Viele Jungpflanzen sind verdorrt

Land- und Forstwirtschaft leiden in Stadt und Kreis Kassel unter Dürre

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Schlechte Ernte: Die Landwirtschaft leidet unter der Dürre der vergangenen Wochen. Das Foto entstand auf dem Langen Feld in Niederzwehren.

Kassel. Die Dürre der vergangenen Wochen macht Land- und Forstwirten in der Region zu schaffen. Die Bauern beklagen schlechte Ernten, die Waldbesitzer befürchten Schädlingsbefall.

Auch wenn es zum Wochenende deutlich kühler werden soll, die Dürre der vergangenen Wochen sorgt bei der Land- und Forstwirtschaft in Stadt und Landkreis Kassel für Probleme auf verschiedenen Ebenen.

Landwirtschaft

Ein Problem für die hiesigen Landwirte ist beispielsweise die schlechte Getreideernte in diesem Jahr. Sie musste früher beginnen, obwohl die Körner in vielen Fällen noch nicht ausreichend gereift und damit zu klein sind. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum seien die Getreidepreise an der Börse um 20 bis 25 Prozent gestiegen, sagt Reinhard Schulte-Ebbert, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes.

Reinhard Schulte-Ebbert, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes

Auch das Futter für das Vieh wird knapp. „Die Stroh- und Heuernte ist schlecht und die Preise steigen“, sagt Schulte-Ebbert. Da stelle sich vielen Viehhaltern die Frage, ob es sich lohnt, ihre Tiere mit teurem Heu zu füttern. Die Alternative: Die Tiere zum Schlachter bringen. Die Bullenmäster würden ihr Vieh nicht früher schlachten, kauften aber keine Kälber nach. Die Folge: Die Viehhändler bleiben auf ihren Kälbern sitzen.

Eine weitere Auswirkung der Hitze ist, dass Milchkühe weniger Milch geben. „Rinder fühlen sich bei herbstlichen Temperaturen um die 10 bis 15 Grad am wohlsten“, sagt Schulte-Ebbert. Bei Temperaturen um die 30 Grad verringere sich ihre Milchleistung. Hinzu kommt, dass das Futter durch die Trockenheit weniger gehaltvoll ist. Die Landwirte müssen den Energiebedarf der Tiere durch zusätzliches Kraftfutter decken. Das verursacht Mehrkosten. Eine Preissteigerung bei Milchprodukten erwartet Schulte-Ebbert mit Verzögerung.

Forstwirtschaft

Auch die Förster stehen vor mehreren Problemen. Die Trockenheit erhöht die Waldbrandgefahr, macht die Bäume anfällig und lässt Borkenkäfer prächtig gedeihen. „Die Trockenheit schwächt die Pflanzen“, sagtPetra Westphal, Pressesprecherin von HessenForst. Besonders betroffen seien junge Bäume. Ihre Wurzeln reichen noch nicht tief. „Im nächsten Frühjahr werden wir sehen, wie viele der 630 000 Neupflanzungen im hessischen Staatswald die Dürre überlebt haben“, so Westphal. Auch die im letzten und vorletzten Jahr gepflanzten Bäume seien gefährdet, auch ihre Wurzeln reichen noch nicht in tiefere Bodenschichten.

Petra Westphal, Pressesprecherin von HessenForst

Ältere Bäume sterben nicht so leicht, aber auch sie sind geschwächt. „Das macht sie anfälliger für Pilze und Schädlinge“, sagt Westphal. Wie hoch der finanzielle Schaden sein wird, kann sie noch nicht absehen.

Westphals größte Sorge: der Borkenkäfer. Die Insekten befallen vor allem Fichten. Sie finden derzeit ideale Bedingungen vor. Es ist warm und trocken, und es gibt viele geschwächte oder umgestürzte Fichten durch Orkantief Friederike im Januar. Sie dienen den Borkenkäfern als Brutstätte. Und die Insekten vermehren sich rasant. „Der Borkenkäfer hat bei uns oberste Priorität. Er vermehrt sich rasant. Deshalb werden befallene Stämme von uns schnellstmöglich entsorgt“, so Westphal. Auch die Tiere leiden unter der Dürre, vor allem jene, die auf Wasser angewiesen sind, berichtet Westphal. Der Schwarzstorch beispielsweise brauche kleine Tümpel, in denen er Frösche und Kröten als Nahrung finden kann. Doch die Tümpel trockneten zunehmend aus. 

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