Zeugen hatten Angst

Nach Überfall auf Kasseler Tankstelle: Angeklagter sitzt höhnisch grinsend im Gerichtssaal

Die Esso-Tankstelle an der Schönfelder Straße: Im Juni vergangenen Jahres hat ein 40-Jähriger die Tankstelle überfallen und einen Mitarbeiter mit einem Messer bedroht. 
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Die Esso-Tankstelle an der Schönfelder Straße: Im Juni vergangenen Jahres hat ein 40-Jähriger die Tankstelle überfallen und einen Mitarbeiter mit einem Messer bedroht. 

Ein 40-Jähriger soll die Kasseler Esso-Tankstelle an der Schönfelder Straße im vergangenen Jahr ausgeraubt haben. Er grinste seine Schwester von der Anklagebank höhnisch an. 

  • Der Angeklagte soll die Esso-Tankstelle an der Schönfelder Straße überfallen haben.
  • Ein Überwachungsvideo zeigt den Mann beim Betreten der Tankstelle.
  • Der 40-Jährige saß grinsend im Gerichtssaal.

Gestochen scharf, in Farbe und aus mehreren Blickwinkeln konnte sich die 5. Strafkammer des Landgerichts gestern den Überfall auf die Esso-Tankstelle an der Schönfelder Straße am späten Abend des 29. Juni vergangenen Jahres anschauen.

Zu sehen ist auf den Videos der 40-jährige Angeklagte beim Betreten des Verkaufsraumes, maskiert mit Kapuzenjacke und Sonnenbrille, und wie er mit einem Küchenmesser mit 30 Zentimeter langer Klinge den Mitarbeiter zur Herausgabe des Geldes auffordert. 

Der Tankstellen-Räuber verlor einen Teil der Beute

Der junge Mann weicht ängstlich zurück, hebt die Arme und greift schließlich in die Kasse. 730 Euro Bargeld in Scheinen wirft er auf den Tresen, wo der Räuber das Geld hastig zusammenklaubt und beim Verlassen der Tankstelle sogar noch einige Scheine verliert.

Schon gegen halb zwölf in derselben Nacht wird der Räuber beim Aussteigen aus einem Mini-Car von der Polizei festgenommen; da hatte er noch etwas über 200 Euro bei sich. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Der Esso-Mitarbeiter sagte gestern vor Richter Jürgen Stanoschek als Zeuge aus. Der Überfall habe ihn psychisch so belastet, dass er den eigentlich unbefristeten Job heute nicht mehr ausüben könne.

Das Opfer habe die Drohungen sehr ernst genommen

„Ich habe die Drohungen sehr ernst genommen und hatte Angst, das er zusticht“, schilderte er das Geschehen, das ihm bis heute Schafprobleme beschere.

Eine weitere Zeugin war die Schwester des Angeklagten, die beschrieb, wie die ganze Familie unter der Drogensucht des Bruders und seine Aggressivität gelitten habe. Einen Tag vor der Tat hatte er bei der Schwester geklingelt, die allein mit den Kindern daheim war und nicht öffnete.

Gemeinsam mit dem anderen Bruder sorgten die Geschwister dafür, dass der Drogenabhängige die Wohnung der dementen Mutter verlassen musste. Die hatte ihm zwei Handys für je 600 Euro gekauft und hatte immer wieder den Verlust von Geld zu beklagen. „Wir konnten unsere Mutter nicht besuchen und pflegen, solange er da wohnte“, sagte die Zeugin.

Angeklagter grinste seine Schwester höhnisch an

"Das ging so nicht weiter“, meinte die 43-Jährige, während ihr Bruder auf der Anklagebank ihr höhnisch grinsend zuhörte. Nachdem er aus der Wohnung der Mutter - sie liegt in direkter Nachbarschaft zur überfallenen Tankstelle - habe sie seine Post ungeöffnet zurückgeschickt. Dabei sei vermutlich auch der Hartz-IV-Scheck vom Jobcenter gewesen, was den Bruder so in Rage versetzt habe.

Der 40-jährige Kasseler wird auch zahlreicher Ladendiebstähle in Geschäften der Kasseler Fußgängerzone beschuldigt, weitere Anklagen wegen ähnlicher Straftaten sind vor der 1. Strafkammer anhängig. Die Verhandlung vor der 5. wird am morgigen Mittwoch fortgesetzt. Dann sollen Mitarbeiter der Geschäfte gehört werden.

Mit einem Urteil für den Junkie wird am Freitag, 24. Januar, gerechnet.

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Von Thomas Stier

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