Denkanstöße für schöne Zimmer

Ein guter Raum ist wie ein Bilderrahmen: Farbtipps vom Innenarchitekten

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Warm und schlicht: In Wohnräumen sollten Farben laut Claus Zimmermann nicht zu aggressiv sein.

Wie bunt sollte eine Wohnung sein? Und welches Zimmer braucht welche Farbe? Wir haben mit dem Kasseler Innenarchitekten Claus Zimmermann gesprochen. Und gelernt: Weniger ist bei Farben oft mehr.

Was machen Farben in Räumen aus? Claus Zimmermann faltet die Hände, lehnt sich zurück. Dann antwortet er langsam: „Alles und nichts.“ Alles, weil alles eine Farbe hat, weil jede Farbe passend und unpassend sein kann. Nichts, weil es nicht nur auf die Farbe ankommt, ebenso wichtig seien Materialien, Oberflächen, Licht. Erst aus diesem Zusammenspiel entstehe Atmosphäre.

Zimmermann ist Innenarchitekt. Von seinem Kasseler Büro aus hilft er Menschen dabei, ihre Privatwohnungen oder Büros einzurichten. Wir wollten von ihm wissen: Wie richte ich unterschiedliche Räume farblich am besten ein? „Einfach ist das nicht“, gibt Zimmermann zu. Man müsse viele Faktoren berücksichtigen – und sowieso erstmal über ganz andere Dinge sprechen.

In seinem Kasseler Büro: Innenarchitekt Claus Zimmermann.

Wer zu dem Kasseler Innenarchitekten kommt, hat in der Regel keine konkreten Farbvorstellungen – und das sei auch gut so, findet Zimmermann. Zuallererst sollte man sich nämlich überlegen: Was will ich in diesem Raum eigentlich erreichen? Werde ich hier Gäste haben oder bin ich alleine, wie lange halte ich mich hier auf, will ich mit dem Raum andere beeindrucken oder habe ich eher vor, mich hier zurückziehen? Welche Tagesabläufe habe ich? Gefallen mir die Proportionen des Raumes? Je nach Antwort kommen dann auch nach und nach Farbentscheidungen dazu: für Wände, Fußboden, Möbel und Dekoration. Erst dann macht der Innenarchitekt konkrete Vorschläge – immer mit dem Zusatz: „Ich kann mir aber noch ganz andere Farben vorstellen.“

Wer beispielsweise die längliche Form eines Raumes nicht mag, sollte die Stirnseiten dunkler streichen als die langen Wände – so wirkt das Zimmer kompakter. Kleine Räume hingegen brauchen vier helle Wände. Kräftige oder dunkle Farben eignen sich besser für Durchgangsbereiche: Der Flur eines Büroraums kann völlig anders gestaltet sein als die Arbeitszimmer – sogar in schwarz mit knalligen Farbelementen. „So schafft man Abwechslung. Der Mitarbeiter sieht mal etwas anderes, wenn er den Raum verlässt – und wird außerdem zur Kommunikation angeregt“, erklärt Zimmermann. Auch in anderen Räumen, in denen sich die Menschen nur für kurze Zeit aufhalten wie Cafés oder Besprechungsräume, kann man bei der Farbwahl ruhig auch etwas mutiger sein.

Feierlich und besonders: In einem Trauzimmer arbeitet Zimmermann gern auch mit kräftigen Farben.

Erst kürzlich hat Zimmermann die Wände eines Trauzimmers in kräftigem Grün mit goldenem Streifen gestaltet. Ein Brautpaar, das zunächst ganz schlicht heiraten wollte, sah den Raum – und beschloss, sich an seinem großen Tag nun doch schick zu machen. „Das Zimmer wirkt sehr feierlich“, sagt Zimmermann. Zudem passe das Grün zu allen üblichen Anzugs- oder Brautkleidfarben. „Es ist wichtig, keine Konkurrenz zu dem zu schaffen, was in einem Raum stattfinden soll“, betont der Innenarchitekt – und das nicht nur in einem Brautzimmer. Auch für andere Räume hat Zimmermann Denkanstöße parat:

Die Küche

Bei der Küche ist es wie im Trauzimmer: Das Wichtigste ist das, was im Raum geschieht. Während dort geheiratet wird, wird hier gekocht. „Die Speisen sollten im Mittelpunkt stehen“, sagt Zimmermann. Eine schöne Küche sei wie ein Bilderrahmen für die Mahlzeiten. Wichtig seien vor allem stimmige Fußböden, Schränke und Arbeitsoberflächen. Alles sollte schlicht und hell gehalten werden, außerdem sollte Raum für Gäste bleiben, damit sie sich beim Kochen dazusetzen können.

Das Wohnzimmer

Holz und Leder: Materialien bringen natürliche Farbigkeit ins Haus.

Insgesamt ist Zimmermann vorsichtig, was Farben in Wohnräumen angeht. Schließlich hält man sich hier in der Regel lange auf – und ein roter Teppich beispielsweise kann schnell als zu aggressiv empfunden werden. „Wer häufig Kollegen einlädt, stolz auf seine Wohnung ist und gern ein wenig protzen möchte, kann aber ruhig auch auf eine goldene Tapete zurückgreifen“, schlägt Zimmermann vor. Wer sich hingegen lieber allein zurückzieht und es gemütlich mag, für den kann ein Holzfußboden und warme Beleuchtung das Richtige sein. Ein Kamin macht ebenfalls viel aus – und für wen der nicht möglich ist, der könnte beispielsweise mit feuerfarbenen Elementen an den Wänden arbeiten.

Das Bad

Ein kleines Bad profitiert von hellen Farben. Modern sind momentan Braun und Grau. „Der Trend geht zum Bad als Wellnessbereich“, sagt Zimmermann. Immer häufiger werden natürliche Oberflächen gewünscht, beispielsweise Fliesen in Holzoptik.

Das Kinderzimmer

Weitere Themen rund um unser Monatsmotto "Alle deine Farben" gibt es hier.

Quietschbunt muss auch ein Kinderzimmer nicht sein. „Ich würde nicht einmal einen Kindergarten quietschbunt gestalten“, sagt Zimmermann. Kindern müsste man keine künstliche Buntheit vorgeben, stattdessen könnten sie ihre eigene Welt entdecken. Farbigkeit könne dafür auch durch unterschiedliche Materialien eingebracht werden.

Das Arbeitszimmer

Arbeitszimmer sollten neutral gehalten werden, schließlich muss man hier konzentriert bei der Sache bleiben. Wer allerdings einen kleinen Bereich mit Tischen und Stühlen für Gesprächsrunden hat, kann ihn farblich abgrenzen, damit er als eigene Einheit wahrgenommen wird.

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