Anlass gibt angeblicher Facebook-Chat mit Mitglied der rechten Szene

Rechtsextreme Kontakte: Michael Werl (AfD) weist neue Vorwürfe zurück

Kassel. Als „Fake-News“ und „nachweisbar falsch“ bezeichnet der Kasseler AfD-Fraktionsvorsitzende Michael Werl neue Vorwürfe wegen vermeintlicher Kontakte zu Rechtsextremisten.

Anlass gibt Werls angeblicher Facebook-Chat mit einem Mitglied der rechten Szene in Süddeutschland, den die antifaschistische Gruppe TASK aus Kassel veröffentlicht hatte. Nach einem aktuellen Bericht der Frankfurter Rundschau soll der Chat Insiderwissen über Hausdurchsuchungen in Pforzheim/Enzkreis offenbaren. Der Artikel ist mittlerweile nicht mehr verfügbar. Durchsucht wurde 2013 das Umfeld der Kameradschaft „Heidnischer Sturm Pforzheim“. Über die Aktion hätten weder Polizei noch Staatsanwaltschaft informiert. Kenntnis hätten nur Insider. 

Michael Werl

Michael Werl weist diese Einschätzung auf Anfrage zurück. Schon am Tag der Hausdurchsuchungen hätten darüber Informationen im Internet kursiert. Er verweist unter anderem auf das Online-Nachrichtenportal „ka-news.de“ (für Karlsruhe und Umgebung). Unter dem Titel „Waffen, Munition, Propaganda: Razzia in rechter Szene“ berichtete das Portal in der Tat bereits am Tag des Einsatzes (27. November 2013), dass Beamte der Kriminalpolizei Pforzheim mit der Bereitschaftspolizei Bruchsal und dem Spezialeinsatzkommando Baden-Württemberg vier Wohnungen von fünf Personen durchsuchten. 

Den Vorwurf, er habe Kontakt zu Rechtsextremisten, bewertet Werl als „lächerlich“. Er habe bei Facebook rund 2100 Personen in der Freundes-/Bekanntenliste. Um ihm etwas anzudichten, würden auch seine Freundeslisten in längst eingestellten sozialen Medien wie „Wer kennt wen?“ durchforstet. „Mittlerweile komme ich mir vor wie ein Popstar, über den man alles herauszufinden versucht“, sagt der 30-jährige Student an der Universität Kassel. 

Wie berichtet hat Werl gegen die Veröffentlichung der angeblichen Chat-Protokolle Anzeige erstattetso wie Florian Kohlweg, der AfD-Vorsitzende im Kreis Kassel. Er habe Kontakt zu einer auf Medien- und Presserecht spezialisierten Anwaltskanzlei, so Werl. Diese solle Artikel von Zeitungen sowie Veröffentlichungen anderer Parteien/Fraktionen bewerten und gegebenenfalls dagegen vorgehen. 

„Nazi-Sprüche sind kein Kavaliersdelikt“, betont indes Grünen-Parteichef Boris Mijatovic. Fragen von nationalsozialistischer Gesinnung in der AfD-Fraktion müssten dringend geklärt werden. Von den handfesten und schweren Vorwürfen hätten sich Werl und andere AfD-Funktionäre noch nicht glaubhaft distanziert. Die Linke erneuerte ihre Forderung an Werl zur sofortigen Niederlegung seines Stadtverordnetenmandats. Simon Aulepp hält es für überfällig, dass sich Politik und Stadtgesellschaft „zum nationalsozialistischen Bekenntnis von Werl“ positionieren.

Rubriklistenbild: © dpa

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