Ohne Wässern geht es nicht

Kassels Stadtbäume brauchen Hilfe: Große Schäden durch Trockenheit

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Vertrocknete Äste: Die drei Bäume vor dem Fridericianum sind krank. Im Herbst sollen sie gefällt und ersetzt werden.

Die Situation hat sich noch einmal zugespitzt. Mit jedem weiteren trockenen Tag geht es den Bäumen im Stadtgebiet schlechter.

Zwar sind die Mitarbeiter des städtischen Umwelt- und Gartenamtes ständig unterwegs und verteilen täglich bis zu 30 000 Liter Wasser, doch das reicht nicht. „Wir können uns nur um jüngere Bäume bis zum sechsten Standjahr kümmern“, sagt Jörg Gerhold, der für städtischen Grünflächen zuständig ist.

Bereits im Frühjahr gab es erste alarmierende Meldungen über den Zustand der ohnehin angeschlagenen Bäume im Stadtgebiet. Nach der extremen Dürre im vergangenen Jahr hofften die Fachleute auf deutlich mehr Regen. Bislang ist daraus nichts geworden.

Auch deshalb sieht man überall im Stadtgebiet Bäume mit vertrockneten Ästen oder braunen Kronen. Wenn solche Bäume an Schulwegen oder anderen oft genutzten Verbindungen stehen, muss schnell gehandelt werden. Normalerweise gibt es für die 86.000 Bäume im Stadtgebiet pro Jahr um die 8000 Pflegeaufträge. Das heißt, dass Äste herausgeschnitten, Kronen gestutzt oder ganze Bäume gefällt werden.

Für das laufende Jahr zeichnen sich eine Steigerung um 50 Prozent mit Mehrkosten von rund 250 000 Euro ab. Die durch Trockenheit geschwächten Bäume sind zudem anfälliger für Schädlinge und Pilzerkrankungen. Das trifft auch auf eine Dreiergruppe Baumhasel auf dem Friedrichsplatz zu. Die Bäume waren im Frühjahr schon angeschlagen, jetzt ist klar: Sie müssen gefällt werden.

Es gibt allerdings auch positive Entwicklungen. So haben die neu gepflanzten Bäume an der Unteren Königsstraße sowohl Hitze als auch Trockenheit gut überstanden. Bei diesen Bäumen werden die großen Wurzelballen automatisch bewässert. So ist das auch bei den Neuanpflanzungen am Friedrichsplatz vorgesehen. Den jungen Bäumen an der Friedrich-Ebert-Straße und der Wilhelmshöher Allee geht es ebenfalls gut. Sie werden regelmäßig gegossen.

Abgestorben: Der Baum steht an der Todenhäuser Straße.

Neupflanzungen werden länger betreut

Bis vor einigen Jahren war es üblich, dass neu gepflanzte junge Bäume über einen Zeitraum von drei Jahren bewässert und betreut wurden. Durch die zunehmend trockenen Sommer hat sich dieser Zeitraum deutlich verlängert. Bis zum sechsten Standjahr kümmern sich jetzt die Mitarbeiter des städtischen Umwelt- und Gartenamtes um die jungen Bäume. Unter anderem an der Wilhelmshöher Allee und an der Friedrich-Ebert-Straße ist das nötig.

Ohne Wässern geht es nicht

Trockenheit, Schädlinge und Pilzbefall setzten den Bäumen ohnehin zu. Mittlerweile richten die Fachleute den Blick aber auch auf eine weitere Bedrohung. „Der Eichenprozessiosnsspinner breitet sich immer mehr in Richtung Norden aus“, sagt Jörg Gerhold vom städtischen Umwelt- und Gartenamt. Es sei eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, wann er in Kassel und Umgebung ankomme.

Die Härchen des Eichenprozessionsspinners können allergische Reaktionen wie Hautreizungen und Atemprobleme hervorrufen. In Frankfurt ist das schon eine Plage. Baumpfleger bekämpfen den Schädling und tragen dabei Schutzanzüge und Atemmasken.

Vertrocknete Äste: Die drei Bäume vor dem Fridericianum sind krank. Im Herbst sollen sie gefällt und ersetzt werden. Foto:

25.000 Straßenbäume

Je enger die Bebauung, um so schwieriger werden die Bedingungen für Bäume. Sowohl der Straßenbelag als auch die Fassaden der Häuser strahlen Hitze ab. Etwa 25.000 Straßenbäume gibt es in Kassel. Weil die oft für ihre Wurzeln nur wenig Platz haben, trifft sie die Trockenheit besonders. Kann man den Bäumen vor der eigenen Haustür irgendwie helfen? Das sei schwierig, sagt Gerhold. Es bringe jedenfalls nichts, eine Gießkanne voll Wasser direkt an den Stamm zu schütten. Das Wurzelwerk, das die Feuchtigkeit aufnehme, befinde sich in etwa im Kronenradius. Und das ein gutes Stück unter der Erde. Bei jüngeren Bäumen könne man aber auch in der Nähe des Stammes gießen.

Viele Neupflanzungen

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Bäume auf öffentlichen Flächen in der Stadt gestiegen. Und Zwar von 82 700 im Jahr 2015 auf aktuell 86 000. Bei den Neupflanzungen wird darauf geachtet, vermehrt klimaresistente Arten zu verwenden. Zu den Bäumen, die Hitze und Trockenheit besser verkraften, gehören Linden und Steineichen. Letztere können allerdings vom Eichenprozessionsspinner befallen werden.

Auch Parks betroffen

Längst sind es nicht nur die Straßenbäume, die unter der Trockenheit leiden. Auch in den städtischen Grünfläche wie dem Park Schönfeld, dem Stadthallengarten oder dem Aschrottpark gibt es Schäden. Einmal pro Jahr werden die Bäume normalerweise begutachtet, bei Bedarf auch häufiger. Der Aufwand für die Pflege wird steigen. Darauf hat sich die Stadt schon eingestellt.

Haariger Plagegeist: Das Foto zeigt eine Raupe des Eichenprozessionsspinners.

Drei Teams im Einsatz

Das Umwelt- und Gartenamt hat das Stadtgebiet in drei größere Bezirke aufgeteilt, die von entsprechenden Teams mit insgesamt sechs Wasserwagen betreut werden. Für die jungen Bäume an der Wilhelmshöher Allee und der Friedrich-Ebert-Straße sind im Moment noch die Firmen zuständig, die sie im Auftrag gepflanzt haben.

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