Diesem coolen Doktor vertrauen die Frauen

Zeugt man Jungs, wenn man Sex von hinten macht? Kasseler Frauenarzt klärt auf Youtube auf

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So sehen Gynäkologen heute aus: Der Kasseler Arzt Konstantin Wagner auf seinem Youtube-Kanal.

Viele Schwangere haben Angst vor der Geburt und lesen im Internet Horrorgeschichten. Der Kasseler Frauenarzt Konstantin Wagner klärt auf Youtube auf. Sein Kanal "Richtig schwanger" ist ein Internet-Hit.

Der Kasseler Gynäkologe Dr. Konstantin Wagner hat seit Kurzem einen eigenen Youtube-Kanal im Internet. Unter dem Titel „Richtig Schwanger“ klärt er in informativen Videos über Themen rund um Schwangerschaft und Geburt auf. Wir sprachen mit dem 30-Jährigen, der derzeit seine Facharzt-Ausbildung am Kasseler Klinikum absolviert.

Es gibt jede Menge Bücher, Internetseiten und Foren zum Thema Schwangerschaft. Wie sind Sie auf die Idee mit dem Video-Kanal gekommen?

Konstantin Wagner: Das war in einem Nachtdienst in der Klinik. Kurz hintereinander kam die dritte Frau mit einem Blasensprung, die furchtbare Dinge im Internet gelesen hatte. Bei der Arbeit, aber auch im Freundeskreis habe ich gemerkt, wie viel Verunsicherung und Ängste es bei Schwangerschaft und Geburt gibt. Viele Frauen lesen im Internet nach, wo leider viele Fehlinformationen und Horrorgeschichten herumgeistern. Mit dem Video-Kanal möchte ich als ausgebildeter Mediziner eine verlässliche Informationsquelle im Netz bieten.

Die Videos sind mit 10 bis 20 Minuten für Internetverhältnisse recht lang und kommen ohne großes medizinisches Anschauungsmaterial und Doktorenduktus aus. Wieso haben Sie sich für diese Variante entschieden?

Wagner: Dahinter steckt gar kein Kalkül. Diese Form entspricht mir einfach – so kann ich die Themen am besten vermitteln. Per Video kommt man der Situation eines persönlichen Gesprächs am nächsten. Für eine so ausführliche Aufklärung bleibt im Alltag von Ärzten ja oft nicht genug Zeit. In den Clips wollte ich aber nicht in Weiß dasitzen und dozieren. Statt dessen sehen die Leute einen jungen Kerl mit Käppi und einem legerem T-Shirt in seiner privaten Wohnung, der so redet, als ob er sich mit Freunden unterhält. So bin ich wirklich, und so kommen die Videos, glaube ich, ganz gut rüber.

Bei der Themenauswahl gehen Sie auch auf Fragen und Vorschläge von Nutzern ein. Hat Sie überrascht, was da an Wünschen kam?

Wagner: Ja, es kamen zum Beispiel viele Fragen zu Themen wie Ernährung oder Sport in der Schwangerschaft. Ich dachte, sowas wäre total ausgelutscht und es kämen eher speziellere Fragen. Aber gerade nach solchen grundlegenden Themen lechzen die schwangeren Frauen offenbar, weil es so viele Unsicherheiten gibt.

Haben Sie ein Beispiel?

Wagner: Viele Frauen denken, Sie dürften keinen Kaffee trinken in der Schwangerschaft. Dabei ist das gar kein Problem, solange es keine Unmengen sind. Oder es geistert beim Thema Kaiserschnitt immer wieder herum, dass die Wunde nach der OP getackert würde. Das gibt es aber schon lange nicht mehr. Ein Anliegen ist mir außerdem, auf Tabuthemen einzugehen. Fehlgeburt ist zum Beispiel ein Riesenthema, zu dem sich viele Frauen ein Video gewünscht haben. Das kommt vergleichsweise häufig vor, aber es wird wenig darüber gesprochen.

Wieso gibt es überhaupt so viele Ängste beim Thema Schwangerschaft? War das schon immer so, oder ist das ein Phänomen unserer Zeit mit ihrer Informationsflut und immer mehr medizinischen Möglichkeiten?

Wagner: Ich glaube, es liegt einerseits in der Tat an der Überinformation aus dem Netz. Ständiges Googeln führt eher zur Verunsicherung. Zum anderen gibt es heute weniger Kinder. Früher haben die Frauen oft zehn Kinder bekommen und zum Teil auf dem Feld oder auf der Flucht entbunden. Heute läuft Familienplanung häufig ganz gezielt ab und die Paare wünschen sich ein oder zwei Kinder. Die sind dann das Heiligtum. Da möchte man sicher sein, dass nichts Schlimmes passiert und man alles richtig macht.

Konstantin Wagner an seinem Arbeitsplatz

Entsprechend groß ist das Interesse an Ihren Videos. Sie haben schon mehrere tausend Abonnenten auf Youtube, Instragram und Facebook. Auch die Werbeindustrie hat schon angeklopft.

Wagner: Ja, das hat mich regelrecht erschreckt. Schon nach vier Wochen kamen erste Anfragen, ob ich in den Videos nicht bestimmte Schwangerschafts- oder Babypflege-Produkte im Hintergrund platzieren und dafür werben könnte. Die waren fast wie Haie. Ich hatte mir vorher gar nicht klar gemacht, dass man mit solchen Videos auch Geld verdienen kann. Aber ich habe mir geschworen, dass ich mich nicht verkaufen werde. Mir geht es darum, Menschen zu helfen. Ich würde nur Produkte empfehlen, von denen ich selbst absolut überzeugt bin.

Sie haben innerhalb von drei Monaten schon zwölf Clips produziert. Was haben Sie sich noch vorgenommen?

Wagner: Das Thema Schwangerschaft ist bislang noch unerschöpflich, damit werde ich noch eine Weile zu tun haben. Mittelfristig möchte ich aber auch andere gynäkologische Themen mit aufnehmen, zum Beispiel Zyklusstörungen oder Unterleibsschmerzen. Auch das Thema Brustkrebs ist mir wichtig, wie man ihn entdeckt und behandelt. Ich glaube, dass es auch dazu einen großen Informationsbedarf gibt.

Fünf Schwangerschaftsmythen

1. Die Sexstellung beeinflusst das Geschlecht des Kindes.

Falsch. Immer wieder ist zu lesen, der Zeitpunkt und die Position beim Sex könne beeinflussen, ob ein Junge oder ein Mädchen gezeugt wird. Die Missionarsstellung soll angeblich eher Mädchen hervorbringen, Sex von hinten Jungs. Das ist Humbug, sagt Konstantin Wagner. Was allerdings stimmt ist, dass es bei Kinderwunsch förderlich sein kann, wenn die Frau nach dem Geschlechtsverkehr das Becken etwas hebt oder hochlagert. Dann wird den Spermien durch die Schwerkraft der Weg in Richtung Gebärmutter erleichtert.

2. An der Form des Schwangerschafsbauchs lässt sich das Geschlecht des Babys erkennen.

Falsch. Ein sich eher spitz nach vorn gewölbter Bauch spricht für einen Jungen, ein runder für ein Mädchen – diese Theorie hält sich hartnäckig. „Quatsch“, sagt Dr. Konstantin Wagner. Per Bauchbetrachtung von außen liegt die Trefferquote beim Geschlecht so hoch wie beim Raten: nämlich bei 50 Prozent.

3. Während der Schwangerschaft wird man vergesslich.

Falsch. Die schon fast sprichwörtliche Schwangerschaftsdemenz oder auch Stilldemenz gibt es nicht. Es gibt keinerlei Belege, dass Konzentrations- oder Gedächtnisstörungen in der Schwangerschaft durch die Veränderung des Hormonhaushalts oder andere organische Veränderungen ausgelöst würden, sagt Wagner. Es könne aber sein, dass die Gedanken der Frauen so stark um Schwangerschaft und Geburt kreisen, dass andere Dinge in den Hintergrund rücken und vergessen werden.

4. Während der Stillzeit kann man nicht schwanger werden.

Falsch. Auch wenn die Periode bei vielen Frauen noch ausbleibt – auch während der Stillzeit kann man schwanger werden. „Die Natur ist auf Reproduktion aus und verliert keine Zeit“, sagt Wagner. Lediglich in den ersten vier Wochen nach der Geburt sei eine erneute Empfängnis sehr unwahrscheinlich. Nach zwei bis drei Monaten sollte man sich aber dringend um das Thema Verhütung kümmern, wenn man nicht gleich „nachlegen“ will.

5. Sperma kann Wehen auslösen, deshalb sollte man in den letzten Wochen der Schwangerschaft auf Sex verzichten.

Falsch. Zwar enthält Sperma das Hormon Prostaglandin, das theoretisch die Fruchtblase zersetzen kann. Aber um wirklich Wehen auszulösen, ist die Dosis viel zu gering. Da kann eher die Bewegung und Erschütterung beim Geschlechtsverkehr kurz vor dem Geburtstermin das Einsetzen der Wehen begünstigen, erklärt Wagner. Bei einer normal verlaufenden Schwangerschaft ist Sex zu keinem Zeitpunkt verboten.

Zur Person

Konstantin Wagner (30) ist in Kassel im Klinikum geboren und in Immenhausen im Reinhardswald aufgewachsen. Die Frauenheilkunde wurde ihm gewissermaßen schon in die Wiege gelegt: Sein Vater Karl-Heinz Wagner hat eine gynäkologische Praxis in Kassel. Nach dem Abitur hat Konstantin Wagner in München Medizin studiert. Derzeit absolviert er sein drittes Facharztjahr in der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Kasseler Klinikum. Zu seinen Hobbys zählen Fotografie, Sport (vor allem Tennis) und Reisen. Er ist verheiratet und lebt mit seiner Frau in Kassel.

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