Fragen und Antworten zum System der Platzvergabe

Neues Online-Portal erleichtert Suche nach Kita-Platz in Kassel

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Das neue Onlineverfahren soll dafür sorgen, dass jedes Kind einen Platz bekommt.

Das System der Kita-Platzvergabe in Kassel steht bei vielen Eltern in der Kritik. Ein Knackpunkt ist dabei das Online-Portal „Webkita“, mit dem Eltern nach Kitas für ihre Kinder suchen können.

Hier will die Stadt mit einem neuen Online-Programm nun nachbessern. Es soll noch dieses Jahr an den Start gehen.

Wie funktioniert die Platzvergabe für Kitas und Krippen in Kassel?

Die Entscheidung über die Platzvergabe liegt bei den Einrichtungen selbst. Neben 34 städtischen Krippen und Kitas gibt es auch 104 Einrichtungen von freien Trägern und acht Betriebskitas. Eltern können sich einerseits bei den Kitas direkt um einen Platz für ihr Kind bewerben. Andererseits gibt es das Online-Portal Webkita.

Was leistet Webkita?

Es ist gedacht als Hilfe bei der Suche nach einer Kita. Man kann sich dort einen Überblick verschaffen und direkt eine sogenannte Interessensbekundung an mehrere in Frage kommende Einrichtungen abschicken. Die angefragten Kitas sollen sich dann, so die Theorie, mit den Eltern in Verbindung setzen.

Was ist das Problem dabei?

Zum einen melden sich nicht alle Kitas bei den Eltern zurück, die über Webkita anfragen. Das heißt, die Interessenten müssen trotzdem noch mal bei den Einrichtungen nachfragen. Zum anderen erweckt das Portal bei einigen Eltern den Eindruck, das Kind sei mit der Registrierung bei Webkita bereits für einen Platz angemeldet. Das ist aber nicht der Fall. Denn eine tatsächliche Anmeldung können die Eltern nur direkt bei der Kitas abgeben. Es gab schon Fälle, wo kurz vor Beginn des Kindergartenjahrs den Eltern erst klar wurde, dass ihre Online-Registrierung ihnen keinen Kita-Platz verschafft hat.

Welche Folgen hat das derzeitige Vergabesystem?

Weil die Plätze dezentral vergeben werden – also jede Einrichtung autonom entscheidet, welche Kinder sie aufnimmt – melden viele Eltern ihr Kind in mehreren Einrichtungen an. Sie haben Sorge, sonst leer auszugehen. Das führt zu einem aufgeblähten System mit langen Listen in jeder Kita. Diese Listen können nur in begrenztem Umfang miteinander abgeglichen werden. Es kann also passieren, dass Eltern mehrere oder im negativen Fall gar keine Zusage bekommen. Zudem ist ein umfangreiches Nachrückerverfahren in den Kitas die Folge.

Judith OsterbrinkJugendamtsleiterin

Warum gibt es so viele Nachrücker?

Eltern, die ihr Kind in drei, vier oder mehr Kitas vorangemeldet haben und dann eine Zusage von einer Einrichtung bekommen, sagen häufig in den anderen Kitas, wo das Kind ebenfalls auf der Liste steht, nicht ab. Bekommen sie weitere Zusagen, wird der Platz nicht in Anspruch genommen und muss von der Kita neu vergeben werden. Es kommt auch vor, dass Eltern bereits einen Vertrag mit einer Kita unterschrieben haben, dann kurzfristig noch einen Platz in der Wunsch-Kita bekommen und den ersten Vertrag wieder auflösen.

Was will die Stadt jetzt ändern?

Sie plant ein neues Online-Portal anstelle von „Webkita“. Damit reagiere man auch auf die Elternbeschwerden, sagt Jugendamtsleiterin Judith Osterbrink. Die bereits in Auftrag gegebene neue Software soll noch in diesem Jahr in Betrieb gehen, kündigt Osterbrink an. Für die Kitaplatz-Vergabe 2020 soll das neue System schon genutzt werden.

Was ist bei dem neuen Online-Portal anders?

Alle Anmeldungen sollen künftig in das Portal eingepflegt werden. Eltern können zwar weiterhin auch vor Ort in den Kitas ihre Anmeldung auf Papier abgeben. Das Kita-Personal muss die Angaben dann in das zentrale Portal eingeben. Eltern, die sich selbst dort registrieren, bekommen einen Zugang mit Passwort und können in dem Portal jederzeit nachverfolgen, welchen Bearbeitungsstatus ihre Voranmeldung in den verschiedenen Einrichtungen hat. Sobald für das Kind ein Platz vorhanden ist und die Eltern zugesagt haben, werden alle anderen noch laufenden Anfragen bei anderen Kitas gestrichen.

Welche Vorteile soll das neue Verfahren haben?

Es soll weniger „Karteileichen“ geben. Die Wartelisten in den Kitas werden sich laufend aktualisieren und damit deutlich verkürzen, so der Plan. Dadurch soll das gesamte Vergabeverfahren übersichtlicher werden. Eltern können online gezielt einsehen, ob ihre Voranmeldung in den Einrichtungen schon registriert wurde und gegebenenfalls gezielt nachhaken.

Ändert das neue Online-Portal etwas an der dezentralen Platzvergabe?

Nein. „Wir haben nach wie vor kein zentrales Vergabeverfahren“, betont Judith Osterbrink. Die Entscheidung, welche Kinder aufgenommen werden, treffen weiterhin die Kitas selbst. Das sei auch so gewollt, denn in die Platzvergabe der freien Träger könne sich die Stadt nicht einmischen.

Müssen alle Eltern das Online-Portal zur Anmeldung nutzen?

Nein, die Nutzung ist freiwillig. Die Stadt wünscht sich aber, dass möglichst viele Eltern das Online-Portal nutzen. Alle bereits laufenden Anmeldeverfahren, die über Webkita gestellt wurden, werden von der Stadt in das neue System übertragen.

Etwa 200 Plätze werden pro Jahr vergeben

In Kassel gibt es in Krippen, Kindergärten und Horten insgesamt rund 10.500 Betreuungsplätze. 

  • Im U3-Bereich (Krippe) gibt insgesamt 1950 Plätze – davon 330 in städtischen Einrichtungen und 1230 bei freien Trägern und Betriebskitas. Hinzu kommen 389 Plätze bei Tageseltern. 
  • In Kitas gibt es 5761 Plätze. Die Stadt stellt davon 2253 Plätze, in Kitas freier Träger und Betriebskitas gibt 3508 Plätze.
  • In Horten gibt es 2784 Plätze (1815 städtisch, 969 freie) Mit Beginn des neuen Kindergartenjahrs werden im Sommer nach Berechnung der Stadt etwa 1550 Plätze in Kitas frei und können nachbesetzt werden. In Krippen können etwa 550 Plätze für unter Dreijährige neu vergeben werden.

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