Rasante Entwicklung im Vorderen Westen

Stadtbaurat Nolda im Interview: Es wird eng in Kassels Westen

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Optimistisch: Stadtbaurat Christof Nolda glaubt, mit Kassels Freiflächen den Wohnungsbedarf decken zu können.

Kassel. Die Bautätigkeit in Kassel entwickelt sich seit zwei Jahren rasant. Besonders anschaulich ist dies im Vorderen Westen, wo die dichtere Bebauung Parkplatznot zur Folge hat. Wir sprachen mit Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) über das Viertel und die Potenziale für Wohnungsbau in der Stadt.

Die Bebauung im Vorderen Westen hat sich in den vergangenen Jahren stark verdichtet. Sehen Sie dort noch Möglichkeiten für eine weitere Entwicklung?

Christof Nolda: Es ist der beliebteste und am dichtesten bebaute Stadtteil Kassels. Die Belastung durch die hohe Dichte ist nicht unerheblich. Der Vordere Westen bietet in einzelnen Bereichen aber durchaus Chancen für Neubauprojekte. Wir schauen deshalb bei dem, was dort gebaut wird, sehr genau auf die Qualität. Ein Aspekt dabei ist: Bei Neubauten bestehen wir restriktiv darauf, dass die Bauherren Parkplätze auf privatem Grund schaffen, etwa durch den Bau von Tiefgaragen.

Wo genau sehen Sie die Potenziale für weitere Neubauten im Vorderen Westen?

Nolda: Zum Beispiel neben der Königstorschule, auf den Flächen seitlich des ehemaligen Finanzamts an der Goethestraße oder gegenüber von Wintershall an der Friedrich-Ebert-Straße. Es gibt einen Bedarf an neuen Wohnungen und es gibt die Bereitschaft für Investitionen. Wenn, wie jetzt, beides zusammenkommt, muss die Stadt diese Chance nutzen. Allerdings bedeutet die Innenentwicklung eines Stadtteils immer auch einen Verlust an Freiräumen und eventuell auch Belichtung. Wir müssen eine verdichtete Bebauung zulassen, aber gleichzeitig die Qualität der Freiflächen heben. Das ist uns beim Umbau der Goethestraße gelungen.

Dennoch gibt es rund um die Goethestraße Beschwerden von Gewerbetreibenden, dass Parkplätze für ihre Kunden fehlen. Wäre es nicht sinnvoll, einige der dortigen Anwohnerparkplätze zumindest tagsüber freizugeben?

Nolda: Darüber will ich gern im Zusammenhang mit der Neuordnung der Parkgebührensatzung diskutieren, die wir bis zum Sommer umsetzen wollen. Aber es ist ein schwieriges Thema. Denn die Interessen der Anwohner müssen gewahrt bleiben.

Nach dem Umbau der Friedrich-Ebert-Straße wird nur noch ein Fahrstreifen in jede Richtung zur Verfügung stehen, den sich Straßenbahnen und Autos teilen müssen. Ist da nicht mit Staus zu rechnen?

Nolda: Wir haben dies im Vorfeld durch Verkehrsgutachter prüfen lassen. Deren Feststellung ist, dass es zu keinen Kapazitätsproblemen kommen wird. An dieser Stelle müssen wir uns auf die Gutachter verlassen.

Welche Potenziale für den Wohnungsbau sehen Sie in den nächsten Jahren in Kassel?

Nolda: Der studentische Wohnungsbau hat in den vergangenen Jahren eine große Rolle gespielt. Ich bin mir aber nicht sicher, ob der Boom anhalten wird. Ich bin mir hingegen sicher, dass die Potenziale in der Stadt den Bedarf an Wohnungen auch künftig decken werden. Kassel ist nicht mit einer Stadt wie Frankfurt vergleichbar. Dort entstehen jedes Jahr 5000 Wohnungen, gebraucht werden aber 8000. In Kassel steht ausreichender Wohnraum zur Verfügung, sowohl im Bestand als auch durch Neubauten. Zuletzt hat die Stadt im Schnitt jährlich 85 Wohnbaugrundstücke entwickelt. Die Zahl der fertiggestellten Wohneinheiten hat sich jüngst auf 490 verdoppelt.

Neben studentischen Wohnungen entsteht auch viel teurer Wohnraum in Stadtvillen. Bräuchte die Stadt nicht eher bezahlbare Wohnungen?

Nolda: Stadtvillen sind ein Trend. Barrierefreie Eigentumswohnungen in der Innenstadt sind gefragt. Viele Hausbesitzer vom Land zieht es im Alter in die Stadt. Die Mietpreise in Kassel sind vergleichsweise niedrig. Wenn Sie heute aber neu bauen, müssen Sie mindestens acht bis 11,50 Euro pro Quadratmeter Miete verlangen, damit sich die Investition rentiert. Mancher verlangt gar 16 Euro. In diesem Preissegment wird Wohnraum für ein Publikum geschaffen, das sich das auch leisten kann: Stadtvillen.

Aber was ist mit bezahlbarem Wohnraum?

Nolda: Den haben wir im Bestand. Ich bin froh, dass die Wohnungsbaugesellschaften langsam wieder etwas mehr in den Geschosswohnungsbau investieren.

Von Bastian Ludwig

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