Stadtbibliothek Kassel arbeitet mit der Deutschen Blindenbibliothek zusammen

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Hörbücher online bestellen: Manfred Duensing, Günther Burkhardt und Andrea Katemann zeigen, wie blinde und sehbehinderte Menschen Hörbücher via Internet ausleihen können. Im Vordergrund ist das Abspielgerät „daisy“ zu sehen.

Kassel. Die Stadtbibliothek Kassel ist jetzt eine von zwölf Hörbüchereien in Hessen. Das heißt, sie macht gezielt auf das Angebot der Deutschen Blindenbibliothek aufmerksam, informiert über Bestellverfahren von Hörbüchern und den Umgang mit speziellen Abspielgeräten.

Die Blindenbibliothek befindet sich an der Deutschen Blindenstudienanstalt (Blista) in Marburg und hat 42 000 Hörbücher quer durch alle Genres in ihrem Bestand. Diese können Blinde und sehbehinderte Menschen telefonisch oder via Internet per Online-Katalog direkt und gratis bei der Blindenbibliothek bestellen. Die Nutzung von Laptop und Computer ist blinden Menschen beispielsweise durch ein Zusatzgerät möglich, das den Bildschirminhalt in Blindenschrift überträgt.

Alle Hörbücher der Blindenbibliothek sind laut Blista-Sprecher Manfred Duensing blinden- und sehbehindertengerecht produziert. „Die Sprecher müssen beispielsweise bestimmte Standards bei der Aufnahme eines Hörbuchs beachten, etwa zuerst die Nennung des Autors, dann des Titels“, erklärt Andrea Katemann, Leiterin der Deutschen Blindenbibliothek. Das spezielle Abspielgerät daisy (Digital Accessible Information System) ermöglicht es den Nutzern außerdem, gezielt Kapitel in den Hörbüchern auszuwählen oder zwischen Seiten und Sätzen hin und herzuspringen. Auch im Umgang mit daisy wurden die Kasseler Bibliotheksmitarbeiter geschult. Die Hörbücher können aber auch auf anderen Geräten abgespielt werden, allerdings ohne die speziellen Navigationsmöglichkeiten.

„Wir fungieren in Bezug auf das Angebot der Blindenbibliothek praktisch als Multiplikator, Vermittler und Beratungsstelle für blinde und sehbehinderte Menschen und deren Angehörigen“, sagt Günther Burkhardt, stellvertretender Leiter der Stadtbibliothek im Rathaus, bei der Vorstellung des Angebots im Rathaus.

4500 Menschen nutzen laut Duensing das Angebot der Blindenbibliothek. Die Hörbücher dort kann man ausleihen, wenn man die Bescheinigung einer Sehbehinderung vorweisen kann. Drei bis vier Hörbücher werden auf CD in gelben Boxen verschickt, die in jeden Briefkasten passen. Blindensendungen sind weltweit portofrei. Nach spätestens sechs Wochen müssen die Hörbücher in der bereits rückadressierten Box wieder zurückgeschickt werden.

In der Blindenbibliothek etwa wird jede Woche auch der komplette Inhalt des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ als Hörbuch produziert. „Montagabends ist bereits eine Download-Version online verfügbar“, sagt Duensing.

Die Produktion dauert zehn bis elf Stunden. Duensing: „Hörbücher sind ein wichtiges Instrument, um blinden und sehbehinderten Menschen durch zeitnahe Informationen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.“ www.hoerbuecherei-vor-ort.de

Von Mirko Konrad

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