Krankenstand laut DAK-Studie gestiegen

In Stadt und Kreis Kassel leiden mehr Menschen an Rückenschmerzen

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Auch in Stadt und Landkreis Kassel weit verbreitet: Rückenschmerzen.

Erwerbstätige in Stadt und Landkreis Kassel waren 2018 wieder häufiger krank. Das geht aus einer aktuellen DAK-Studie hervor.

Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Zahl der Tage, an denen sie krankheitsbedingt ausfielen, um 0,2 Prozentpunkte zu.

Das geht aus dem aktuellen Gesundheitsreport der DAK hervor, bei der 42 000 Menschen in Stadt und Kreis versichert sind. Demnach gab es mit 4,7 Prozent in der Region einen höheren Krankenstand als im Landesdurchschnitt (4,3 Prozent). In Zahlen ausgedrückt: An jedem Tag des Jahres waren von 1000 Arbeitnehmern 47 krankgeschrieben.

Die meisten Fehltage verursachten Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems (21,8 Prozent): Rückenschmerzen und ähnliches haben um drei Prozent zugenommen, berichtet Andreas Kohlrautz, Chef der DAK-Gesundheit in Kassel. Auf Platz zwei rangierten Atemwegserkrankungen wie Bronchitis, unter denen 17 Prozent der Versicherten litten. Ihre Zahl stieg ebenfalls um drei Prozent. Den stärksten Anstieg verzeichnet die DAK mit fast 27 Prozent bei den Ausfalltagen aufgrund von Verletzungen, etwa Arbeitsunfällen.

Aus der aktuellen Analyse geht aber auch eine erfreuliche Entwicklung hervor: Psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angstzustände sind demnach um 14 Prozent zurückgegangen. Ihr Anteil am gesamten Krankenstand beträgt nun 15 Prozent. Warum das so ist? „Möglicherweise ist der Zenit überschritten“, so Kohlrautz. Laut Dr. Markus Schimmelpfennig vom Gesundheitsamt Region Kassel lassen sich die Auffälligkeiten schwer interpretieren. „Die Altersfrage spielt eine Rolle, aber auch, ob es in einer Region Betriebe mit großer körperlicher Belastung gibt oder solche, die auf Gesundheitsvorsorge setzten.“ Laut DAK-Studie hat Südhessen einen niedrigeren Krankenstand zu verzeichnen. Die „gesündesten Hessen“ kommen aus Frankfurt, die meisten Fehltage gab es in Werra-Meißner und Hersfeld-Rotenburg.

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Die DAK rückt zudem das Thema Sucht in den Fokus. Das Ergebnis: Hunderttausende Hessen haben ein Suchtproblem; jeder zehnte Beschäftigte einen riskanten Alkoholkonsum.

Problem Alkoholmissbrauch: Mehr Arbeitnehmer im Werra-Meißner-Kreis trinken

Computerspiele statt Zigaretten

Wie viele Erwerbstätige in Hessen mit gravierenden Problemen durch Alkohol, Zigaretten und Computerspiele zu kämpfen haben, das untersucht die DAK in ihren aktuellen Gesundheitsreport. „Sucht 4.0. – Trinken, Dampfen, Gamen in der Arbeitswelt“ ist der Schwerpunkt der Analyse überschrieben.

Kann auch die Arbeit negativ beeinträchtigen: Die Computerspielsucht nimmt laut dem DAK-Report zu. Der Großteil der Krankmeldungen bei Suchtproblemen in Hessen geht allerdings auf Alkohol zurück.

Das Suchtrisiko hat auch gravierende Folgen für die Arbeitswelt. Denn der Krankenstand bei betroffenen Erwerbstätigen ist fast doppelt so hoch, erläutert Andreas Kohlrautz, Chef der DAK-Kassel.

Alkohol

Der Großteil der Krankmeldungen bei Suchtproblemen ist in Hessen auf Alkohol zurückzuführen. Laut DAK-Studie haben 10,3 Prozent der Arbeitnehmer einen riskanten, also übermäßigen und gesundheitsschädigenden Alkoholkonsum. Das sind 326 000 Beschäftigte. Davon ist die Rede, wenn Männer täglich mehr als zwei Gläser Bier (0,3 Liter), Frauen mehr als ein Glas Bier am Tag trinken. „Keine Droge verursacht so umfangreiche soziale und gesundheitliche Schäden in der Gesellschaft wie Alkohol“, sagt Kohlrautz. Mit riskantem Trinken sei ein erhöhtes Risiko für Folgeschäden verbunden.

Rauchen

Rauchen ist laut DAK-Report in Hessen die verbreiteste Sucht, die auch die Arbeitswelt betrifft. 336 000 Männer und Frauen, das sind zehn Prozent der Erwerbstätigen, sind zigarettenabhängig. Unter den jungen Erwerbstätigen zwischen 18 und 29 Jahren gibt es mit 16,3 Prozent den geringsten Anteil. „Das freut uns“, sagt Dr. Markus Schimmelpfennig, stellvertretender Leiter des Gesundheitsamts Region Kassel. Rauchen sei nicht mehr so „cool“, Zigaretten seien von anderen Imponiergesten abgelöst worden, etwa dem Handy in der Hand.

Bei den 60- bis 65-jährigen Berufstätigen raucht laut DAK-Studie fast jeder Vierte (23,7 Prozent). Etwa jeder zweite Raucher raucht auch während seiner Arbeitszeit, also außerhalb der Arbeitspausen. Rund sechs Prozent der Erwerbstätigen in Hessen griffen zur E-Zigarette.

Gaming

Während die Nikotinsucht abnimmt und Alkohol an „Attraktivität“ verloren hat, nimmt die Computerspielsucht zu, beobachtet Schimmelpfennig. Der DAK-Report gibt ihm recht: Demnach spielen rund 60 Prozent der hessischen Erwerbstätigen Computerspiele. Neun Prozent gelten als riskante Gamer. Das heißt: Rund 290 000 Beschäftigte zeigen ein auffälliges Nutzungsverhalten. Vor allem junge Beschäftigte zwischen 18 und 29 Jahren sind laut DAK-Report riskante Computerspieler (11,6 Prozent).

Jeder elfte Mitarbeiter mit riskantem Spielverhalten gab bei der Analyse an, in den letzten drei Monaten wegen des Spielens abgelenkt oder unkonzentriert bei der Arbeit gewesen zu sein. Von den Erwerbstätigen mit einer Computerspielsucht war es sogar jeder Dritte (33,3 Prozent).

Prävention

„Das Suchtbedürfnis einer Bevölkerung nimmt nicht ab; für einen gewissen Prozentsatz der Bevölkerung bleibt sie die Lösung aus einer persönlichen Bedrängnis“, bilanziert Dr. Markus Schimmelpfennig. Eine Lösung, die zum Problem wird.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

„Sucht ist eine Krankheit, die jeden treffen kann. Wir wollen eine breite und offene Debatte anstoßen. Wir müssen hinsehen, hinhören und handeln, um Betroffene nicht allein zu lassen“, sagt Andreas Kohlrautz. Die DAK biete daher unter anderem ein neues Online-Selbsthilfeprogramm bei Alkoholproblemen an: dak.de/vorvida.

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