Kurfürsten-Galerie

In Kassels Casino läuft das Geschäft mit dem Glück wieder besser

Am American-Roulette-Tisch: Geschäftsführer Gerhard Wilhelm (links) und Spielbankleiter Frank Kleemann. Mit den 250 Automaten wird allerdings acht Mal so viel Umsatz gemacht als mit dem sogenannten Großen Spiel. Foto: Malmus

Kassel. In Kassels Spielbank in der Kurfürsten-Galerie läuft das Geschäft mit dem Glück nach jahrelanger Branchenkrise wieder besser. Davon profitiert auch die Stadt Kassel, die am Bruttoertrag aus dem staatlich konzessionierten Glücksspiel beteiligt ist.

Von knapp elf Mio. Euro, die 2013 über die Spieltische gingen und in die Automatenschlitze wanderten, erwartet die Kämmerei einen Anteil von 1,7 Mio. Euro.

Bundesweit waren die Erträge der Casinos eingebrochen, nachdem ab 2008 neue Gesetzesregeln in Kraft gesetzt wurden – vor allem, um suchtgefährdete Spieler zu schützen. Wegen strengerer Zugangskontrollen blieb das Publikum zunehmend fern, wanderte in gewerbliche Spielhallen ab oder zockte gleich in den Grauzonen des Internets. Letzteres sei „ein Milliardenmarkt“, sagt der Kasseler Spielbankgeschäftsführer Gerhard Wilhelm.

Nach seinen Angaben hat das Casino in der Kurfürsten-Galerie seit 2007 etwa ein Drittel seiner Erträge eingebüßt. Nach einem Tiefpunkt im Jahr 2010 stabilisiere sich die Lage aber wieder mit leichten jährlichen Zuwächsen – das gelte für Spielerträge wie auch für die Besucherzahlen. Konstant sei auch die Zahl von etwa 70 Mitarbeitern, darunter 15 Spieltechniker wie Roulette-Croupiers und Pokerdealer.

Während vielerorts im Land Spielbanken schließen und Mitarbeiter entlassen werden, sagt Wilhelm: „Wir sind einigermaßen glimpflich davongekommen.“ Als Gründe nennt er die Lage des Kasseler Hauses und dessen Publikum: „Zu uns kommen keine Scheichs mit Geldkoffern, sondern regionale Gäste, die relativ jung sind und neben anderen Ausgeh-Aktivitäten in der Stadt auch mal in die Spielbank gehen.“ Dafür sei die Innenstadtlage viel günstiger als der frühere Standort am Bergpark, „so schön es dort oben auch war“.

Laut Wilhelm riskiert der Durchschnittsgast etwa 40 Euro, was für die Casinobranche ein recht niedriger Wert sei. Die Abgaben auf die Spielbank-Umsätze werden übrigens jeweils noch am selben Tag vom Konzessionsgeber, dem Land Hessen, direkt abgeschöpft: Dafür sei jeden Tag, und zwar von vormittags bis nachts um drei, mindestens ein Finanzbeamter im Haus, sagt Spielbankleiter Frank Kleemann: „Wenn kein Beamter rechtzeitig da wäre, dürften wir gar nicht öffnen.“

Im Jahr 2007, also vor Inkrafttreten der strengeren Regeln fürs Casinospiel, war ein Anteil von 2,7 Mio. Euro in die Stadtkasse geflossen. Im Haushalt des vergangenen Jahres betrug dieser Posten nur noch 1,7 Mio. Euro. Die Million weniger dürften die städtischen Kassenwächter verschmerzen, denn aus anderen Bereichen des Glückspiels haben sich ihre Einkünfte weitaus stärker erhöht: Von gewerblichen Spielhallen nahm die Stadt im Vorjahr etwa drei Mio. Euro aus der Spielapparatesteuer ein – das Dreifache des Steueraufkommens im Jahr 2008.

Von Axel Schwarz

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