Es gibt keinen anderen Versorger in der Region

Mobiler Zahnarzt in Kassel stellt Betrieb ein: Etwa 700 Patienten betroffen

+
Bald kein mobiler Zahnarzt mehr: das ZMK-Mobil in Kassel stellt seinen Betrieb ein. Bei diesem Foto handelt es sich um ein Symbolbild.

Für pflegebedürftige Menschen in Stadt und Kreis Kassel wird es schwierig, einen Zahnarzt zu finden, der sie ambulant versorgt: Das ZMK-Mobil stellt seinen Betrieb ein.

„Aus personellen Gründen“, wie Dr. Götz-Ruprecht von Schön-Angerer, Zahnarzt und Geschäftsführer des ZMK, sagt. Seit über einem Jahr sei er auf der Suche nach Zahnärzten, die fest bei ZMK Mobil arbeiten.

Etwa 600 bis 700 Patienten, die pro Quartal behandelt würden, seien davon betroffen, sagt von Schön-Angerer. Etwa ein Viertel von ihnen versorgten die Zahnärzte von ZMK Mobil privat zu Hause, die anderen in 16 verschiedenen sozialen Einrichtungen wie etwa Pflegeheimen, mit denen ZMK kooperiert. Die Zahnärzte sind in letzter Zeit dann laut von Schön-Angerer vertretungsweise eingesprungen.

Keine Aussicht auf Ersatz für mobilen Zahnarzt

Aussicht auf Ersatz gibt es laut von Schön-Angerer nicht: „Leider gibt es unseres Wissens nach keine anderen Versorger in der Region, die diese umfassende Betreuung in der Art und in dem Umfang gewährleisten können wie ZMK Mobil.“

Für die Sicherstellung der Versorgung mit Zahnärzten ist laut dem Sozialgesetzbuch die Kassenzahnärztliche Vereinigung Hessen (KZVH) zuständig. Melde sich ein Pflegeheim, weil es auf der Suche nach einem Zahnarzt ist, „helfen wir nach besten Kräften stets gern weiter“, sagt eine Sprecherin der KZVH auf HNA-Anfrage. „Wir vermitteln dann den Kontakt zu einer Zahnarztpraxis in der Nähe, die bereit ist, die sogenannte aufsuchende Betreuung für dieses Pflegeheim zu übernehmen“, sagt sie. Patienten sowie deren Angehörige könnten sich per Mail oder telefonisch an den KZVH wenden. 

Mobiler Zahnarzt in Kassel wird eingestellt: Das sagt die Geschäftsführung

Nach 15 Jahren mobiler Zahnheilkunde muss die Abteilung ZMK Mobil des Zahnmedizinischen Versorgungszentrum ZMK in Kassel seinen Betrieb zum 31. März einstellen. Grund dafür sind personelle Engpässe. Seit über einem Jahr ist Dr. Götz-Ruprecht von Schön-Angerer, Zahnarzt und Geschäftsführer des Zahnmedizinischen Versorgungszentrums ZMK in Kassel, auf der Suche nach geeigneten Zahnärzten für ZMK Mobil – bislang ohne Erfolge. 

Betroffen sind zwischen 600 und 700 Patienten im Quartal, die bislang zu Hause oder in einem der 16 Pflegeheimen, mit denen die ZMK kooperiert, versorgt werden mussten. Wir sprachen mit Dr. von Schön-Angerer. 

Herr Dr. von Schön-Angerer, wenn Sie geeignete Zahnärzte finden, könnten Sie den Betrieb wieder aufnehmen? 

Ja, das ist sofort möglich. Ich suche allerdings bereits seit über einem Jahr nach einem geeigneten Zahnarzt, der fest diese Tätigkeit übernimmt. Zuletzt sind unsere Zahnärzte immer vertretungsweise eingesprungen. 

Wieso ist es schwierig, Personal zu finden? 

Insgesamt haben wir ja in unserem Fachbereich, egal ob im allgemeinmedizinischen oder im zahnärztlichen, das Problem der Unterversorgung sozialer Einrichtungen. Diese Tätigkeit als Arzt oder Zahnarzt scheint heutzutage vielfach leider weder wirtschaftlich noch politisch noch gesellschaftlich attraktiv zu sein. Immer weniger entscheiden sich dafür, in der Pflege zu arbeiten. Das gilt auch für Zahnärzte: In einer Praxis zu arbeiten, scheint vielen attraktiver, die Tätigkeit als Zahnarzt in der Pflege ist mit psychischen als auch körperlichen Belastungen verbunden. Das ist eine prekäre Entwicklung. Wir als Einrichtung sind aber bestrebt, dieser Entwicklung bestmöglich entgegenzuwirken – gerade auch auf dem Land. 

Spielten finanzielle Einbüßen eine Rolle für das Aus von ZMK Mobil? 

Nein. Unsere Entscheidung ist lediglich auf fehlendes Personal zurückzuführen, das sich dieser Aufgabe zuverlässig annehmen kann. 

Wie geht es Ihnen mit dieser Entscheidung? 

Diese Entscheidung bedauern wir natürlich sehr. Fachkräfte für diese wichtige Aufgabe zu gewinnen und auszubilden, ist uns ein wichtiges Anliegen. Gegenwärtig jedoch können wir keine bedarfsorientierte, zeitnahe zahnmedizinische Betreuung gewährleisten – diese Möglichkeit muss jedoch bei einem Akutfall gegeben sein. 

Was wird nun aus diesen Patienten? Und was aus den Pflegeheimen? 

Natürlich sind die betroffenen Patienten und die sozialen Einrichtungen, die wir betreuen, enttäuscht und traurig, und in gewisser Weise hilflos – genau wie wir. Wie die Patienten und die sozialen Einrichtungen aber diese Lücke schließen können, ist eine Frage, die sich uns allen stellt. 

Es gibt also keine anderen Versorger, an die sie sich wenden können? 

Leider gibt es unseres Wissens nach keine anderen Versorger in der Region, die diese umfassende Betreuung in der Art und in dem Umfang gewährleisten können, wie sie ZMK Mobil ermöglicht hat. Die Kassenzahnärztliche Vereinigung Hessen ist für die Sicherstellung der zahnärztlichen Versorgung zuständig. 

Wie verlief die Zusammenarbeit? 

In jeder Hinsicht sehr eng und gut. Wir hoffen, dass sie uns dabei unterstützen kann, einen Kollegen zu finden. Wir dürfen nicht vergessen: Wir alle könnten einmal in die Situation geraten, dass wir auf einen zahnärztlichen Hausbesuch oder eine zahnärztliche Betreuung in einer sozialen Einrichtung angewiesen sind. Wir hätten uns natürlich gewünscht, dass ein Kollege sich bereits im Vorfeld ganz dieser wichtigen Aufgabe, für das mobile Team tätig zu sein, angenommen hätte. 

Sind auch andere Mitarbeiter von dem Aus von ZMK Mobil betroffen? 

Derzeit sind drei Mitarbeiterinnen fest im mobilen Team eingesetzt, dazu kommen wechselnde Mitarbeiterinnen, die zeitweise ZMK Mobil unterstützen. Bei ihnen handelt es sich um Assistenzfachkräfte, keine Zahnärzte. Sie darf ich nicht allein zu Patienten schicken. Sie bleiben uns erhalten und werden an unseren festen Standorten in Kassel und Umgebung andere Aufgaben übernehmen. Ein Ansatz könnte sein, dass speziell ausgebildete Prophylaxe-Fachkräfte in entsprechenden Einrichtungen und Privathaushalten die Mundhygiene kontrollieren und trainieren, als auch Zahnreinigungen durchführen. Das allein würde einen großen Teil sonst resultierenden Zahn- und Munderkrankungen vermeiden.

Mobiler Zahnarzt in Kassel: Kontakt für Patienten

Die Kassenzahnärztliche Vereinigung Hessen gibt Kontakte weiter, an die sich Pflegeheime und Patienten sowie deren Angehörigen wenden können, wenn sie einen Zahnarzt nicht eigenständig aufsuchen können.

Kontakt für Pflegeheime Körperschaft des öffentlichen Rechts, Lyoner Str. 21, 60528 Frankfurt/Main, E-Mail: kzvh@kzvh.de, Tel. 069/66070

Kontakt für Patienten bzw. deren Angehörige Patientenberatung, Tel. 069/6607 281, E-Mail: patienten@kzvh.de, Fax: 069/6607263, Postadresse: KZV Hessen, Patientenberatung, Lyoner Str. 21, 60528 Frankfurt.

Dr. Götz-Ruprecht von Schön-Angerer ist seit Juli 2018 angestellter Zahnarzt und Geschäftsführer des Zahnmedizinischen Versorgungszentrums ZMK in Kassel. Zuvor war er für die Übernahme verschiedener Zahnarztpraxen und ihre Integration in das ZMK-Kassel, insbesondere am Standort Niestetal-Sandershausen, verantwortlich. 2014 zog der ZMK-Stammsitz in die Wilhelmshöher Allee. Von Schön-Angerer studierte von 1996 bis 2001 Zahnheilkunde an der Universität Witten-Herdecke und promovierte dort. 

Außerdem interessant: Drei Stadtteile ohne Fachärzte: Praxen sind in Kassel ungleich verteilt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.