Keine Überlebenden

Tod auf hoher See: Kassels kurze Patenschaft mit dem U-Boot 306

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Das U-Boot: Die U 306 war 67 Meter lang und hatte eine Besatzung von etwa 50 Mann. Im Oktober 1943 wurde das U-Boot von einem britischen Zerstörer versenkt. Es gab keine Überlebenden. 

Im Oktober 1942 übernahm die Stadt Kassel die Patenschaft für ein U-Boot der Kriegsmarine. Bereits ein Jahr später wurde es versenkt. Die gesamte Besatzung, darunter der Kasseler Kommandant Claus von Trotha, kam dabei ums Leben. Ein Blick in die Geschichte.

Die Patenschaft der Stadt Kassel mit der Besatzung des U-Bootes war kurz und endete tragisch. U 306 war im Oktober 1943 zu seiner erst dritten Fahrt ausgelaufen. Gut zwei Wochen später wurde es von den Alliierten versenkt, die gesamte Besatzung – etwa 50 Mann – kam dabei ums Leben. „Das waren alles junge Leute, man kann das auf den Bildern gut erkennen“, sagt Kassels Stadtarchivar Dr. Stephan Schwenke.

Den Ordner mit einem kleinen Fotoalbum und einer Widmung des Kommandanten hat er bei der Suche nach anderen Unterlagen mehr oder weniger zufällig gefunden. Das Interesse des Archivars an einem bislang kaum bekannten Kapitel über Kassel im Zweiten Weltkrieg war geweckt.

Der Kommandant: Claus von Trotha wuchs an der Murhardstraße in Kassel auf.

„Der Kommandant des U-Boots, Claus von Trotha, ist in Kassel zur Schule gegangen und hat mit seinen Eltern an der Murhardstraße gewohnt“, sagt Schwenke. Dieser Umstand erklärt, warum von Trotha Kontakt mit der Kasseler Verwaltung aufnahm und schriftlich anfragte, ob die Stadt eine Patenschaft für das U-Boot übernehmen wolle. Solche Patenschaften waren damals nicht unüblich und sollten den Soldaten signalisieren, dass die Bevölkerung hinter ihnen stand.

Geschenke der Bevölkerung: Schallplatten und Bücher

Erinnerungsfoto: Die olympischen Ringe verweisen auf das Jahr 1936, in dem viele Besatzungsmitglieder ihre Ausbildung begannen. Damals fanden die Spiele in Berlin statt.

Dokumentiert ist der Schriftwechsel zwischen dem Kommandanten und Vertretern der Stadt. Man wurde sich offenbar einig. Als das U-Boot am 21. Oktober 1942 seinen Dienst bei der Kriegsmarine begann, übernahm Kassel die Partnerschaft. Das bedeutete unter anderem, dass die Kasseler Bevölkerung Schallplatten, Spiele wie Schach und Mikado, zahlreiche Bücher und andere Dinge gespendet hat. Aus den Unterlagen gehe auch hervor, dass an Bord mehrere Gemälde des Malers Ludwig Voß waren. Sie zeigten unter anderem Schloss Wilhelmshöhe und das Kasseler Rathaus. Zudem vermittelte die Stadt Brieffreundschaften zwischen den jungen Soldaten und Kasseler Mädchen.

Die Weihnachtsgeschenke für das Fest im Jahr 1942 sind auf dem U-Boot angekommen, die für 1943 waren im Oktober bereits auf dem Weg.

Kochlöffel und Handtuch: Der Schiffskoch, auch Smutje genannt, auf der U 306.

Aus dem Hafen im nordfranzösischen Brest ist U 306 mit Kommandant Claus von Trotha am 16. Oktober 1943 ausgelaufen. Im April hatte man den amerikanischen Frachter Amerika und den britischen Frachter Silvermaple versenkt. Wie viele Menschen dabei ums Leben kamen, ist nicht bekannt. Im Juli beschädigte ein Torpedo des U-Boots den britischen Dampfer Kaipara. Die dritte Fahrt zwischen der portugiesischen Küste und den Azoren sollte die Letzte werden.

„Claus von Trotha starb wenige Tage nach seinem Vater, der in der Kasseler Bombennacht vom 22. Oktober ums Leben kam“, sagt Stadtarchivar Schwenke. U-306 wurde von dem britischen Zerstörer Whitehall am 31. Oktober 1943 versenkt. Es gab keine Überlebenden.

Hintergrund: U-Boot war 67 Meter lang

Gebaut wurde das U-Boot U 306 im Jahr 1941 auf der Werft der Lübecker Flender- Werke. Es war 67 Meter lang und 6,20 Meter breit. Es wurde im Nord- und Mittelatlantik eingesetzt. Unter Wasser wurde das U-Boot von zwei Elektromoren angetrieben, die zusammen 750 PS hatten. Sie sorgten für eine Höchstgeschwindigkeit von 7,6 Knoten (14 Kilometer pro Stunde). Nach Schätzungen kamen 30.000 der 40.000 deutschen U-Bootsoldaten ums Leben. 

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