Das "Sandershaus" im Stadtteil Bettenhausen

Die schicke Unterkunft für den kleinen Geldbeutel - Kassel hat sein erstes Hostel

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Blick in eines der 16 Zimmer im Hostel Sandershaus: Mitarbeiterin Tanja Simonovic und Heiko Kannenberg präsentieren die Design-Ideen aus Altmaterialien von Fani Kandilari.  

Bereits in den 1960er-Jahren eröffneten die ersten Hostels in Australien, Indien und Süd-Ost-Asien. Schon damals gab es zahlreiche Rucksackreisende, die günstige Unterkünfte suchten. Nun hat auch Kassel sein erstes Hostel. 

Der Begriff Hostel kommt aus der englischen Sprache - in Deutschland eröffneten die ersten Hostels in den 1990er-Jahren. Bei einem Hostel handelt es sich um eine preiswerte Unterkunft mit einfacher Ausstattung. Zur Zielgruppe gehören hauptsächlich jüngere Menschen und Rucksacktouristen. 

Die Preise für Übernachtungen sind deshalb so günstig, weil sich die Übernachtungsgäste ein Zimmer mit Doppelstockbetten und ein Bad mit mehreren Personen teilen. Daneben gibt es meist eine Küche, einen Aufenthaltsraum mit Fernseher und ein Wäscheraum mit einer Waschmaschine zur gemeinsamen Nutzung. Die Küche ist so ausgestattet, dass sich die Gäste selbst verpflegen können. 

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Preiswert übernachten im Stadtteil Bettenhausen

Im Haus an der Sandershäuser Straße 79 sind Hostel, Asylbewerberheim und Kreativwerkstätten unter einem Dach untergebracht. 

Im „Sandershaus“ an der Sandershäuser Straße 79 können Gäste im Zimmer mit acht Betten für zwölf Euro übernachten. Das ist günstiger als in Kassels Jugendherberge (Übernachtung ab 25 Euro) und kostet nicht mehr als ein Zeltplatz (zwölf Euro) auf Kassels neuem Campingplatz.

Ursprünglich wollten Heiko Kannenberg und Axel Simon, dem das ehemalige Möbelhaus nahe der alten Salzmann-Fabrik gehört, das Sandershaus zum Asylbewerberheim mit 150 Plätzen umfunktionieren. Weil die Stadt inzwischen deutlich weniger Flüchtlinge aufnehmen muss, wurde der Plan abgespeckt und in der ersten Etage ein Hostel eingerichtet. Dort gibt es jetzt 16 Zimmer mit insgesamt 58 Betten. „Überall gibt es Fünf-Sterne-Hotels, aber eine Unterkunft für den kleinen Geldbeutel fehlte bisher in Kassel“, sagt Heiko Kannenberg.

Die Gemeinschaftsküche im Hostel Sandershaus: Designerin Fani Kandilari hat Küche, Gemeinschaftsräume und Zimmer in dem insgesamt 2000 Quadratmeter großen Haus mit neuen und alten Möbeln und vielen kreativen Ideen für Beleuchtung und Dekoration ausgestattet.

In der Gemeinschaftsküche können sich die Gäste selbst verpflegen oder ab 2,90 Euro ein Frühstück einnehmen. Bar und Restaurant des Hauses sollen im Juli fertig werden, berichtet Kannenberg. „Wir haben vier Monate auf die Baugenehmigung gewartet, das hat uns zurückgeworfen“.

Zum Konzept des Hauses gehören unkonventionelle Angebote wie ein sozialer Mittagstisch. Der Sandershaus-Verein hat Gartenflächen für den Anbau von Gemüse und Obst gepachtet. Es soll künftig gemeinsam gekocht werden. Gäste bekommen dann ein warmes Essen für zwei, vier oder sechs Euro – „je nachdem, wie viel sie bezahlen wollen und vor allem auch können“, erklärt Kannenberg.

Bitte nehmen Sie Platz...

Im Obergeschoss bietet die Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber Platz für 50 Menschen. Derzeit gibt es dort 35 Bewohner. Die Gemeinschaftsräume im Erdgeschoss stehen Hostel-Gästen und Flüchtlingen zur Verfügung. „Es soll zu Begegnungen kommen“, gibt Kannenberg das Ziel vor. Im Erdgeschoss soll künftig ein Kulturzentrum entstehen, das Restaurant bietet auch eine kleine Bühne und Platz für etwa 100 Zuhörer. Kulturveranstaltungen seien für die Zukunft geplant und sollen den sozialen Kontakt stärken und zur besseren Integration der Asylbewerber führen.

Eine Werkstatt soll auch Flüchtlinge beschäftigen, aus allerlei Materialien sollen dort neue Produkte entstehen – wie etwa Taschen aus alten Planen. Bald wird auch das erste Repair-Café im Kasseler Osten im „Sandershaus“ öffnen, in dem Technikkundige Geräte reparieren, die sonst weggeworfen werden müssten. „Wir sind sehr optimistisch und stolz auf unser Projekt“, sagt Kannenberg.

Für Facebook-Nutzer hat das Sandershaus auch eine eigene Seite. 

Ein Zimmer im Sandershaus.

Die Preise

  • Günstigste Übernachtung: Zwölf Euro im Acht-Bett-Zimmer. 
  • 15 Euro im Sechs-Bett-Zimmer 
  • 17 Euro im Vier-Bett-Zimmer 
  • 25 Euro im Doppelzimmer 
  • Teuerste Übernachtung: 37,50 Euro für ein Doppelbett-Zimmer zur Alleinbenutzung.

Von Jörg Steinbach und Nils Nödler

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