Über die Herkules-Affäre erschienen mehr als 1000 Berichte

Facebook-Affäre um nackten Herkules: Darum hätte es keine bessere Werbung für Kassel geben können

So berichtete "Stern.de" über den Herkules in der roten Badehose.

Vor einer Woche berichteten wir über den nackten Herkules, dessen Werbebild von Facebook zensiert worden war. Seitdem ist Kassels Wahrzeichen noch berühmter. Rettet der Herkules nun auch den KSV Hessen?

Ein Facebook-Account ist kostenlos, eine Werbe-Anzeige dort kann schnell ein paar tausend Euro kosten, aber die Kampagne mit dem nackten Herkules ist für die Grimmheimat Nordhessen unbezahlbar. Vor knapp einer Woche haben wir als erstes über die Tourismuswerbung berichtet, die von Facebook zensiert wurde, weil das Kasseler Wahrzeichen nackt zu sehen war und damit "gegen unsere Richtlinien" verstoße, wie das Unternehmen zunächst argumentierte.

Über die Posse und die kreative Idee der Grimmheimat, dem Herkules auf einem Ersatzmotiv eine rote Badehose überzuziehen, haben seitdem hunderte Medien berichtet. Aus Marketing-Punkten war es das Beste für die Ferienregion Nordhessen, über die nun alle gesprochen haben. "Das hätte man weder bezahlen noch planen können", sagt Ute Schulte von der Grimmheimat, die in der vergangenen Woche einige Überstunden gemacht hat.

Den gesamten Samstag sowie am Montag und Dienstag war die Tourismus-Leiterin im Regionalmanagement Nordhessen damit beschäftigt, Presse-Anfragen zu beantworten. Allein 300 Berichte haben ihre Kollegen gezählt, in denen die Grimmheimat erwähnt wird. Insgesamt wurde in mehr als 1000 Print- und Online-Artikeln über die "Herkules-Affäre" berichtet, wie die Mitarbeiter der Grimmheimat den Fall mit einem Augenzwinkern nennen.

Große und kleine Zeitungen griffen das Thema auf, die "Süddeutsche Zeitung" und "Spiegel Online" ebenso wie die "Bild"-Zeitung. Bei der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK), die für den Bergpark und das Unesco-Welterbe zuständig ist, war man angeblich froh, dass der Herkules endlich auch einmal im Boulevard auftaucht und nicht nur im Feuilleton.

Einige Schlagzeilen waren besonders kreativ. "Stern.de" titelte: "Kasseler Herkules-Statue macht wegen Facebook auf Baywatch." Mit roter Badehose erinnerte das Kasseler Wahrzeichen tatsächlich an David Hasselhoff, der in der 90er-Jahre-Serie einen leicht bekleideten Rettungsschwimmer spielte. Und die "Neue Osnabrücker Zeitung" fragte in einer Mischung aus Besorgtheit und Klick-Geilheit: "Weltkulturerbe als Porno?" Bei einer x-beliebigen Statue wäre das Presse-Echo nicht so groß gewesen, glaubt Schulte: "Die Reaktionen zeigen, wie bekannt der Herkules und das Kasseler Welterbe mittlerweile sind."

Auch bei der Feier zum 300. Geburtstag des Herkules am Pfingstwochenende werden die Besucher über die Kampagne reden, die nach einer Entschuldigung von Facebook mittlerweile mit der nackten Statue für die Gästekarte MeineCardPlus wirbt. Besondere Badehosenaktionen soll es beim Jubiläum aber nicht geben, wie die MHK sagt. Dabei könnten Poster und Postkarten mit der roten Short jetzt der Renner werden. Einige Kasseler schlugen gar vor, den echten Herkules in eine riesige Badehose zu stecken. Das wäre aber zu aufwändig, wie Regionalmanager Holger Schach sagt: "Wir sind nicht Christo."

Der Künstler, der einst den Berliner Reichstag verhüllte, wird aber wohl nicht mehr in Kassel tätig werden, wo er mit seiner Frau Jeanne-Claude auf der documenta 1968 mit einer Plastik-"Wurst" für Aufsehen sorgte. Und die documenta 14 hat ja bereits eine verhüllte Torwache.

Vielleicht kann man der Statue aber auch ein Trikot des finanziell ums Überleben kämpfenden Fußball-Viertligisten KSV Hessen Kassel anziehen. Wer außer Herkules könnte den Verein sonst retten? Vorbild könnte das Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald sein, das 1999 mit einem Trikot von Arminia Bielefeld versehen wurde. Bevor nun jemand behauptet, Bielefeld gebe es gar nicht: Die Aktion ist mit einem Eintrag im "Guinness-Buch der Rekorde" verbürgt.

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