Forderung nach Personal

Protest der Kasseler Kunststudenten: "Uni spart an qualifizierter Bildung"

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Gingen für bessere Lehre auf die Straße: Gut 300 Studenten der Kunsthochschule zogen in einem Protestmarsch durch die Stadt. Unser Bild ist am Weinberg entstanden.

Kassel. Die Studenten der Kunsthochschule Kassel wollen den Unipräsidenten Reiner Finkeldey beim Wort nehmen. Finkeldey hatte sich bei seinem Amtsantritt im Jahr 2015 die Verbesserung der Qualität der Lehre zum Ziel gesetzt.

Aus Sicht vieler Studenten ist an der Kunsthochschule das Gegenteil der Fall. Deshalb demonstrierten am Mittwochnachmittag gut 300 Studenten. Sie zogen auf ihrem Protestmarsch auch den Weinberg hinauf.

Initiator der Aktion ist die Klasse von Professor Norbert Radermacher. Wenn Radermacher zum Wintersemester in Ruhestand geht, fehlt den gut 30 Studenten seiner Klasse die Betreuung. Eine Nachfolge für die Professur für Bildende Kunst gibt es bislang nicht.

„Weil kurzfristig sicher keine Besetzung erfolgen wird, fordern wir für die Übergangszeit die Einrichtung einer Gastprofessur“, sagt Andra Schumann, Vertreterin der Studenten. Auch der Erhalt der Stelle der künstlerischen Mitarbeiterin sei notwendig.

Schumann macht klar, dass sich das Personalproblem keinesfalls nur auf die Radermacher Klasse beschränke. Insgesamt – so der Eindruck der Studenten – gelte an dem Uni-Standort das Spardiktat. Die Werkstätten, vor allem die Keramik- und Textilwerkstatt, würden nur noch unzureichend betreut, sagt Schumann. Und auch die Ausstattung lasse zu wünschen übrig. So gebe es in der Holzwerkstatt nur noch eine provisorische Absauganlage.

Nach Ausscheiden kompetenter Werkstattleiter würden meist nur Hilfskräfte eingesetzt oder es würden Lehraufträge vergeben. Weitere Kritikpunkte sind die „knappen Raumkapazitäten“ und eine „fehlende Einbindung der Kunsthochschule bei der Etablierung eines documenta-Institutes“ in Kassel.

Neues Gesamtkonzept

In einem Offenen Brief haben sich die Studenten an Finkeldey gewandt. Auf HNA-Anfrage nahm der Uni-Präsident Stellung zu den Vorwürfen. Zurzeit befinde sich das Präsidium in Verhandlungen mit der Kunsthochschule über den neuen Strukturplan für die Jahre 2018 bis 2022. Dabei solle auch ein neues Gesamtkonzept für die Werkstätten entwickelt werden. Zu klären sei auch die eventuelle Neuausrichtung der bestehenden Professur in der Bildenden Kunst.

Beides sei für die Hochschule „ein ganz normaler und notwendiger Vorgang, um akademisch auf dem aktuellsten Niveau zu blieben“, sagt Finkeldey. Er sei aber offen, für Engpässe in einigen Werkstätten kurzfristige Lösungen zu finden. Ziel des Strukturplans sei es, „die Kunsthochschule als exzellente Bildungsstätte zu sichern und ihre künstlerische Sichtbarkeit zu stärken.“

In den vergangenen Jahren sei das Budget der Kunsthochschule, auch aufgrund steigender Studierendenzahlen, regelmäßig gestiegen, erläutert Finkeldey. Der laufende Bau einer Ausstellungshalle sei eine Stärkung des Standortes.

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