Interview zum Hit "Geiles Leben"

Pop-Duo Glasperlenspiel will den KSV Hessen Kassel retten: „Wir kriegen noch Gänsehaut“

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Privat ein Paar und als Pop-Duo Glasperlenspiel in den Charts: Carolin Niemczyk (27, links) und Daniel Grunenberg (28).

Kassel. Ein großes Konzert in der Kasseler Stadthalle soll helfen, den angeschlagenen Fußball-Regionalligisten KSV Hessen zu retten. Neben Laith-Al-Deen tritt das Pop-Duo Glasperlenspiel auf, dessen Hit "Geiles Leben" überall rauf und runter läuft.

Mit Fußball hat das Pop-Duo Glasperlenspiel nicht viel am Hut. Diesen Freitag aber wollen Carolin Niemczyk und Daniel Grunenburg dafür sorgen, dass der angeschlagene Viertligist KSV Hessen Kassel gerettet wird. Mit Laith Al-Deen und anderen Künstlern treten Glasperlenspiel beim Retterkonzert in der Kasseler Stadthalle auf.

Vor fünf Jahren sind Sie bei den Fliegenden Köchen in Kassel aufgetreten, wo Austern, Perlhuhn und gewoktes Wintergemüse aufgetischt wurden. Nun spielen Sie für den KSV, dessen Fans lieber Bratwurst essen. Was bevorzugen Sie?

Daniel Grunenberg: Ich bin eher der Grill-Typ, aber wir essen beides gern. Kassel verbinden wir vor allem mit dem Koch Christoph Brand, der das Konzert damals organisiert hat. Wenn wir in der Nähe sind, versuchen wir immer, bei seinen Fliegenden Köchen zu halten. Nun wollen wir für den KSV eine geile Party feiern.

Dazu passt Ihr Hit „Geiles Leben“, der mehr als 800 000 Mal verkauft wurde. Wie geil fühlt sich so ein Hit an?

Carolin Niemczyk: Man realisiert das nicht so richtig. Der einzige Moment, in dem einem das wirklich bewusst wird, ist der auf der Bühne - wenn unglaublich viele Leute dein Lied mitsingen. Da kriege ich immer noch Gänsehaut.

Das Lied handelt von jemandem, dessen Leben aus Drogen und Partys besteht. Welche Geschichte steckt dahinter?

Grunenberg: Wir haben in unserem Freundeskreis oft Menschen beobachtet, die wir Vampire nennen. Die zehren von einem, geben aber nichts zurück. Denen muss man sagen: „Ich wünsch dir ein geiles Leben, will damit aber nichts zu tun haben.“ Das haben wir mit einem Augenzwinkern verpackt.

Hat sich der eine oder andere, den Sie mit diesem Lied beschrieben haben, nachher gemeldet?

Niemczyk: Nein, aber ich glaube, diejenigen wussten schon, wer gemeint war.

Für Kritiker ist das Lied eine „Hymne auf das Jungspießertum“. Ist Ihre Generation spießig?

Grunenberg: Nein. früher war nicht alles besser. Unserer Generation ging es noch nie so gut wie heute. Das muss man auch irgendwie feiern.

Wie sehr Rock’n’Roll ist Ihr Leben?

Grunenberg: 50 Prozent Rock’n’Roll und 50 Prozent ruhiges Leben.

Niemczyk: Wir sind viel unterwegs, was manchmal an den Kräften zehrt. Zugleich versuchen wir, uns gesund zu ernähren und genug zu bewegen. Die Branche hat sich verändert. Wenn du dich bei jeder Show richtig verausgabst, hältst du das auf Dauer gar nicht aus.

Früher haben Sie sich an englischen Electro-Pop-Acts wie La Roux orientiert. Sie sind aber auch schon im Vorprogramm der Schlagerkönigin Helene Fischer aufgetreten. Sind die Grenzen zwischen den Genres mittlerweile fließend?

Grunenberg: Nein, wir lassen uns auch nicht von Helene Fischer inspirieren, sondern weiterhin von Bands, die uns früher schon beeinflusst haben. Heutzutage geht es aber weniger um das Genre, sondern darum, am Ende des Tages einen guten Song geschrieben zu haben.

Einmal singen Sie: „Wir bleiben Kids, ein Leben lang.“ Wie schwierig ist es, erwachsen zu werden?

Grunenberg: Es ist eher schwierig, den Spaß am Leben zu behalten. Von dem System, in dem man funktionieren muss, wird man in gewisser Weise mitgerissen. Junge Leute bekommen zu hören: „Wenn du keine Banklehre machst, bist du nichts.“ Als wir unseren Eltern gesagt haben, dass wir Musik machen wollen, haben die auch nicht „Juhu“ gerufen. Aber wenn man Träume hat, muss man dafür kämpfen. Natürlich kannst du dabei auf die Fresse fallen, aber du kannst dir nicht vorwerfen lassen, es nicht probiert zu haben.

Darum haben Sie auch Ihr Informatikstudium abgebrochen.

Grunenberg: Genau. Als unser Manager uns damals sagte, dass Universal uns unter Vertrag nimmt, habe ich sofort den Exmatrikulationsantrag an die Uni rausgeschickt. Das habe ich bis heute nicht bereut, denn ich lebe nach wie vor meinen Traum.

Zur Band

Namen: Carolin Niemczyk (27) und Daniel Grunenberg (28) 

Wohnort: Stockach am Bodensee und Berlin

Ausbildung: Abitur (Niemczyk), Informatikstudium (Grunenberg, abgebrochen) 

Bandname: Haben sie dem gleichnamigen Roman von Hermann Hesse entliehen.

Sonstiges: Die beiden sind auch privat ein Paar.

Das Konzert

Freitag, Kasseler Stadthalle  ab 18.30 Uhr: mit Dark Vatter, Ben Black, Rocktail, Laith Al-Deen und Glasperlenspiel.

Tickets ab 37 Euro beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

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