Nach einer Woche Kassel

Der nackte Mann und die Märchen: Die Top 10 unserer Tauschreporterin

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Aus der Ferne ein Macho, von Nahem doch ganz sympathisch: Der Herkules machte auf Sara Reinke von der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung zunächst unterschiedliche Eindrücke. Letztlich konnte die Kasseler Galionsfigur aber auch unsere Tauschreporterin für sich gewinnen.

Kassel. Einmal Kassel und zurück – die Top 10 aus einer Woche von unserer Tauschreporterin Sara Reinke.

1. Fettnapf mit Sauerkraut – Vorsicht bei der Ansprache: Erste Lektion für Kassel-Neulinge: Es gibt Kasseler, Kasselaner und Kasseläner. Wie man sie unterscheidet, weiß niemand. Aber man darf sie auf keinen Fall verwechseln. Das verletzt ihre Gefühle.

2. Kassler ist nur das zum Essen: Unter keinen Umständen sind Menschen, die in Kassel wohnen, Kassler. Damit wollen sie auch nicht in Verbindung gebracht werden. Das Schweinerippen-Gericht hat angeblich ein Berliner Koch namens Cassler erfunden. Der Kasseler isst statt Kassler lieber Ahle Wurscht. Menschen außerhalb Nordhessens müssen das nicht verstehen.

3. Der nackte Mann meint es nicht so: Herkules protzt mit allem, was er hat. Und alle müssen zu ihm aufsehen. Wenn man ihn dann aber auf seinem Hügel besucht, kommt er doch ganz sympathisch rüber. Erkenntnis für Nicht-Kasseler: Herkules ist nicht der nackte Typ auf der Pyramide auf dem Schloss auf dem Berg. Herkules ist nackter Typ, Pyramide und Schloss zusammen, also quasi der ganze Berg.

4. Kassel ist documenta ist Kassel ist documenta: Es ist auch documenta, wenn nicht documenta ist. Überbleibsel der letzten Ausstellungen finden sich überall in der Stadt. Die meisten versteht man nicht. Eins, das man versteht, ist der Obelisk auf dem Königsplatz. Man kann dazu sehr viele Meinungen haben. Zum Beispiel die, dass er unbedingt wegmuss. Oder die, dass er da genau richtig steht. Oder die, dass die Kasseler Innenstadt ästhetisch gesehen ganz sicher gravierendere Probleme hat.

5. Die schönste Nebensache ist genau das: Über Fußball geredet wird auch in Kassel ständig. Aber richtig ernst nehmen sich die KSV-Fans nicht. Ins Auestadion passen 18 737 Menschen. Zum Spiel gegen Hannover 96 kamen zuletzt 2500. Da waren die auf dem Platz schon mitgezählt.

6. Man sieht das Grün vor lauter Grau nicht: Die Kasseler Innenstadt erschlägt einen auf den ersten Blick mit ihren breiten Straßen und riesigen Plätzen. Dabei besteht das Stadtgebiet zu 63 Prozent aus Grünflächen. Die muss man nur erst finden. Na gut, die vor dem Fridericianum ist auch eher eine Braunfläche. Sehr hübsch dagegen: der Bergpark am Herkules und die Karlsaue.

7. Wo sich Wolf und Hase Gute Nacht sagen: Am Stadtplan von Kassel müssen die Brüder Grimm mitgewirkt haben. Auszug aus einem lyrischen Rundgang: Wolfsanger liegt direkt neben der Hasenhecke, in der Fünffensterstraße gibt es auch Türen, die Druseltalstraße ist zurzeit gesperrt und „Seidenes Strümpfchen“ ist eine Einbahnstraße.

8. Ganz oben wird die Luft dünn – und die Straße auch: Es gibt auch eine Straße namens Schlangenweg. Die muss man nicht kennen, aber für alle, die sie kennenlernen wollen, ein kleiner Tipp: Nehmen Sie nicht das Fahrrad. Eine Alternativroute zur viel befahrenen Frankfurter Straße ist sie übrigens auch nicht. Nur falls das irgendjemand denken sollte.

9. Illegal radelt es sich am besten: Richtig gut Radfahren lässt es sich dagegen in der Karlsaue. Dort ist es aber verboten.

10. Grimms Gruselwelten sind nichts für Kinder: Im Museum Grimmwelt gibt es ein Erwachsenen-Kino. Nicht, was Sie jetzt denken. Aber auch die Rotkäppchen-Installation hat etwas Verstörendes. Auch für Erwachsene. Der böse Wolf sieht aus wie Hape Kerkeling.

Sara Reinke (39) ist Redakteurin bei der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung. Dort ist sie Desk-Chefin und unter anderem für die wöchentliche Reportageseite zuständig. Im Zuge des bundesweiten Reportertauschs verstärkte sie eine Woche lang unsere Lokalredaktion in Kassel.

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