Erfolgreiche Behandlung am Kasseler Klinikum

Schmerzhafte Fettverteilstörung Lipödem: Patientin schildert langen Leidensweg

Erst anzeichnen: Mit einer Spezialkamera haben Prof. Dr. Giessler (links) und Priv.-Doz. Dr. Engel die Lymphbahnen sichtbar gemacht und auf dem Bein von Uta Melzer eingezeichnet. So kann die Liposuktion besonders lymphbahnschonend erfolgen. Foto:  GNH/nh

Kassel. Uta Melzers Leidensweg begann in der Pubertät. Ihre Beine wurden immer dicker und passten proportional nicht mehr zu ihrem schmalen Oberkörper.

„Ständig schmerzende, schwere Beine, Spannungsgefühl, Übergewicht, dauernde Müdigkeit, Kurzatmigkeit und keine Energie waren mein ständiger Begleiter“ schildert sie die körperlichen Beschwerden. „Ich dachte immer, ich habe einfach Pech gehabt“, erzählt sie auch von Selbstzweifeln und depressiven Stimmungen. Inzwischen weiß sie, dass sie unter eine Krankheit leidet. Bis zur Diagnose Lipödem war es für die 47-Jährige ein langer steiniger Weg. Heute, nach bereits mehreren Fettabsaugungen im Klinikum Kassel geht es ihr wesentlich besser.

Eine Fettabsaugung (Liposuktion) ist die einzige Möglichkeit, um Patienten mit einer krankhaften Fettverteilstörung langfristig zu helfen, erläutert Privat-Dozent Dr. Holger Engel, Leitender Oberarzt der Klinik für Plastisch-rekonstruktive, Ästhetische und Handchirurgie: „Diäten helfen bei einem Lipödem nicht.“

Häufig werde das Lipödem überhaupt nicht erkannt, die Patientinnen würden als fettleibig (adipös) stigmatisiert. Die Diagnose ist nach Angaben von Engel auch deshalb schwierig, weil über die Hälfte der Patientinnen gleichzeitig unter Adipositas litten, manchmal zusätzlich noch an einem Lymphödem. „Das Lipödem als Grundproblem wird dabei oft übersehen.“

Uta Melzer

Uta Melzer, deren Beschwerden sich nach einer Schwangerschaft explosionsartig verschlimmerten, half der Zufall. 2010 sah sie im Fernsehen einen Bericht über das Lipödem. Sie fand einen Arzt, der sich mit der Erkrankung auskannte, der ihr Kompressionsstrümpfe und wöchentliche Lymphdrainage verordnete. Später entschied sie sich für die Fettabsaugung. „Hätte ich gewusst, welche Erleichterung mir die Liposuktionen verschaffen, hätte ich mich längst dafür entschieden“, berichtet sie heute von einem ganz neuen Lebensgefühl. „Ich kann wieder rennen und mich besser bewegen. Die Beine sind nicht mehr schwer und die Schmerzen fast weg“, sagt sie.

Bei Uta Melzer wurden bisher in mehreren Sitzungen 16,5 Liter Fett abgesaugt, was übrigens nicht mit 16,5 Kilogramm Körpergewicht gleichzusetzen ist, weitere Eingriffe sind geplant. „Eine Liposuktion ist kein Kinderspiel“, sagt die Industriekauffrau. „Aber es ist gut zum Aushalten und das Resultat lohnt sich“, möchte sie anderen betroffenen Frauen Mut machen, um ihnen diesen Leidensweg zu ersparen.

Dabei weiß Uta Melzer, dass sie Glück hatte, weil die Krankenkasse die Kosten für die Liposuktion übernahm. Denn dieser Eingriff bei Lipödem wurde bisher nicht in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen. 

Hintergrund: Das ist eine Liposuktion

Bei einer Liposuktion wird das krankhaft vermehrte Fettgewebe möglichst vollständig abgesaugt, um einen dauerhaften Erfolg zu erzielen. Ist das krankhafte Fettgewebe entfernt, kommt es im behandelten Gebiet nicht wieder. Als Besonderheit setzen die Plastischen Chirurgen im Klinikum Kassel dabei nach eigenen Angaben als einzige Klinik in Deutschland eine Spezialkamera zur Darstellung der Lymphbahnen ein. „Die Lymphbahnen werden vor dem Eingriff im Operationsfeld eingezeichnet. So können wir unter Echtzeitdarstellung der Lymphgefäße das krankhafte Fettgewebe an Armen und Beinen schonend absaugen und das Risiko einer Lymphbahnschädigung stark minimieren“, erläutert Privat-Dozent Dr. Holger Engel. Häufig sind mehrere Eingriffe in Abständen von einigen Monaten notwendig. Denn pro Liposuktion werden nach Angaben des Plastischen Chirurgen maximal fünf Liter Fettgewebe entfernt – zwischen den Eingriffen müsse das Gewebe Zeit zum Heilen haben. Gegebenenfalls seien anschließend noch Straffungsoperationen notwendig, da sich der Weichteilmantel der Haut nicht vollständig zurückbildet.

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