Der Berliner Regisseur Boris Keidies hatte Gerhard kontaktiert, nachdem er dessen Buch „Ich hole euch zurück – Ein Vater sucht in der IS-Hölle nach seinen Kindern“ gelesen hatte. Gemeinsam mit der Journalistin Denise Linke, die an Gerhards Buch mitgearbeitet hat, schreibt er derzeit das Drehbuch. Keidies hat bislang vor allem bei Fernsehserien wie „Aktenzeichen XY“, „Ein Fall für Zwei“ und „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ Regie geführt. Demnächst soll die Suche nach Schauspielern beginnen.

Aus dem HNA-Audio-Archiv:

Mitte 2018 in den Kinos

Die Handlung wird sich vor allem um das Verhältnis der Söhne zu ihren Eltern drehen sowie um die Fragen, wie Manuel und Fabian in die Fänge des IS (dafür steht die Terrororganisation) geraten konnten und wieso die Polizei die beiden sehenden Auges ziehen ließ, berichtet Gerhard. Die Szenen, die in und um Syrien spielen, werden in der Türkei, in Tunesien und Marokko gedreht. Voraussichtlich Mitte kommenden Jahres soll der Film in die Kinos kommen.

"Ich hole euch zurück: Ein Vater sucht in der IS-Hölle nach seinen Söhnen" von Joachim Gerhard. 224 S., Fischer, 

In der Zwischenzeit wird Joachim Gerhard weiter nach seinen Söhnen suchen. Es ist ein stetiges Auf und Ab für den Unternehmer, der in Kassel eine Immobilienfirma betreibt: Auf Todesnachrichten folgen Berichte, denen zufolge Manuel und Fabian noch leben sollen. Beweise gibt es weder für das eine noch das andere. So seien bislang keine Fotos seiner toten Söhne aufgetaucht, die der IS ansonsten so gerne zu Propagandazwecken präsentiert.

Stattdessen gibt es immer wieder Quellen, die berichten, dass die beiden noch am Leben sind. Jüngsten Hinweisen zufolge soll sich einer der Söhne auf dem Weg in die Türkei befinden. Die Behörden halten die Angaben Gerhard zufolge für glaubhaft.

Er selbst wartet nur noch auf den Anruf der türkischen Polizei, dann wird er sich wieder auf den Weg an die syrische Grenze machen – in der Hoffnung, zumindest eines seiner Kinder zurückzubekommen. Doch Gerhard ist vorsichtig geworden. Zu oft ist er bereits enttäuscht worden. Zu oft haben Informanten fälschlicherweise behauptet, zu wissen, wo seine Söhne sind und Geld für deren angebliche Flucht kassiert. „Ich lasse es jetzt einfach auf mich zukommen“, sagt er.

Verlor seine Söhne an den sogenannten Islamischen Staat: Joachim Gerhard aus Kassel. In der Nähe der syrischen Stadt Kobane sollen die jungen Männer aus Kassel für den IS gekämpft haben und ums Leben gekommen sein.

"Ein Abgeordneter ist eingeschlafen"

Parallel kämpft er in Deutschland weiter um Gehör. So wie Ende Juni im Deutschen Bundestag. Gemeinsam mit anderen betroffenen Eltern war er in Berlin, um die Abgeordneten auf seine und die vielen anderen Kinder aufmerksam zu machen, die in den Heiligen Krieg gezogen sind. Doch er sei bitter enttäuscht worden. „Die hat das alles gar nicht interessiert. Ein Abgeordneter ist sogar eingeschlafen“, schildert er seine Erlebnisse. Da sei er „ausgerastet“ und habe den Politikern ordentlich die Meinung gesagt. Am Ende musste er den Plenarsaal verlassen.

Geht einem bei so viel Ärger und Enttäuschung nicht irgendwann die Kraft aus? „Ich halte das alles nur aus, weil ich meine Söhne liebe“, sagt Gerhard. Dabei schießen ihm die Tränen in die Augen.

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