Kein Problem in der Region

Stadt und Kreis sehen keine Notwendigkeit, Nilgänse abzuschießen

+
Breiten sich immer weiter aus, stellen aber in und um Kassel noch kein Problem dar: die Nilgänse aus Afrika.

Kassel. Weil der Kot von Nilgänsen eine Gesundheitsgefahr für Babys darstelle, hat die Stadt Frankfurt die Tiere jetzt zum Abschuss freigegeben. In Kassel gibt es kaum Probleme.

Die aus Afrika stammenden Nilgänse breiten sich in Deutschland immer mehr aus. Weil deren Kot eine Gesundheitsgefahr für Babys und Kleinkinder darstelle, hat die Stadt Frankfurt die Nilgänse jetzt im Brentanobad zum Abschuss freigegeben. In Stadt und Landkreis Kassel wird die Jagd auf Nilgänse jedoch nicht für notwendig erachtet, so das Ergebnis einer HNA-Anfrage.

Stadt Kassel

„Mit Nilgänsen gibt es keine Probleme. Wir haben in Kassel eine größere Population von Graugänsen“, berichtet Stadtsprecher Michael Schwab. Nach der Hessischen Jagdverordnung sei aber eine Bejagung der Graugänse innerhalb des Vogelschutzgebietes Fuldaaue sowie auf Stillgewässern und innerhalb einer Ruhezone von 70 Meter drum herum verboten. Ausnahmegenehmigungen seien ausschließlich durch das Hessische Umweltministerium möglich. Schwab: „Vor dem Hintergrund des hohen Schutzstatus für die Vögel dürfte ein solches Verfahren jedoch wenig erfolgversprechend sein.“

Landkreis Kassel

„Im Landkreis Kassel sind Nilgänse bisher kein wirkliches Problem“, sagt Harald Kühlborn, Pressesprecher des Landkreis Kassel. Nilgänse kämen zwar vor, aber in ganz geringer Zahl. „Da sie eine invasive und nicht geschützte Art sind, können sie – sobald die Schonzeit vorbei ist – ganz normal geschossen werden.“ Auf den Streckenlisten, die am Jahresende von den Jagdgenossenschaften der Jagdbehörde vorgelegt werden müssen, und auf denen alle geschossenen Tiere gelistet werden, seien Nilgänse nur in sehr geringer Zahl gewesen.

Naturschutzbund Hessen

„Von der Nilgans geht keine Bedrohung für heimische Vogelarten aus“, erklärt Mark Harthun vom Naturschutzbund (NABU) Hessen, manchmal seien zwar Kämpfe um Nistplätze zwischen Weißstörchen und Nilgänsen zu beobachten, diese seien aber ganz natürlich – auch unter den Weißstörchen. Hierfür sei die einfache Lösung, dass der Nabu mehr Nistplätze für die Weißstörche aufstelle.

Nach Angaben des Naturschutzreferenten kann die Bejagung der Nilgänse, wie es in Frankfurt erlaubt werden soll, das Problem der Überbevölkerung durch die Vögel nicht auf Dauer lösen. Denn die Verursacher für die rasante Vermehrung seien die Menschen, die die Tiere in Parks und Städten fütterten. Wenn ein Teil der Nilgänse geschossen werde, rücke ein anderer Teil in die Lücke nach, da die Tiere durch das Futter wieder in die Städte gelockt würden. Dies sei auch die Ursache für das aggressive Verhalten der Vögel, sagt Harthun, denn die Vögel versuchen, ihre Futterquelle zu verteidigen. Das aggressive Verhalten sei nämlich bei Nilgänsen unter natürlichen Bedingungen nicht zu beobachten. Die angeblichen Gesundheitsgefahren, die in Frankfurt gesehen werden, kann Harthun nicht bestätigen. „Der Kot der Vögel ist zwar ein Ärgernis, dem Nabu Hessen liegen aber bisher keine Ergebnisse vor, dass der Kot gesundheitsgefährdend ist.“

Von Amira El Ahl und Ann-Cathrin Bernhardt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.