Interview mit Jonathan Schmidt

Weihnachten im ARM: So besinnlich sind die Feiertage in einem Kasseler Nachtclub

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Steht Heiligabend und an den Weihnachtsfeiertagen hinter der Theke: Chef vom Dienst Jonathan Schmidt.

Weihnachten im ARM ist besinnlich, findet Jonathan Schmidt: Der Kasseler arbeitet an Heiligabend und an den Weihnachtsfeiertagen hinter der Theke. Im Interview hat er uns verraten, warum.

Weihnachten verbringt Jonathan Schmidt im Club ARM: Als Chef vom Dienst ist der Kasseler der Erste, der kommt, und der Letzte, der geht. Eigentlich ist er bereits in den Tagesdienst gewechselt, doch an Weihnachten möchte der 30-Jährige noch mal nachts hinter der Theke stehen. Im Interview erzählt er, warum es gerade an den Feiertagen so schön hier ist – und wie besinnlich es zwischen Betrunkenen zugehen kann.

Jonathan, was hast du Weihnachten vor?

Jonathan Schmidt: Arbeiten. Von 22 Uhr bis zum nächsten Mittag – je nachdem, wie lang die Party geht. Ich bin dann zwar nicht bei meiner ersten Familie, aber dafür bei meiner zweiten: meiner Familie aus dem Arm.

Wie ist es an Weihnachten, hier an der Theke zu stehen?

Schmidt: Das knüppelt schon gut rein. Die Gäste sehen häufig nicht, wie du am Rotieren bist. Es geht vor allem darum, dass du schnell bist – aber es ist positiver Stress.

Warum ist es an Weihnachten voller als sonst?

Schmidt: Die Leute haben mehr Lust, rauszugehen, etwas zu unternehmen. Viele, die zum Studieren weggegangen sind, kommen an Weihnachten zurück nach Kassel und verabreden sich im ARM.

Jonathan Schmidt ist schon im Arm, lange bevor die Party losgeht.

Warum gehen die Menschen an den Feiertagen tanzen, statt unterm Weihnachtsbaum zu sitzen?

Schmidt: Das ARM gibt es seit fast 20 Jahren. Viele sind hier groß geworden, andere werden hier gerade groß. Dieser Ort gibt den Menschen die Möglichkeit, sich zu entwickeln. Das Schöne ist auch: Du kannst hier sogar allein herkommen und schnell neue Leute auf derselben Ebene treffen. Du findest hier Freunde – das verbindet.

Wie sind die Partygäste an Weihnachten gelaunt?

Schmidt: Alle sind grundsätzlich freundlicher, der Stress scheint beim Feiern nicht so hoch zu sein. Sie wollen schöne, besinnliche Weihnachten haben.

Wie hat man besinnliche Weihnachten im Arm?

Schmidt: Die Akzeptanz für den Anderen ist größer. Auch für die Mitarbeiter. Alle denken: „Ach, der Arme muss an Weihnachten arbeiten“, und sind freundlicher. An Silvester ist das wieder anders, da kommt es darauf an, wie die Leute reingerutscht sind. Es muss die beste Party des letzten und des neuen Jahres sein – also sind die Ansprüche an die Veranstaltung sehr hoch. Da braucht es nur eine Kleinigkeit und die ganze Sache kippt. 

Sind dir schon mal witzige Sachen an den Feiertagen passiert?

Schmidt: Als ich noch in Aachen gearbeitet habe, saßen zwei ältere Damen im Echtpelzmantel vor mir. Ich war ein bisschen jünger und wollte Show machen, also hab ich zwei Shaker hochgeworfen. Ich wollte sie gekonnt wieder auffangen, aber beide gingen in der Luft auf und Sahne ergoss sich auf die Pelzmäntel. So schnell hat man mich noch nicht hinter der Theke abtauchen sehen. Ich hab probiert, auf allen Vieren wegzukrabbeln.

Tanzt du gern?

Schmidt: Beim Arbeiten mach ich manchmal so ein bisschen mit. Wenn ich richtig feiern gehe, dann im ARM – hier sind fast alle Leute, die ich kenne.

Magst du betrunkene Menschen?

Schmidt: Es gibt nette und anstrengende Betrunkene. Manche gucken nur auf sich, ihr Gesichtsradius ist beschränkt. Es ist schwer, ihnen zu vermitteln, dass man das Problem verstanden hat, aber wegen anderer Umstände nicht sofort reagieren kann. Wenn einer zum Beispiel sein Glas fallen gelassen hat, kann ich mich manchmal nicht sofort drum kümmern. Aber es gibt auch viele witzige Betrunkene. Wir hatten schon welche, die sich auf der Tanzfläche ausgezogen haben, weil sie das gerade lustig fanden.

Sind Menschen auf Drogen schwieriger?

Schmidt: Das kommt auf die Droge an – und auf den Menschen. Wenn jemand neben der Spur ist, nehmen wir ihn aus der Masse raus, damit er nicht versucht, sich vor den anderen zu behaupten. Wir schauen, ob Freunde da sind, die ihn nach Hause bringen können, oder ob man zur Not einen Krankenwagen holen muss.

Das passiert auch immer wieder?

Schmidt: Schon, aber öfter passiert das bei Alkohol.

Hast du Familie?

Schmidt: Meine Mutter und meine Schwester wohnen in Aachen, Hinfahren lohnt sich für einen Tag nicht. Bei meiner Freundin sehe ich, wie Weihnachten in der Familie sein kann – da finde ich es schön. Aber ich mach meinen Job seit fast 14 Jahren in Festanstellung und das hat sich so eingespielt.

Wie lange willst du ihn noch machen?

Schmidt: Mir ist es immer schon leicht gefallen, die Leute zu entertainen, ich push mich an der Theke damit, schnell zu bedienen. Noch steigere ich mich da gern rein. Wenn das Team gut ist, bildet sich ein Nebenkosmos. Fast alle meiner Freunde arbeiten in der Gastro, also hab ich auch zur selben Zeit frei wie die. Ich mach das noch, solange es mir Spaß macht.

Vermisst du die Sonne?

Dafür habe ich Urlaub. 20 Tage im Jahr. Außerdem ist ja nicht jede Nacht im ARM Party.

Weihnachten im ARM

  • Sonntag, 24. Dezember: Die Bar und die Wiese sind ab 23 Uhr geöffnet. Nach dem Motto „Eilige Nacht“ legt DJ Buttcall auf.
  • Montag, 25. Dezember: Am ersten Weihnachtsfeiertag gibt das ARM alles, unter anderem legen Dirty Doering und Anna Reusch auf. „Spin The Wheel“ heißt es in der Bar, „Why Nachten!?“ im ARM und „Trippy Exotic Cumbia“ im Ballsaal.
  • Dienstag, 26. Dezember: Auch am zweiten Weihnachtsfeiertag wird getanzt: Die Party in der Bar ist noch geheim, im ARM findet „Trashalicious“ statt, eine 90er-Jahre-Party.

Zur Person: Jonathan Schmidt

Jonathan Schmidt

Ursprünglich kommt Jonathan Schmidt aus Aachen. Zum Politikstudium kam er nach Kassel, machte seinen Nebenjob im ARM aber bald zum Hauptberuf. Der 30-Jährige wohnt in Kassel.

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