Bad schließt endgültig

Stadtbad Mitte: Nach 46 Jahren ist Schluss

Kassel. Die Tribünen waren 1967 mit Ehrengästen voll besetzt, als das Stadtbad Mitte feierlich eröffnet wurde. Während die Anzugträger bei exotischen Temperaturen schwitzten, trugen Jugendliche bereits die ersten Wettkämpfe aus. Damit ist jetzt Schluss.

Für normale Besucher hat das Stadtbad Mitte am heutigen Dienstag zum letzten Mal geöffnet. Die Städtischen Werke wollen das marode Bad in prominenter Lage an die OFB Projektentwicklungs GmbH verkaufen.

Der Aufsichtsrat der Städtischen Werke als Eigentümerin des Geländes hat dem Grundstücksverkauf an das zur Helaba Immobiliengruppe gehörende Unternehmen zugestimmt. Noch in diesem Jahr soll das Bad abgerissen werden. (use) 

Eröffnung im Jahr 1967

Es herrschte Gewitterschwüle vor der Halle, und drinnen war es tropisch warm. Die vielen Anzugträger kamen wohl ganz schön ins Schwitzen, als am Montag, 19. Juni 1967, das Stadtbad Mitte eröffnet wurde. Die Ehrengäste schlugen aber das Angebot von Heinz Büttner, Vorstandsvorsitzender der Städtischen Werke, aus, sich Leih-Badehosen anzuziehen, um ins Wasser zu springen.

Wie viel besser müssen sich da die Kunstschwimmerinnen des KSV Hessen und die Dame und die drei Herren der Springerschule gefühlt haben, die ihre Fähigkeiten im kühlen Nass dem großen Festpublikum auf den Tribünen vorführten.

46 Jahre ist es nun fast her, dass das Stadtbad Mitte feierlich eröffnet wurde. Heute werden die Schwimmer (von den Vereinen und Schulen einmal abgesehen, die haben Schonfrist bis Mitte Mai) hier zum letzten Mal ihre Bahnen ziehen können. Das Bad ist marode und wird dichtgemacht. Dafür bauen die Städtischen Werke das Kombibad an der Fulda, das wohl am Ende 32 Mio. Euro kosten wird. Dafür soll es sehr modern und attraktiv werden. Eines der modernsten Bäder

Das war das Stadtbad Mitte seinerzeit auch. Oberbürgermeister Karl Branner sagte 1967 bei dem Festakt, der bei der Hitze übrigens nur 37 Minuten dauerte, dass das Stadtbad Mitte „nicht nur das neueste, sondern auch eines der modernsten in der Bundesrepublik“ geworden sei. Die Verantwortlichen bei der Stadt und den Städtischen Werken hatten damals mit denselben Problemen zu kämpfen wie heute: Zeit und Geld. Als die Planungen für das zweite Hallenbad - die Kapazitäten des Hallenbads Ost waren aufgrund der vielen Besucher bereits ausgeschöpft - 1962 begannen, hatte man 5,4 Mio. DM für den Bau eingeplant. Letztlich kostete das Stadtbad Mitte 6,8 Mio. DM. Nimmt man das schon einige Jahre zuvor eröffnete medizinische Bad dazu, dann kostete der Gesamtkomplex gar 10 Mio. Mark.

Ursprünglich hatten die Städtischen Werke einen Zuschuss des Bundes (Verteidigungsministerium) einkalkuliert. Der blieb jedoch aus, weil überraschend für die in und um Kassel stationierten Einheiten der Bundeswehr und des Bundesgrenzschutzes ein eigenes Hallenbad geplant wurde.

Badehauben für Männer

Das Thema Schwimmen wurde damals genauso emotional wie heute diskutiert. Auch in Leserbriefen. Unsere Zeitung veröffentlichte damals Zuschriften von Lesern, die sich damit auseinandersetzten, ob die Schwimmgäste vor dem Bad ausreichend Körperhygiene unter der Dusche betrieben. Und Direktor Büttner stellte nach der Eröffnung klar, dass laut Badeordnung nicht nur Frauen eine Badehaube tragen müssen, sondern auch Männer mit Beatle-Frisur.

Im Wandel der Zeit: Bilder aus dem Bad

Historische Bilder: Stadtbad Mitte

Rubriklistenbild: © Baron

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