Börner und Platiel

Stadt würdigt Kasseler Politiker, Verfolgte und Dichter mit Ehrengräbern

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So ist er in Erinnerung geblieben: Holger Börner (rechts) beim Besuch des damaligen Bundespräsidenten Walter Scheel (Mitte) 1978 auf dem Weg ins Kasseler Rathaus. Links im Bild Hans Eichel, der als Oberbürgermeister seine Amtskette trug.

Kassel. Die Grabstätten bekannter Persönlichkeiten müssen nicht groß und wuchtig sein. Selbst Ehrengräber nicht.

Auf dem Friedhof seines Heimatstadtteils Wolfsanger liegt der ehemalige hessische Ministerpräsident Holger Börner begraben. Seine letzte Ruhestätte und die von sieben weiteren verstorbenen Kasseler Bürgern gehören ab sofort zu den Ehrengräbern, um die sich die Stadt kümmert. Die Zahl dieser besonderen Gräber steigt damit von 63 auf 71.

Schlichter Stein: Das Grab von Holger Börner.

Sie alle sind mit einer Steintafel gekennzeichnet. Auf dem mit Blumen geschmückten Grab von Holger Börner verweist neben der Tafel ein schlichter Stein auf den berühmten Sohn der Stadt, der im Jahr 2006 mit 75 Jahren starb. In Stein gemeißelt sind nicht nur seine biografischen Daten, sondern auch sein Lebensmotto: „Wer keine Politik macht, mit dem wird sie gemacht.“ Der SPD-Politiker hat es vom Betonfacharbeiter und Hilfspolier bis zum Ministerpräsidenten gebracht.

Nora Platiel

Von den Gräberfeldern für die Opfer der Bombennacht bis zur Ruhestätte der Familie Henschel hat der Hauptfriedhof jede Menge Erinnerungen an die Stadtgeschichte zu bieten. Hier liegen seit fast 40 Jahren Nora und Hermann Platielbegraben. Jetzt haben sie ein Ehrengrab. Beide wurden 1896 geboren und waren Widerstandskämpfer im Nationalsozialismus. Die jüdische Juristin Nora Platiel wurde 1949 Landgerichtsrätin in Kassel und engagierte sich im Kunstverein. Ihr Mann war Leiter der Kasseler Volksbühne.

Ebenfalls auf dem Hauptfriedhof liegt das Ehrengrab von Konrad Berndt(1872 bis 1935). Der verdiente sein Geld als Postinspektor, ist der Nachwelt aber in erster Linie mit seinen „Casseläner Geschichderchen und Gedichderchen“ in Erinnerung geblieben.

Auf dem neuen israelitischen Friedhof liegt Dr. Max Plaudt (geb. 1888). Der Anwalt gilt als erstes Todesopfer der Nationalsozialisten in Kassel. Er wurde 1933 in dem Nazi-Lokal Bürgersäle am Karlsplatz so schwer misshandelt, dass er wenig später starb.

Ein weiteres Naziopfer ist der jüdische Mediziner Dr. Felix Blumenfeld (geb. 1873), der der erste Leiter des Kinderkrankenhauses Park Schönfeld war. Er nahm sich 1942 das Leben. Auch er hat jetzt ein Ehrengrab. Das befindet sich auf dem israelitischen Friedhof in Bettenhausen.

Auf dem Nordfriedhof liegt Hans Krollmann (1929 bis 2016) begraben. Der SPD-Politiker war unter anderem Kasseler Polizeipräsident, Stadtkämmerer sowie hessischer Kultus- und Finanzminister. Besonders engagiert hat er sich für das Kasseler Staatsorchester.

Ein Ehrengrab auf dem Friedhof Bettenhausen hat Heinrich Brencher (1862 bis 1938), der in Bettenhausen in leitender Funktion bei Salzmann gearbeitet hat sowie im Bürgerverein aktiv war. Ausgezeichnet wurde zudem der Kaufmann Rudolf Freidof(1888 bis 1983). Er war ab 1946 der erste Fraktionsvorsitzede der SPD nach dem Krieg und bis 1964 Stadtverordneter.

Jeder kann Ehrung vorschlagen

Ein Ehrengrab würdigt Menschen, die besondere Verdienste für Kassel erworben haben. Vorschläge können Bürger, Angehörige, Vertreter von Institutionen und Vereinen sowie Politiker machen. Die Entscheidung darüber treffen die städtische Kulturkommisssion und der Magistrat. 

In einer Serie beleuchten wir demnächst die Lebensgeschichten von Kasseler Persönlichkeiten, die ein Ehrengrab haben.

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