Können Christiania Cargo und Urban Arrow das Auto ersetzen?

Der SUV unter den Fahrrädern: So fährt es sich auf einem Lastenrad

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Im Flachen fährt sich das Christiania Cargo gemütlich. Am steilen Bergen im hügeligen Kassel kommt der Motor jedoch an seine Grenzen.

Früher waren Lastenräder etwas für Hippies, heute fahren Eltern ihre Kinder damit zur Kita - dank E-Antrieb. Können sie in der Stadt ein Auto ersetzen? Zwei Räder im Alltagstest. 

Wer viel Rad fährt und meist in der Stadt unterwegs ist, fragt sich irgendwann: Kann ich nicht auf das Auto oder zumindest den Zweitwagen verzichten, wenn ich ein Lastenrad hätte? Den Praxistest kann man bei der landesweiten Aktion „Radfahren neu entdecken“ machen, die es nach vielen anderen Kommunen nun auch in Kassel gibt. Bis zum 27. August leiht die Stadt 30 Räder im Zwei-Wochen-Rhythmus aus – neben E-Bikes und Pedelecs auch elektrisch unterstützte Lastenräder. Wir haben das Angebot genutzt, das leider längst ausgebucht ist.

Christiania Cargo

Das Christiania ist das Kultrad, das vor 30 Jahren in der gleichnamigen Alternativsiedlung in Kopenhagen erfunden wurde und in deutschen Metropolen immer mehr Familien als Auto-Ersatz entdecken.

Es hat drei Räder, was praktisch ist, weil man so an der Ampel nicht absteigen muss, und eine Transportkiste, in der je nach Ausstattung 100 Kilo Einkäufe oder vier Kinder passen. Selbst vier Getränkekisten können locker durch die Stadt gefahren werden.

Allerdings ist Kassel nicht Kopenhagen. An steilen Steigungen kommt der Motor an seine Grenzen. Der Akku reicht für 30 bis 60 Kilometer. Länger will man mit dem Christiania Cargo, das in einer Manufaktur auf der Insel Bornholm hergestellt wird, ohnehin nicht unterwegs sein. Der Deckel klappert so laut, dass man eigentlich keine Klingel bräuchte. Der Akku sieht aus wie die Atombombe, die Jack Bauer in der TV-Serie „24“ ständig entschärfen musste, und ist nicht abschließbar. Geht man zu schnell in die Kurve, kann das Teil auch mal umkippen.

Das einzig Positive: Man fühlt sich ein bisschen wie einer der ökologischen Vorreiter aus dem Freistaat Christiania, die Kopenhagen längst zum Radparadies gemacht haben. Das liegt auch daran, dass man ständig angeschaut wird, wenn man in Kassel mit dem Christiania Cargo unterwegs ist. Vielleicht wundern sich die Passanten aber auch nur, was da so klappert.

Urban Arrow

Sehr viel beliebter als das Christiania ist das Lastenrad des niederländischen Herstellers Urban Arrow. Der „urbane Pfeil“ auf zwei Rädern sieht sportlicher aus und fährt sich auch so – wenn man sich daran gewöhnt, das 2,60 Meter lange und 47 Kilo schwere Gefährt zu lenken.

Der Niestetaler Blogger Mario Schön hat es ebenfalls getestet und seine Anfänge auf www.schoenies.org so beschrieben: „Wie der Kapitän eines Frachters auf dem Nord-Ostsee-Kanal bin ich um die ersten Kurven navigiert.“ Der Bosch-Motor hat deutlich mehr Power als der Christiania-Antrieb. Und auch die Scheibenbremsen funktionieren besser als beim dänischen Konkurrenten. Mehr als 50 Kilometer Reichweite schafft aber auch der 400-Watt-Akku nicht.

Trotzdem haben alle Testfahrer ein Lächeln im Gesicht, wenn sie das Gefährt wieder abgeben, hat Kassels Radverkehrsbeauftragte Anne Grimm festgestellt.

Flotter Flitzer: Anne Grimm, Radverkehrsbeauftragte der Stadt, zeigt das Urban Arrow.

Fazit

Drei von fünf Teilnehmern der Aktion „Radfahren neu entdecken“ werden sich ein E-Bike kaufen, schätzen die Organisatoren. Ein elektrisch angetriebenes Lastenrad werden sich allerdings die wenigsten zulegen. Das liegt vor allem am Preis. Beide getesteten Modelle kosten fast 5000 Euro. Das Lastenrad bleibt vorerst eine Spielerei für Besserverdiener. Oder will man damit die Kinder im Winter zum Fußballtraining fahren?

Manche sagen, das Lastenrad sei der SUV unter den Fahrrädern. Anders als die Sprit schluckenden Monsterautos könnte ihnen trotzdem die Zukunft gehören.

radfahren-neu-entdecken.de

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